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15.03.2025Bundesliga

Gegner-Check: Hoeneß hat wieder mehr Alternativen

Nach der fantastischen Vorsaison, in der der VfB Stuttgart hinter der Werkself Vizemeister wurde, läuft es für die Schwaben in der aktuellen Spielzeit holpriger. Derzeit rangiert der VfB nur auf einem Mittelfeldplatz. Im Heimspiel gegen Bayer 04 am Sonntag, 16. März (Anstoß: 19.30 Uhr), wollen die Weiß-Roten nach vier Spielen ohne Sieg in der Tabelle möglichst Boden gutmachen. Trainer Sebastian Hoeneß kann dabei wieder auf einige zuletzt ausgefallene Leistungsträger zurückgreifen. Der Gegner-Check.
El Bilal Touré, VfB Stuttgart

Position

Das 2:2 am vergangenen Wochenende bei Holstein Kiel steht symptomatisch für die gesamte Saison des VfB Stuttgart. Die Schwaben zeigen wechselhafte Leistungen, und das mitunter – wie bei den Störchen – innerhalb eines Spiels. In Kiel brachte Jamie Leweling die Gäste früh in Führung, denen es danach aber an Entschlossenheit fehlte, auf das 2:0 zu gehen. Stattdessen drehte der Aufsteiger die Partie und VfB-Innenverteidiger Leonidas Stergiou flog nach einer Notbremse mit Rot vom Platz. In Unterzahl schafften die Stuttgarter den Ausgleich durch Ermedin Demirovic und verteidigten den Punkt mit viel Leidenschaft. Die zwei Gesichter der Schwaben beschrieb Fabian Wohlgemuth, Sportvorstand des VfB, nach der Partie so: „In der ersten Halbzeit haben wir zu wenig investiert. In der zweiten Hälfte ist die Botschaft für uns alle, dass die Moral gepasst hat. Wir müssen aber in der Lage sein, hier mehr als einen Punkt mitzunehmen.“

Einerseits blieben die Cannstätter mit dem 2:2 in Kiel zum dritten Mal nacheinander in einem Auswärtsspiel ohne Niederlage. Andererseits sind sie nun – erstmals unter Trainer Sebastian Hoeneß – bereits seit vier Spielen in Folge ohne Sieg. Zuvor hatten die Stuttgarter zu Hause gegen den FC Bayern München verloren (1:3), ein Remis bei der TSG Hoffenheim geholt (1:1) und vor eigenem Publikum ein 1:2 gegen den VfL Wolfsburg einstecken müssen. So steht der Vizemeister der Vorsaison aktuell im Bundesliga-Mittelfeld mit 37 Punkten nach 25 Spielen. Das sind 16 Punkte weniger als zum selben Zeitpunkt in der vergangenen Saison.

In der UEFA Champions League beendete der VfB die Ligaphase auf Platz 26 und verpasste damit den erhofften Einzug in die Play-offs um zwei Ränge. Besser lief es für die Schwaben im DFB-Pokal, wo sie nach Siegen gegen den SC Preußen Münster (5:0), den 1. FC Kaiserslautern (2:1), den SSV Jahn Regensburg (3:0) und den FC Augsburg (1:0) ebenso wie Bayer 04 im Halbfinale stehen und dort am 2. April RB Leipzig in der MHP Arena erwarten.

Personal

Außenverteidiger Leonidas Stergiou ist nach seiner Roten Karte aus dem Spiel gegen Kiel für zwei Spiele gesperrt worden und fehlt seiner Mannschaft somit am Sonntag gegen die Werkself. Die Ausfallliste war zuletzt ohnehin lang beim VfB. Vor allem in der Defensive fehlten zahlreiche Spieler verletzungs- bzw. krankheitsbedingt. Die Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou (Außenbandprobleme) und Anrie Chase (Muskelfaserriss im Aduktorenbereich) sowie die Mittelfeldspieler Nikolas Nartey und Luca Raimund (beide Oberschenkelverletzung) werden auch gegen die Werkself weiterhin nicht zur Verfügung stehen.

Wieder an Bord sind hingegen Jeff Chabot und Finn Jeltsch. Während Chabot nach überstandener Krankheit Mitte der Woche wieder mit der Mannschaft trainierte, ist Jeltsch, Winter-Neuzugang vom 1. FC Nürnberg, nach einer Gelbsperre nun gegen Bayer 04 wieder spielberechtigt. Das Duo Chabot/Jeltsch könnte also am Sonntag wieder die Innenverteidigung bilden. Zudem kehren Luca Jaquez und sein Verteidiger-Kollege Ameen Al Dakhil in den Kader zurück. Auch im Angriff hat Sebastian Hoeneß wieder mehr Alternativen. Das Comeback von El Bilal Touré beim Remis in Kiel weckt große Hoffnungen. Der Nationalspieler Malis hatte sich im November 2024 bei einem Länderspiel einen Mittelfußbruch zugezogen. In Kiel durfte der von Atalanta Bergamo ausgeliehene Stürmer nach dreimonatiger Zwangspause erstmals wieder für fünf Minuten spielen. Der pfeilschnelle 23-Jährige hinterließ dabei einen sehr guten Eindruck. Jetzt sollen die nächsten Schritte folgen.

Probleme

Möglicherweise wird Undav am Sonntag aber zunächst auf der Bank Platz nehmen. Der deutsche Nationalspieler hat sein fünf Ligapartien nicht mehr getroffen. In der vergangenen Saison war der 28-Jährige mit 18 Toren und zehn Assists in herausragender Form. Derzeit aber läuft es nicht rund bei ihm. Beim 2:2 in Kiel nahm Sebastian Hoeneß seinen glücklosen Stürmer, der in der laufenden Saison sieben Tore erzielte und eins vorbereitete, zur Halbzeit vom Feld. Für Undav kam Ermedin Demirovic ins Spiel, der prompt den wichtigen 2:2-Ausgleich erzielte. Der Bosnier hatte damit seine eigene, langanhaltende Torflaute beendet. Zuvor war ihm seit Dezember 2024 nur ein Treffer in zwölf Pflichtspielen gelungen. Mit insgesamt neun Saisontoren ist Demirovic jetzt wieder erfolgreichster Schütze der Schwaben vor Nick Woltemade (acht Tore), der dem Bosnier zuletzt den Stammplatz im Angriff streitig gemacht hatte. Dennoch: Die Offensive des VfB ist nicht mehr ganz so durchschlagskräftig wie in der Vorsaison, in der die Stuttgarter zum selben Zeitpunkt 13 Treffer mehr erzielt hatten.

Auffallend zudem: Das Hoeneß-Team verspielte in Kiel zum vierten Mal in Folge eine Führung. Insgesamt ließen die Schwaben bereits 15 Punkte nach Führungen liegen – so viele wie sonst nur der VfL Wolfsburg. Und keine Mannschaft kassierte so viele Gegentreffer in der Schlussviertelstunde wie der VfB, der in dieser Spielphase elf Treffer hinnehmen musste. Überhaupt zeigen sich die Stuttgarter in der Abwehr anfälliger als in der Vorsaison, in der sie mit 39 Gegentoren die zweitbeste Defensive der Liga nach der Werkself stellten. In der laufenden Spielzeit hat Torhüter Alexander Nübel bereits nach den bisherigen 25 Spieltagen 39 Gegentore schlucken müssen.

Prunkstück

Nach wie vor zählt der VfB zu den spielstärksten Teams der Liga. Nach dem FC Bayern, Borussia Dortmund und Bayer 04 haben die Schwaben die längsten Ballbesitz-Zeiten aller Mannschaften. Mit ihrem sauberen Passspiel erarbeiteten sich die Weiß-Roten unter anderem die zweitmeisten Großchancen (81) nach den Bayern (125). Viel läuft beim VfB über die mit schnellen und technisch starken Spielern – wie Chris Führich und Jamie Leweling – besetzten Flügel. Das Toreschießen verteilt sich auf viele Schultern: Stuttgart zählt bislang 16 verschiedene Torschützen. So viele weist sonst nur noch die Werkself auf. Die Leverkusener sollten insbesondere bei den Standards der Schwaben wachsam sein. Denn Angelo Stiller und Co. erzielten bereits 14 Treffer nach ruhenden Bällen – genauso viele wie Bayer 04. Das ist geteilt der drittbeste Wert in der Liga. Vor dem anstehenden Duell mit der Werkself fordert Kapitän Atakan Karazor von seiner Mannschaft, „dass wieder ein paar Schippen draufgelegt werden müssen“. Denn jetzt komme mit Bayer 04 ein anderes Kaliber: „Wir müssen 100 Prozent geben, voll fokussiert sein. Und noch enger zusammenrücken.“

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