Gegner-Check: Hoeneß freut sich auf ein „schönes Brett zum Auftakt“

Nur drei Punkte trennen den VfB Stuttgart und Bayer 04 in der Tabelle. Die Schwaben könnten mit einem Sieg in der BayArena an diesem Samstag, 10. Januar (Anstoß: 18.30 Uhr/live bei Sky sowie WOW und im Werkself-Radio), also mit der Werkself gleichziehen. In der Vergangenheit war Leverkusen für den Pokalsieger von 2025 allerdings selten ein gutes Pflaster. Der Gegner-Check.
Sebastian Hoeneß und Deniz Undav

Position

Restlos überzeugt hat ihn der Auftritt seiner Mannschaft im Testspiel gegen den FC Luzern am vergangenen Montag nicht. „Ich bin mit den ersten 70 Minuten zufrieden, mit den letzten 20 Minuten überhaupt nicht“, sagte Stuttgarts Cheftrainer Sebastian Hoeneß nach dem 3:2-Sieg gegen den Schweizer Erstligisten. Zur Pause führte der VfB durch Tore von Nikolas Nartey und Justin Diehl hoch verdient mit 2:0. Nach dem Seitenwechsel legte Chris Führich den dritten Treffer für die bis dahin in allen Belangen überlegenen Stuttgarter nach. Dass sich die Schwaben in der Schlussphase dann nach eigenen Ballverlusten noch zwei Gegentore fingen, gefiel Hoeneß weniger. Das Defensivverhalten in dieser Phase trübte den positiven Gesamteindruck etwas. Dennoch war der Test aufschlussreich für den Trainer. Grundsätzlich sei es darum gegangen, „in den Rhythmus zu kommen und Automatismen wieder aufzunehmen".

Mit dem bisherigen Verlauf der Bundesliga-Hinrunde dürfen Hoeneß und der VfB sehr zufrieden sein. Die Stuttgarter spielen mit 26 Punkten nach 15 Partien ihre zweitbeste Saison seit der Meisterschaft 2007. Vor der kurzen Winterpause hatten es die Schwaben verpasst, in der Tabelle an der TSG Hoffenheim vorbeizuziehen. Stuttgart kam im Heimspiel gegen die Kraichgauer nicht über ein 0:0 hinaus, blieb auf Rang sechs – Hoffenheim hat als Fünfter einen Punkt mehr auf dem Konto. Bayer 04, der kommende Gegner, liegt mit drei Punkten Vorsprung vor dem VfB auf Platz drei. Von den vergangenen fünf Spielen in der Bundesliga konnte das Hoeneß-Team nur eines gewinnen – auswärts mit 4:0 beim SV Werder Bremen.

In der UEFA Europa League haben die Schwaben gute Chancen, sich direkt fürs Achtelfinale zu qualifizieren. Aktuell rangiert der VfB nach vier Siegen und zwei Niederlagen mit zwölf Punkten auf Platz neun – nur einen Zähler hinter dem Achten FC Porto und nur drei Punkte hinter Spitzenreiter Olympique Lyon. Auch im DFB-Pokal ist der amtierende Titelträger noch im Rennen. Nach Siegen gegen Eintracht Braunschweig (8:7 i.E.), den 1. FSV Mainz 05 (2:0) und den VfL Bochum 1848 (2:0) treten die Stuttgarter im Viertelfinale am 4. Februar beim Zweitligisten Holstein Kiel an.

Die Bilanz gegen Bayer 04 sieht aus VfB-Sicht allerdings alles andere als gut aus: Stuttgart konnte von den vergangenen 29 Pflichtspielen gegen die Werkself nur eines gewinnen – der letzte Sieg gelang den Schwaben im April 2018 (1:0). Seitdem blieben die Weiß-Roten in zwölf Bundesliga-Duellen mit Schwarz-Rot sieglos (fünf Remis, sieben Niederlagen). „Das wird natürlich ein schönes Brett zum Auftakt“, sagt Sebastian Hoeneß mit Blick auf die Partie in Leverkusen. „Ich habe aber das Gefühl, die Jungs sind in einer guten Verfassung. Wir freuen uns darauf und hoffen, dass wir vielleicht mal andere Ergebnisse erzielen können als in den vergangenen Jahren."

Personal

In der Offensive hat Hoeneß nun wieder ein paar Optionen mehr: Beim Test gegen den FC Luzern gab Mittelstürmer Ermedin Demirovic nach dreimonatiger Verletzungspause sein Comeback für den VfB. Letztmalig war der Bosnier Anfang Oktober beim 1:0-Sieg gegen den 1. FC Heidenheim zum Einsatz gekommen, anschließend zwang eine Fußverletzung den 27-Jährigen zu der langen Pause. Eine weitere Offensivkraft feierte gegen Luzern ihr Debüt für die Schwaben: Jeremy Arevalo wechselte Anfang dieses Jahres vom spanischen Zweitligisten Racing Santander nach Stuttgart. Der 20 Jahre junge Angreifer ist eine Investition für die Zukunft. „Er verfügt schon jetzt über viele Eigenschaften, die ein Stürmer braucht, und hat seine Qualitäten in Santander unter Beweis gestellt“, sagt Fabian Wohlgemuth, Vorstand Sport beim VfB, über den Neuzugang. „Gleichzeitig ist er noch jung und wir sehen bei Jeremy noch viel Potenzial, das wir gemeinsam mit ihm entwickeln wollen.“ An der Seite seiner erfahrenen Stürmerkollegen Deniz Undav, Ermedin Demirovic und Jamie Leweling soll sich Arevalo sukzessive ans Bundesliga-Niveau gewöhnen.  

Getrennte Wege gehen seit Mitte dieser Woche der VfB Stuttgart und Außenstürmer Silas. Sechseinhalb Jahre stand der Kongolese bei den Schwaben unter Vertrag, in der vergangenen Saison war der Offensivakteur auf Leihbasis für Roter Stern Belgrad aufgelaufen. Ab sofort wird Silas für den 1. FSV Mainz 05 die Fußballschuhe schnüren. Auch Mittelfeldspieler Yannik Keitel steht nicht mehr im Kader der Stuttgarter. Der 25-Jährige wurde bis zum Saisonende an den FC Augsburg ausgeliehen.

Verletzungsbedingt muss der VfB am Samstag in Leverkusen ohne die Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou (Muskelverletzung), Luca Jaquez (Oberschenkelverletzung) und Ameen Al Dakhil (Infekt) auskommen. Fehlen wird zudem Neuzugang Bilal El Khannouss, der im Sommer auf Leihbasis von Leicester City nach Stuttgart kam und sich sofort als große Verstärkung in der VfB-Offensive erwies. Der 21-Jährige ist aktuell ebenso wie Bayer 04-Profi Eliesse Ben Seghir mit Gastgeber Marokko beim Afrika-Cup aktiv. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Tiago Tomas. Der Portugiese musste beim Test gegen Luzern wegen Oberschenkelproblemen passen.

Probleme

Der Klub aus Cannstatt hatte bislang gerade gegen die Topklubs der Liga in der Defensive Probleme. Die Hälfte ihrer 22 Gegentore mussten die Stuttgarter gegen den FC Bayern (0:5), Borussia Dortmund (3:3) und RB Leipzig (1:3) hinnehmen. Die Weiß-Roten erwiesen sich als konteranfällig und fingen sich insbesondere in der Schlussphase etliche Gegentore. Neun Treffer, so viele wie sonst nur Eintracht Frankfurt, kassierte der VfB in der letzten Viertelstunde. Im eigenen Offensivspiel müssen sich die Schwaben zuweilen fehlende Effizienz vorwerfen lassen. So ließen sie bei der deutlichen Niederlage gegen die Bayern zahlreiche Chancen ungenutzt. Und auch beim 1:3 gegen Leipzig fehlte es vorne an Durchschlagskraft.

Prunkstück

Was Spielkultur und fußballerische Klasse betrifft, zählt der VfB zu den Topmannschaften der Bundesliga. Hoeneß setzt auf Dominanz. Die im Schnitt knapp 58 Prozent Ballbesitz sind deutlicher Beleg dafür. Nur der FC Bayern (69 %) und Bayer 04 (60 %) kommen hier auf noch höhere Werte. Auch bei den gespielten Pässen pro Partie landet Stuttgart auf Platz drei hinter den beiden vorgenannten Konkurrenten. Trotz der Abgänge der beiden Leistungsträger Enzo Millot (Al-Ahli, Saudi-Arabien) und Nick Woltemade (Newcastle United) verfügt Hoeneß auch in der aktuellen Saison über ein in allen Mannschaftsteilen stark besetztes, homogenes Team, das nie aufgibt. Der VfB hat bereits zehn Punkte nach Rückständen gewonnen – so viele wie sonst nur noch die TSG Hoffenheim. Innenverteidiger Jeff Chabot, Mittelfeld-Motor Angelo Stiller und Stürmer Deniz Undav bilden die zentrale Achse. Letzterer ist mit zehn Pflichtspieltreffern erfolgreichster Torschütze im Team. Auch Neuzugang Bilal El Khannouss hat sich mit sechs Toren in Liga und Europa League hervorragend beim VfB eingeführt. Auf den Außenpositionen sorgen vor allem Tiago Tomas und Nationalspieler Jamie Leweling für hohes Tempo und Torgefahr. Leweling ist mit zehn Assists in drei Wettbewerben bester Vorbereiter bei den Stuttgartern.

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