
„Die Statistik“, verrät Markus Weinzierl vor dem Spiel in der BayArena, „habe ich mir gar nicht erst angeschaut, weil ich weiß, dass sie schlecht ist“. Der FC Augsburg hat in der Tat keines seiner 21 Bundesliga-Duelle gegen die Werkself gewonnen (7 Remis, 14 Niederlagen). Umso mehr wittere man die Chance, diese Serie am Samstag zu beenden, so der Trainer. „Wir wissen, dass wir auf eine gute Mannschaft treffen. Leverkusen hat eine brutale Qualität. Wir wollen sie gar nicht erst ins Spiel kommen lassen und uns von unserer besten Seite zeigen“, gab Weinzierl am Donnerstag die Marschroute für die Partie an der Dhünn vor. Der FCA hat seinerseits keinen allzu guten Start in das neue Kalenderjahr erwischt. Bei der TSG Hoffenheim unterlagen die bayerischen Schwaben zum Rückrundenauftakt mit 1:3, zu Hause gegen Eintracht Frankfurt feierte der aktuelle Tabellen-15. am letzten Spieltag dafür immerhin einen Punktgewinn (1:1). „Der Druck wird nun größer“, betonte Torhüter Rafal Gikiewicz nach dem Remis gegen die Adler und schob hinterher: „Es ist an der Zeit zu punkten, aber ich habe schon immer gesagt, dass wir die Qualität haben, um nicht bis zum letzten Tag im Abstiegskampf dabei zu sein.“
Hinter dem Einsatz von Iago steht wenige Tage vor dem Spiel noch ein Fragezeichen. Der Linksverteidiger ist ebenso wie seine beiden Teamkollegen Mads Pedersen und Arne Meier angeschlagen. Dennoch ist Weinzierl optimistisch und macht seine Entscheidungen vom Abschlusstraining abhängig. Sicher mit an Bord ist hingegen Felix Uduokhai. Der Innenverteidiger hatte sich zuletzt monatelang mit Blessuren herumgeschlagen. Gegen Hoffenheim und Frankfurt konnte der 24-Jährige jüngst zwei Einsätze verbuchen und steht demnach wieder voll im Saft. Das freut auch den Trainer: „Wir sind jetzt in der Situation, drei gute Innenverteidiger (Reece Oxford, Jeffrey Gouweleeuw und Uduokhai, Anm. d. Red.) zu haben und können somit gegnerbezogen die beste Auswahl treffen“, erklärt Weinzierl, der am vergangenen Spieltag zudem erstmals von Beginn an auf Winter-Neuzugang Ricardo Pepi (bislang ohne Torbeteiligung) gesetzt hatte. Der 19-jährige Angreifer, gegen Hoffenheim noch als Joker eingewechselt, war Anfang Januar vom FC Dallas in die Fuggerstadt gewechselt. „Gerade kulturell ist es ein großer Schritt, von Amerika nach Deutschland zu kommen“, meint sein neuer Teamkollege Uduokhai. Deshalb benötige Pepi auch noch Zeit, ehe er sein Potenzial vollends ausschöpfen könne. „Aber ich traue ihm definitiv zu, dass er uns weiterhelfen kann. Das hat man schon ein Stück weit im letzten Spiel gesehen.“
Vorsicht, Werkself: 8 ihrer insgesamt 19 Tore haben die Augsburger nach Standard-Situationen erzielt. „Für Mannschaften wie uns sind Standards sehr wichtig“, erläutert Weinzierl und fügt hinzu: „Wir arbeiten gezielt daran und haben viel Qualität bei den Schützen sowie bei den Spielern, die die Bälle verwerten.“ Gouweleeuw, Oxford und Uduokhai seien etwa drei überaus gute Abnehmer. Als Torjäger im Fokus steht beim FCA mit Michael Gregoritsch aktuell aber ohnehin ein anderer. Der Österreicher zählt wieder zum gefragten Personal, nachdem er bis zum zwölften Bundesliga-Spieltag nur sporadisch zum Einsatz gekommen war. Die letzten beiden Augsburger Treffer gingen indes auf das Konto des 1,93 Meter großen Offensivmanns, der nun bei vier Saisontoren steht und damit die klubinterne Torschützenliste vor Florian Niederlechner (drei) anführt. „Er hat sich seine aktuelle Verfassung erarbeitet“, lobt Weinzierl seinen Schützling, „und dass er effektiv sein kann, hat er nun bewiesen“.
Der frühe Vogel fängt den Wurm. Ein Sprichwort, das die Werkself in dieser Saison nahezu verinnerlicht hat, denn kein Bundesliga-Team traf in der Anfangsviertelstunde so häufig wie Bayer 04 (11). Die ligaweit meisten Gegentore in der Anfangsviertelstunde fing sich derweil der FC Augsburg: Bereits achtmal musste Keeper Rafal Gikiewicz in den ersten 15 Minuten eines Spiels hinter sich greifen. Und auch das Hinspiel (4:1) dürfte den Fuggerstädtern mit Blick auf die Statistik in schlechter Erinnerung geblieben sein, als Schwarz-Rot bereits nach 14 Minuten mit 2:0 führte. Auch hat die Weinzierl-Elf im Laufe dieser Saison Probleme, sich genügend Chancen herauszuspielen. 201 Torschüsse sind nach 19 Spieltagen der drittschlechteste Wert in Deutschlands höchster Spielklasse. Weshalb Gikiewicz auch nach dem Frankfurt-Spiel monierte: „Wir hatten unsere Anteile am Spiel, haben es aber nicht geschafft, den gegnerischen Torhüter öfter zu prüfen.“
Der Vorsprung des FC Augsburg auf einen direkten Abstiegsplatz beträgt aktuell nur einen Punkt. Keine Frage: In dieser Saison ist für die Fuggerstädter der Klassenerhalt das anvisierte Ziel. Die Rückkehr von Abwehrspieler Felix Uduokhai dürfte für mehr defensive Stabilität sorgen, wenngleich sich Angreifer Michael Gregoritsch in den vergangenen Wochen und Monaten vom Joker zum Schlüsselspieler entwickelt hat – seine Form könnte sich mitunter entscheidend auf die Ergebnisse der bayerischen Schwaben auswirken. Die mannschaftliche Geschlossenheit, die sie nach außen ausstrahlen, wird für Augsburg unterdessen im Kampf um den Ligaverbleib zum Faustpfand werden. Das weiß auch der Trainer: „Wir sind alle fokussiert“, sagt Weinzierl, „haben ein Ziel und halten als Team zusammen“. Gelingt dem FCA das, ist der Blick auf die Statistik gegen die Werkself ein Muster ohne großen Wert.


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