
Im beschaulichen Breisgau verläuft die Saison, wie sie so häufig verläuft beim SC Freiburg: ruhig. Das Team legte einen stotterigen Start in die Spielzeit hin, um dann um den Jahreswechsel herum groß aufzutrumpfen und insgesamt fünf Partien in Folge zu gewinnen. Aktuell ist die ganz große Euphorie – auch wegen einiger sehr schwerer Spiele – wieder ein wenig abgeflacht, zuletzt blieb das Team gegen Werder Bremen (0:0) und Union Berlin (0:1) zwei Mal ohne eigenen Torerfolg. „Wir haben nicht unverdient verloren“, musste Trainer Christian Streich am vergangenen Wochenende nach der Heimniederlage gegen Union eingestehen, einem der schwächeren Spiele der Freiburger Saison. Dennoch: Von Unruhe oder Unzufriedenheit ist im Verein keine Spur. Das Team befindet sich weiterhin fernab jeglicher Abstiegssorgen auf Tabellenplatz neun und hat noch Chancen, sich für das europäische Geschäft zu qualifizieren. Sollte das gelingen, könnten die Breisgauer ihre internationalen Spiele dann womöglich in ihrem neuen Stadion austragen. Das ist nach Verzögerungen durch die Corona-Pandemie inzwischen fertiggestellt, der konkrete Umzugstermin steht aber noch aus.
Streich kann derzeit personell fast aus dem Vollen schöpfen. Allein Torhüter Mark Flekken (Ellenbogenverletzung) und Offensivspieler Chang-hoon Kwon (Verletzung am Wadenbeinköpfchen) stehen derzeit nicht zur Verfügung. Auch aufgrund der daraus resultierenden „Qual der Wahl“ wird spannend zu beobachten sein, welcher Formation das Trainer-Urgestein in der BayArena das Vertrauen schenkt – zumal er nach der Niederlage gegen Union einiges an Verbesserungspotenzial ausgemacht hatte.
So könnte Streich – wie so oft in den vergangenen Wochen – wieder die Grundordnung wechseln: weg vom 4-4-2, hin zum 3-6-1, das der SC auch während der starken Phase zum Jahreswechsel praktizierte. Doch egal ob Dreier- oder Viererkette: Die Plätze in der Innenverteidigung sind umkämpft, nach der Rückkehr des zuletzt verletzten Keven Schlotterbeck verfügen die Freiburger über gleich vier zentrale Abwehrspieler mit guten Einsatzchancen, wobei einzig der Österreicher Philipp Lienhart als gesetzt gilt. Die weiteren Plätze dürfte Streich auch nach taktischen Gesichtspunkten vergeben. Nach dem Union-Spiel hatte der Fußball-Lehrer etwa den Spielaufbau aus der Zentrale bemängelt.
Auch in anderen Mannschaftsteilen könnten Veränderungen vorgenommen werden, einen sicheren Platz haben neben Lienhart derzeit nur Torwart Florian Müller, Kapitän Christian Günter, die Mittelfeld-Achse um Nicolas Höfler und Baptiste Santamaria sowie Top-Scorer Vincenzo Grifo. Streichs Personalauswahl für Sonntag, sie dürfte also Überraschungspotenzial bergen.
Das Aufeinandertreffen in der BayArena am Sonntag ist ein Duell zweier Teams mit ähnlichen Stärken. So stehen sich etwa die beiden Teams mit der besten Großchancenverwertung (beide 58 Prozent) der Bundesliga gegenüber, nur der VfB Stuttgart (sechs) erzielte mehr Tore nach Kontersituationen als die Werkself und der SC Freiburg (beide vier). Zudem stehen sich die beiden gefährlichsten Teams nach Ecken gegenüber. Freiburg erzielte bereits sechs Tore nach Eckbällen, statistisch gesehen führte jeder 14. zu einem Tor. In beiden Kategorien werden die Breisgauer im ligaweiten Vergleich nur von der Werkself (neun Tore; jede 13. Ecke) übertrumpft. Und auch defensiv profitieren Leverkusen und Freiburg von ihrer Lufthoheit, haben jeweils erst drei Kopfball-Gegentore kassiert – Ligatiefstwert. Bei so vielen Parallelen dürfte die entscheidende Frage werden: Wer kann die Stärken auf dem Rasen besser ausspielen?
Die normalerweise so variable Offensive ist zuletzt ein wenig ins Stocken geraten. In drei der vergangenen vier Spiele gelang den Freiburgern kein eigenes Tor, zuletzt gingen die Breisgauer zwei Mal in Folge leer aus – durchaus ungewöhnlich für den SC unter Streich. „Wir waren im vorderen Drittel nicht gut genug und dieses Mal auch nach Standards nicht gut“, bemängelte der Coach im Anschluss an das Spiel gegen Union. Stürmer Nils Petersen, der mal nicht als Joker, sondern von Beginn an ran durfte, erklärte sogar: „Ich habe selten ein Heimspiel von uns erlebt, in dem wir so weit weg von einem Tor waren. Ich hatte nicht mal im Ansatz das Gefühl, ein Tor schießen zu können.“ Auffällig: Sowohl in Bremen als auch gegen Union hatte Freiburg mehr Ballbesitz als der Gegner – normalerweise nicht unbedingt eine Domäne des Teams. Anfangen konnte der SC damit zuletzt aber wenig.
Den Blick nach hinten können die Breisgauer bei 13 Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz wohl getrost vernachlässigen. Viel eher könnte Freiburg mit Blick auf den Spielplan noch zur Attacke auf das internationale Geschäft blasen. Denn die bisherigen Aufgaben in der Rückrunde waren durchaus anspruchsvoll, Freiburg hat noch gegen kein einziges Team aus dem unteren Tabellendrittel gespielt. Die stehen den Breisgauern dafür im März und April in enger Taktung ins Haus – und wenn Streichs Team dann wieder so stabil auftreten sollte wie in der Hinrunde, können die Badener mit Sicherheit noch ein Wörtchen mitreden bei der Vergabe der internationalen Plätze.

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