
Der VfB Stuttgart zeigt bislang zwei Gesichter: International beeindruckten die Schwaben in der Ligaphase der Königsklasse mit starken Leistungen, in der Bundesliga dagegen blieben sie deutlich hinter den Erwartungen zurück. Vier der fünf vergangenen Bundesligaspiele gingen verloren. Nach sieben Spieltagen stehen damit lediglich sechs Punkte und Rang 15 zu Buche – es ist der schlechteste Saisonstart seit vier Jahren. Am vergangenen Wochenende brachte Ermedin Demirovic die Stuttgarter zu Hause gegen Schlusslicht Borussia Mönchengladbach zwar früh in Führung. Doch der VfB ließ den Gegner zurück ins Spiel kommen. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich drehten die Gäste die Partie und erzielten drei Treffer. Das zweite Tor von Demirovic in der 83. Minute kam zu spät. „Wir haben uns zu wenig gegen die Negativentwicklung innerhalb des Spiels gewehrt“, bemängelte Sebastian Hoeneß und sprach von einem „großen Warnschuss“.
Ein völlig anderes Bild zeigt sich in der Champions League. Nach drei Spielen ist Stuttgart mit sieben Punkten noch ungeschlagen, steht in der Tabelle auf Platz sechs. Auf den 4:1-Erfolg gegen Viking Stavanger folgte ein souveränes 3:0 bei Slovan Bratislava. Gegen Atletico Madrid holten die Schwaben anschließend ein 1:1 und zeigten einmal mehr, welches Potenzial in ihnen steckt. Am 3. November, drei Tage nach der Partie in Leverkusen, geht es für das Hoeneß-Team in der Königsklasse mit dem Auswärtsspiel bei Galatasaray Istanbul weiter.

Auch im DFB-Pokal ist der VfB noch vertreten. Dem 4:0-Auftaktsieg bei Drittligist Hansa Rostock folgte am vergangenen Mittwochabend ein 1:0 beim SC Paderborn 07. Dabei tat sich Stuttgart lange schwer, ließ in Überzahl nach der Roten Karte gegen Paderborns Kapitän Curda (37.) zunächst viele hochkarätige Chancen liegen. Erst in der Nachspielzeit löste Deniz Undav mit seinem Tor das Ticket fürs Achtelfinale im DFB-Pokal, in dem der VfB in den vergangenen beiden Saisons jeweils das Finale erreicht hatte.
In der BayArena wird Hoeneß am Samstag weiterhin auf Außenverteidiger Josha Vagnoman und Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou verzichten müssen. Beide fehlen jeweils wegen einer Oberschenkelverletzung. Auch Mittelfeld-Chef Angelo Stiller, der bislang in allen zwölf Pflichtspielen des VfB in der Startformation stand, wird möglicherweise ausfallen. Der Nationalspieler musste in Paderborn mit Adduktorenproblemen zur Halbzeit ausgewechselt werden. Fraglich ist zudem noch der Einsatz von Stürmer Tiago Tomas (Trainingsrückstand nach Oberschenkelverletzung).
Zuletzt ließ Hoeneß seine Mannschaft stets im 4-2-3-1 auflaufen. Im Tor wechseln sich der 20 Jahre alte Dennis Seimen und Routinier Fabian Bredlow ab. In der Viererkette gehören die Innenverteidiger Jeff Chabot, Finn Jeltsch und Ramon Hendriks zum Stammpersonal. Letzterer zählt gemeinsam mit Außenverteidiger Maximilian Mittelstädt zu den Defensivspielern mit den aktuell besten Zweikampfquoten in der Liga. In der Mittelfeld-Zentrale dürften – sollte Stiller ausfallen – Neuzugang Grischa Prömel (TSG Hoffenheim) und Atakan Karazor beginnen. Für die Offensive bieten sich Hoeneß viele Optionen. Neben den etablierten Kräften Bilal El Khannouss, Chris Führich, Ermedin Demirovic, Jamie Leweling, Tiago Tomas und Deniz Undav tragen seit diesem Sommer auch die Neuzugänge Dzenan Pejcinovic (VfL Wolfsburg) und Leo Sauer (Feyenoord Rotterdam) das Trikot mit dem Brustring.
Die Spannweite zwischen spielerisch starken Leistungen wie gegen Atletico Madrid und inkonsequenten Auftritten wie gegen Mönchengladbach scheint aktuell das größte Stuttgarter Problem zu sein. Es fehlt noch die Konstanz innerhalb eines Spiels, aber auch insgesamt. „Wir brauchen mehr Gier und Entschlossenheit, müssen Dinge zu Ende bringen", fordert Hoeneß. Der stark besetzte Angriff schöpft sein Potenzial noch nicht voll aus. Nationalspieler Undav, in der vergangenen Saison mit 19 Treffern hinter Harry Kane Zweiter in der Torjägerliste, hat in der aktuellen Spielzeit in der Liga noch gar nicht getroffen, ebenso wie die Offensivkräfte Leweling, Pejcinovic und Sauer. In puncto Chancenverwertung belegen die Stuttgarter in den entsprechenden Statistiken hintere Ränge. Auch die Defensive ist noch nicht so stabil wie zum selben Zeitpunkt in der Saison 2025/26, als die Schwaben nach sieben Spieltagen nur sechs Gegentreffer kassiert hatten – aktuell sind es bereits mehr als doppelt so viele (13).
Spielerisch gehört der VfB zweifellos zu den stärksten Teams der Bundesliga. Schnelles Umschalten, Flügelspiel mit hohem Tempo über die dribbelstarken Führich, Leweling oder Khannouss, dazu in Undav, Pejcinovic und Demirovic drei ausgewiesene Torjäger – die Offensive der Schwaben hat enorm viel Potenzial. Letztgenannter ist aktuell mit sieben Treffern in zwölf Pflichtspielen gefährlichster VfB-Angreifer. Dominantes Spiel mit Ball und hohes Anlaufen kennzeichnen den Fußball, den Sebastian Hoeneß von seiner Mannschaft sehen will – und den er zuletzt gegen Atletico Madrid auch sah. Im Duell mit dem spanischen Topklub war der VfB von Beginn an griffig, zielstrebig und aggressiv im Pressing. Sportvorstand Fabian Wohlgemuth sprach anschließend von der bislang besten Saisonleistung.

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