
Dass der 2:0-Erfolg beim VfB Stuttgart am Karsamstag ein sehr glücklicher war, darüber gab es nach dem Abpfiff keine zwei Meinungen. „Das ist sicherlich eher ein Null-zu-null-Spiel gewesen als ein Zwei-zu-null für uns“, erklärte Niko Kovac anschließend. Dennoch nahm der BVB-Trainer die drei Punkte aus dem Schwabenland gerne mit in den Ruhrpott und hob in seiner Analyse auch die Stärken seiner Mannschaft hervor: „Es war ein Abnutzungskampf, ein Spiel mit sehr wenigen Highlights. Wir haben dann mit den letzten beiden Schüssen das Quäntchen Glück auf unserer Seite gehabt. Aber allein die Tatsache, wie wir die beiden Konter zum Schluss gefahren haben, zeigt, welche Qualität in dieser Mannschaft steckt.“ Erst tief in der Nachspielzeit hatten Karim Adeyemi (90.+4) und Julian Brandt (90.+6) die Treffer für Dortmund erzielt.
Es war der vierte Ligasieg in Folge für die Schwarz-Gelben, die von den vergangenen zwölf Partien zehn gewannen und mit nun 64 Punkten weiterhin auf Platz zwei hinter dem Tabellenführer FC Bayern München (73) stehen. Der Vorsprung vor den Rängen drei und vier beträgt bereits je elf Punkte. Geschäftsführer Lars Ricken sprach nach dem Sieg in Stuttgart deshalb auch von einem „Big Point auf dem Weg zur Vizemeisterschaft“. Ole Book, Dortmunds neuer Sportdirektor, der vor zwei Wochen die Nachfolge von Sebastian Kehl angetreten hat, sagte: „Das Ergebnis war genau wie gewünscht. In der zweiten Halbzeit haben wir – auch nach Umstellungen und Wechseln des Trainers – eine bessere Leistung gezeigt. Deswegen freuen wir uns über den Sieg mit zwei schönen Toren, die mit individueller Qualität herausgespielt wurden. Auch das gehört zu einer guten Bundesliga-Mannschaft dazu.“
Die laufende Saison ist für die Dortmunder nach Punkten bislang die drittbeste der Klubgeschichte. Mit 28 von 33 möglichen Zählern ist der BVB aktuell außerdem das beste Rückrunden-Team der Bundesliga. Nur zwei Niederlagen – jeweils gegen den FC Bayern – musste Dortmund nach bisher 28 Spieltagen hinnehmen, so wenige wie zuletzt vor 60 Jahren in der Saison 1965/66. Nicht ganz so erfolgreich lief es für den BVB in der UEFA Champions League, wo Schwarz-Gelb in den Play-offs gegen Atalanta Bergamo ausgeschieden war. Im DFB-Pokal musste das Kovac-Team nach der 0:1-Heimniederlage gegen die Werkself im Achtelfinale die Segel streichen. Drei Tage zuvor hatten die Dortmunder in der Bundesliga-Hinrunde noch 2:1 bei Bayer 04 gewonnen.
Beim knappen Sieg in Leverkusen zählte Aaron Anselmino noch zu den Torschützen der Borussia. Inzwischen ist der Abwehrspieler wieder zurück beim FC Chelsea, nachdem der Premier-League-Klub den Argentinier Ende Januar 2026 dank einer vertraglichen Option vorzeitig zurückholte. Auch der zweite Dortmunder Torschütze aus dem Hinrundenspiel steht der Borussia am Samstag nicht zur Verfügung: Karim Adeyemi sah beim 2:0 in Stuttgart seine fünfte Gelbe Karte.

Verletzungsbedingt fehlen werden Kapitän Emre Can (Kreuzbandriss) und der deutsche Nationalspieler Felix Nmecha (Bänderriss im Knie), der in Stuttgart von Carney Chukwuemeka vertreten worden war. Der 22 Jahre alte österreichische Nationalspieler stand zum achten Mal in dieser Saison in der Startformation. Er könnte auch gegen die Werkself wieder im Mittelfeld an der Seite von Jobe Bellingham und Marcel Sabitzer beginnen. In der Abwehr kann Niko Kovac auf seine bewährten Innenverteidiger Ramy Bensebaini, Nico Schlotterbeck und Waldemar Anton zurückgreifen. Auf den Schienenpositionen dürften Daniel Svensson (links) und Julian Ryerson erneut ihren Dienst verrichten. Im Angriff stehen Torjäger Serhou Guirassy und Maximilian Beier bereit. Auch der ehemalige Leverkusener Julian Brandt ist eine Option für die Startelf.
Gegen Top-Teams, ob in den nationalen Wettbewerben oder in der Champions League, tut sich Borussia Dortmund regelmäßig schwer. In der Königsklasse unterlagen die Schwarz-Gelben Manchester City (1:4), Tottenham Hotspur (0:2), Inter Mailand (0:2) und Atalanta Bergamo (1:4). In der Liga verloren sie zwar nur zweimal gegen die Bayern, kamen aber etwa gegen RB Leipzig über zwei Remis nicht hinaus. Auch gegen Eintracht Frankfurt und den SC Freiburg reichte es jeweils nur zu einem Unentschieden. Drei Punkte holte der BVB gegen Teams aus den aktuellen Top acht der Liga nur in Leverkusen, gegen die TSG Hoffenheim und zuletzt gegen den VfB. Nach der Partie gegen die Werkself geht es für die Kovac-Elf zum Tabellenfünften nach Sinsheim, anschließend empfängt Dortmund den SC Freiburg. Am vorletzten Spieltag ist schließlich noch der aktuelle Siebte Eintracht Frankfurt zu Gast. Genügend Möglichkeiten also, sich auch gegen Top-Teams zu bewähren.
Nach dem FC Bayern (100) hat Borussia Dortmund (60) die zweitmeisten Tore erzielt und – ebenfalls nach dem Rekordmeister (27) – die zweitwenigsten Gegentreffer (28) hinnehmen müssen. Viele Zahlen belegen die defensive Stabilität des BVB: Nur 301 zugelassene Schüsse sind der zweitbeste Wert im Tableau, Dortmund musste als einziges Team noch kein Kontertor schlucken und lässt bei gegnerischen Standards wenig zu. In 13 von 28 Spielen behielten die Schwarz-Gelben eine Weiße Weste – so oft wie keine andere Mannschaft.
Aber auch die Dortmunder Offensive hat viel individuelle Klasse zu bieten und liefert beeindruckende Werte. Kein einziges Mal blieb der BVB bisher ohne eigenen Torerfolg, insgesamt traf die Borussia zuletzt in 36 Bundesliga-Partien in Folge. In den zurückliegenden 14 Bundesligaspielen erzielte die Kovac-Auswahl stets zwei oder mehr Tore – und stellte damit den Klubrekord aus dem Jahr 1995 ein. Mit 25 Treffern nach ruhenden Bällen ist Dortmund hinter den Bayern auch die zweiterfolgreichste Mannschaft bei Standards. Mehr als die Hälfte der insgesamt 60 BVB-Treffer trug das Offensiv-Quartett Serhou Guirassy (13), Maximilian Beier (8), Karim Adeyemi und Julian Brandt (jeweils 7) bei. Bester Vorbereiter bei den Borussen ist der rechte Schienenspieler Julian Ryerson mit zwölf Assists. In der Bundesliga kommen nur die Bayern Michael Olise (21) und Luis Diaz (14) auf noch mehr Vorlagen.

Defensivspielerin Juliette Vidal wird Bayer 04 Leverkusen im Sommer nach zwei Jahren verlassen. Wohin die 27 Jahre alte Französin, deren Vertrag ausläuft, wechseln wird, steht noch nicht fest.
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