
Patrik Schick, dem als ersten Bayer 04-Spieler überhaupt vier Tore in einem Bundesligaspiel geglückt sind, zeigte sich entsprechend happy: „In der ersten Halbzeit hatte ich keine echte Chance und habe nicht einmal aufs Tor geschossen, aber in der zweiten war es, als hätte man eine Ketchup-Flasche geöffnet. Du machst sie auf, erst passiert nichts, und dann kommt alles auf einmal raus.“
Bayer 04-Trainer Gerardo Seoane setzte auf allen elf Positionen seiner Startformation auf die Profis, die auch am vergangenen Sonntag beim 3:1-Erfolg in Leipzig begonnen hatten. Eine Veränderung gab es lediglich auf der Bank: Karim Bellarabi stand erstmals seit seinem Muskelfaserriss am 24. Oktober beim Derby in Köln wieder im Kader der Werkself.
Zielstrebigen Aufbau und schnelle Seitenverlagerungen hatte Seoane den Seinen für das Duell mit den Fürthern verordnet, um dem Gegner möglichst wenig Zugriff zu gestatten. Und die Gastgeber begannen auch durchaus so, wie man das von einem Team mit vier Siegen und einem Remis aus den vergangenen fünf Partien erwarten darf: dominant und mit Vorwärtsdrang. Den ersten Torschuss indes gaben die Kleebätter ab: Der Versuch von Abiama aus gut 20 Metern nach einem Leverkusener Fehler im Aufbau verfehlte den Kasten von Lukas Hradecky aber deutlich (4.).

Die Gäste versteckten sich keineswegs und versuchten die Leverkusener schon früh im Aufbau wirkungsvoll zu behindern. Doch die Werkself ließ es gleich bei ihrem ersten gelungenen Angriff klingeln: Jeremie Frimpong brachte Moussa Diaby rechts in Position, und dessen Flanke mit dem rechten Fuß vollendete Amine Adli mit dem linken Bein volley und artistisch ins lange Eck zur Führung – 1:0 (12.), der zweite Saisontreffer des Franzosen, der zuvor auch schon im Heimspiel gegen Bochum früh getroffen hatte.
Wenig später lag der Ball auf der anderen Seite im Tor, nachdem Hrgota die Kugel nach einem Freistoß erst an den Pfosten setzte, ehe Bauer sie hoch ins Netz drückte (14.). Doch die Fahne des Linienrichters ging sofort hoch, und die Entscheidung hatte auch nach Überprüfung des VAR Bestand – es blieb beim 1:0. Allerdings nur für zwei Minuten, dann platzierte Edmond Tapsoba einen Kopfball nach Freistoßflanke von Florian Wirtz schulmäßig ins lange Eck zum 2:0 (17.). Die Werkself zeigte sich extrem effektiv.

Es spricht aber für die Nehmerqualitäten der Fürther, dass sie die Köpfe nicht hängen ließen, sondern munter weiter ihre Möglichkeiten suchten. Mit Erfolg: Nach einem Angriff über links und Hereingabe von Leweling traf Dudziak mit Hilfe des Innenpfostens zum Anschluss (33.). Die nächste Chance der Gastgeber resultierte aus einem verunglückten Rückpass von Griesbeck auf seinen Torhüter Funk, den Patrik Schick beinahe noch erreicht hätte – der Ball flog nach einem Pressschlag jedoch deutlich am leeren Fürther Kasten vorbei (40.). Lukas Hradecky tauchte bei einem Flachschuss von Hrgota rechtzeitig ab und packte sicher zu (40.). Kurz vor der Pause dann die Werkself zum Dritten: Patrik Schick brachte den Ball links rüber zu Piero Hincapie, und der Ecuadorianer setzte das Spielgerät mit links ins äußerste lange Eck zum 3:1 (45.) - zugleich der Halbzeitstand.
Nach dem Wechsel dauerte es ganze 30 Sekunden, bis Bayer 04 erneut gefährlich zum Abschluss kam: Frimpong vollführte ein Tänzchen über rechts und legte auf Adli zurück, dessen Schuss aufs kurze Eck Funk gerade noch mit den Fingerspitzen zur Ecke parieren konnte (46.). Wenig später zappelte die Kugel aber wieder im Fürther Netz: Hincapies Linksflanke verwertete der blank stehende Patrik Schick leicht und locker zum 4:1 (49.) – der neunte Saisontreffer des Tschechen.

Die Werkself schraubte jetzt mächtig am Tempo, vor allem über die rechte Seite und den wie gewohnt agilen Frimpong rollte eine Welle nach der anderen auf Funk und die Fürther zu. Nach einer Stunde nahm Seoane einen Dreierwechsel vor: Kerem Demirbay, Charles Aránguiz und Karim Bellarabi lösten Andrich, Palacios und Adli ab (61.). Nachdem Demirbay einen Fürther Angriff sauber am eigenen Strafraum geklärt hatte, ging beim Konter die Post ab und Diaby servierte Schick dessen zehnten Saisontreffer über links auf dem Silbertablett – 5:1 (69.). Und der Mittelstürmer war längst noch nicht satt. Erst reagierte er nach einem Lattenschuss von Bellarabi gedankenschnell und netzte mit dem Kopf zum 6:1 ein (74.), dann traf er nach feinem Pass von Wirtz zum 7:1 (76.). Ein Viererpack in 27 Minuten, der zweitschnellste in der Bundesliga überhaupt. Zur Belohnung gab's Standing Ovations bei seiner Auswechselung gegen Lucas Alario (80.).
Für weiter gierige Leverkusener war's jetzt ein schönes Schaulaufen. Demirbay traf nur den Pfosten (81.) - und auf den Rängen stimmten die Fans nach dem höchsten Bundesliga-Heimsieg aller Zeiten der Werkself „Oh, wie ist das schön“-Gesänge an und feierten ihre Sieger nach dem Abpfiff überschwänglich.
Für Bayer 04 geht es mit der ersten von zwei Englischen Wochen weiter. Am Donnerstag, 9. Dezember, steht das abschließende Gruppenspiel der UEFA Europa League bei Ferencvaros Budapest an (Anstoß: 21 Uhr). In der Bundesliga folgt die Partie am Sonntag, 12. Dezember, um 17.30 Uhr bei Eintracht Frankfurt.
Die Statistik:
Bayer 04: Hradecky – Frimpong (80. Kossounou), Tah, Tapsoba, Hincapie – Andrich (61. Demirbay), Palacios (61. Aránguiz) – Diaby, Wirtz, Adli (61. Bellarabi) – Schick (80. Alario)
Fürth: Funk – Barry (77. Asta), Griesbeck, Bauer, Willems (60. Meyerhöfer) – Tillman, Christiansen (77. Seufert), Dudziak (58. Seguin) – Leweling (60. Nielsen), Abiama, Hrgota
Tore: 1:0 Adli (12.), 2:0 Tapsoba (21.), 2:1 Dudziak (33.), 3:1 Hincapie (45.), 4:1 Schick (49.), 5:1 Schick (69.), 6:1 Schick (74.), 7:1 Schick (76.)
Gelbe Karte: Leweling
Schiedsrichter: Tobias Reichel (Stuttgart)
Zuschauer: 10.455

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