
Entsprechend erfreut und erleichtert gab sich Rudi Völler nach dem Abpfiff. „Wir haben unsere Position in der Tabelle in den vergangenen beiden Spielen deutlich verbessert. Lucas Alario hat seine Qualitäten als Torjäger heute wieder gezeigt, aber die Vorarbeit zum zweiten Treffer war auch hervorragend“, sagte der Geschäftsführer Sport von Bayer 04. Julian Baumgartlinger sagte: „Wir haben es uns am Ende noch einmal unnötig schwer gemacht. Speziell in der zweiten Hälfte war es ein harter Kampf.“
Die Werkself präsentierte sich gegen die Knappen auf vier Positionen verändert im Vergleich zum 2:1-Coup bei den Bayern. In der Abwehr ersetzte Aleksandar Dragovic den nach seiner Roten Karte in München gesperrten Jonathan Tah, in der offensiven Dreierreihe nahmen Karim Bellarabi und Kai Havertz die Plätze von Moussa Diaby und Nadiem Amiri ein und im Angriffszentrum spielte Lucas Alario für den dauerbeschäftigten Kevin Volland, der bislang in allen 20 Pflichtspielen in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League in der Startelf gestanden hatte.
Das Topspiel zwischen B04 und S04 versprach einiges – hier die seit fünf Pflichtspielen ungeschlagene Werkself, auf der anderen Seite die Schalker, deren Serie der nicht verlorenen Partien sogar noch ein Spiel länger andauerte. „Schalke wird uns aggressiv anlaufen, wir werden nur wenig Zeit im Ballbesitz haben“, hatte Peter Bosz vorab gesagt. Leon Bailey bekam dies bereits nach 45 Sekunden schmerzhaft zu spüren, als er von Kenny bei der Ballannahme rustikal abgeräumt wurde und gleich auf dem Platz behandelt werden musste. Kurz darauf der erste Abschluss der Hausherren, doch Bellarabi knallte nach Pass von Havertz volley deutlich drüber (3.).
Auf der Gegenseite fischte sich Lukas Hradecky den Linksschuss von Raman locker (7.). Schalke brachte von Beginn an eine gallige Physis auf den Platz, beiden Teams mangelte es zunächst aber noch an der nötigen Präzision und Sicherheit im Passspiel. Ein Standard verhalf der Werkself nach einer Viertelstunde zur Führung: Bailey brachte den Ball nach innen, Schalkes Keeper Nübel, wirkungsvoll irritiert von einigen Leverkusenern im Fünfmeterraum, griff daneben, und Lucas Alario hatte keine Mühe, aus vier Metern per Kopf zum 1:0 zu treffen (15.). Übrigens das erste Kopfballtor der Werkself in dieser Saison. Wenig später brandete erneut mächtiger Jubel auf, als Leon Bailey den Ball zum vermeintlichen 2:0 im Netz versenkte, doch der Jamaikaner stand im Abseits. Zuvor hatte Nübel den Schuss von Kai Havertz prächtig abgewehrt (19.).
Bayer 04 bestimmte das Geschehen ziemlich eindeutig, Schalke hatte nach dem Rückstand alle Mühe, sich zu sortieren gegen eine enorm zweikampfstarke Werkself. Und doch kamen die Gäste zu einer guten Chance: Raman tauchte nach schönem Zuspiel von Serdar allein vor Lukas Hradecky auf, aber der Finne gewann mal wieder wie so häufig in den vergangenen Wochen ein Duell gegen einen völlig blank vor ihm stehenden Gegner (26.). Ein Kopfball von Serdar nach Freistoß von Caliguiri (29.) verfehlte das Tor danach ähnlich deutlich wie der Versuch von Lars Bender nach Baileys Freistoßflanke (30.). Beim Distanzschuss von Havertz aus gut 30 Metern war es da schon deutlich knapper (37.).
Dann bot sich Alario die dicke Gelegenheit zum Doppelpack, doch der Argentinier ließ sich nach feiner Kombination über viele Stationen allein vor Nübel am Fünfer zu viel Zeit und gab dem Torhüter noch die Gelegenheit, die Gefahr zu bereinigen (40.) – das hätte das 2:0 sein dürfen, können und müssen! So ging es mit einer sehr verdienten, aber eben auch knappen Führung für Bayer 04 in die Pause. Die Werkself investierte deutlich mehr ins Spiel als ihr Gegner und war die klar bessere Elf in den ersten 45 Minuten.
Nach dem Wechsel musste Schalke beinahe schon zwingend Tempo und Offensivbemühungen forcieren. Die ersten Aktionen und Ecken gehörten aber wieder dem Gastgeber, ein Kopfball von Julian Baumgartlinger flog über die Latte (49.). Im Gegenzug hatte Oczipka entschieden zu viel Zeit und Platz zum Dribbeln, steckte auf Raman durch, der Hradecky überwand (50.). Doch die Fahne des Linienrichters ging sofort hoch und Schiedsrichter Osmers entschied auf Abseits – puh, das war ausgesprochen knapp!
Bayer 04 musste jetzt schwer auf der Hut sein, Schalke agierte nun deutlich druckvoller als noch zuvor. Es ging jetzt hin und her: Der Pass von Havertz im Strafraum wurde noch abgefangen, im Gegenzug musste Hradecky weit aus seinem Kasten raus und den Ball mit dem Fuß ins Aus klären (57.). Peter Bosz nahm den ersten Wechsel vor und brachte Moussa Diaby für Leon Bailey (60.). Der Franzose war sofort im Spiel und wurde nach einem Konter von Havertz links in Szene gesetzt, aber Nübel parierte den Abschluss aufs kurze Eck zur Ecke (63.).
Bei Schalke kam Kutucu für Burgstaller (70.), bei Bayer 04 Nadiem Amiri für den erschöpften Havertz (71.). Die Weißen drückten nun enorm aufs Gaspedal, die Werkself hatte jetzt zunehmend Schwierigkeiten, immer rechtzeitig den Fuß auf die Bremse zu bringen. Dann endlich mal wieder Entlastung, als Amiri flach abzog und Nübel den Ball prallen ließ – aber ohne Konsequenzen (76.). Schalke brachte mit Matondo für Caligiuri noch mehr Geschwindigkeit (77.), bei der Werkself löste Kevin Volland Bellarabi ab (79.) – und schmiss sich sofort mit voller Körperwucht in die Zweikämpfe. Das erbrachte einen Einwurf, nach dem der Ball über Nadiem Amiri bei Charles Aránguiz landete, der bis zur Grundlinie durchstieß und auf Lucas Alario zurücklegte. Diesmal fackelte der Argentinier nicht lange und vollendete mit dem Außenrist zum 2:0 (81.).
Die Entscheidung? Mitnichten! Schalke schlug postwendend zurück und kam durch Raman, der den Ball nach einem Angriff über rechts nur noch ins leere Tor schieben musste, sofort zum Anschluss (82.). Schalke zog seinen letzten Trumpf in der Offensive, Stürmer Mark Uth kam für Verteidiger Kenny (87.). Das packende Kampfspiel ging in seine letzte Runde, es gab vier Minuten Nachspielzeit. Volland zog im Strafraum mit rechts aufs kurze Eck, Nübel tauchte rechtzeitig ab (90.+2). Wenig später rettete Wendell gegen Uth, dann war Schluss – und die Bank von Bayer 04 feierte den Sieg ähnlich enthusiastisch wie in der Woche zuvor den Erfolg bei den Bayern.
Für die Werkself stehen in diesem Jahr noch vier Pflichtspiele an, zwei davon in der kommenden Woche. Am Mittwoch, 11. Dezember, bestreitet Bayer 04 sein abschließendes Gruppenspiel in der Champions League gegen Juventus Turin, Anstoß in der BayArena ist um 21 Uhr. Danach folgt am Samstag, 14. Dezember, um 15.30 Uhr in der Bundesliga das Derby beim 1. FC Köln.
Die Statistik:
Bayer 04: Hradecky – L. Bender, Dragovic, S. Bender, Wendell – Baumgartlinger, Aránguiz – Bellarabi (79. Volland), Havertz (71. Amiri), Bailey (60. Diaby) – Alario
Schalke 04: Nübel – Kenny (87. Uth), Kabak, McKennie, Oczipka – Caligiuri (78. Matondo), Mascarell, Serdar, Harit – Raman, Burgstaller (70. Kutucu)
Tore: 1:0 Alario (15.), 2:0 Alario (81.), 2:1 Raman (82.)
Schiedsrichter: Harm Osmers (Hannover)
Gelbe Karten: Wendell – Caligiuri, Raman
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)

Ein Überblick über die Ticket-Verkäufe zu den Heim- und Auswärtsspielen der Werkself in allen Wettbewerben.
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