
Entsprechend happy präsentierte sich „Kies“, dem nach dem Abpfiff alle Kollegen strahlend um den Hals fielen. „Ich bin überglücklich, dass ich diese besondere Zahl erreicht habe. Sie ist ein Beweis dafür, dass ich viele Jahre konstant in der Bundesliga meinen Mann gestanden habe. Ich bin stolz darauf, und dass wir gewonnen haben und sich die Jungs alle so mit mir gefreut haben, macht diesen Tag noch schöner.“ Julian Brandt sagte zur Partie: „Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, die Kugel gut laufen lassen und uns viele Bälle durch Gegenpressing erobert. Mein Tor war wichtig und sollte Ruhe bringen, aber durch den frühen Anschluss konnten wir uns nie sicher sein.“ Und Kai Havertz meinte: „Wir haben gezeigt, dass wir viel Qualität haben. Das Zittern am Ende wäre nicht nötig gewesen.“
Bei Bayer 04 hatte es im Vergleich zur Partie gegen Schalke gleich fünf Veränderungen in der Startelf gegeben. Die beiden gesperrt fehlenden Panos Retsos und Dominik Kohr wurden durch Jonathan Tah und Julian Baumgartlinger ersetzt, Kapitän Lars Bender kehrte nach überstandenem Muskelfaserriss zurück und übernahm den Posten des Rechtsverteidigers von Tin Jedvaj. Dazu kamen Karim Bellarabi und Lucas Alario für Julian Brandt und Leon Bailey neu ins Team. In Bailey, Brandt, Stefan Kießling und Joel Pohjanpalo saßen gleich vier Offensiv-Akteure auf der Bank. Bei Wolfsburg stand der Ex-Leverkusener Admir Mehmedi in der Anfangsformation.
„Ich erwarte einen aggressiven Gegner, wir müssen von Beginn an dagegenhalten“, lautete die Forderung Herrlichs vor dem Anpfiff. Die Werkself hatte sich nach der Heimniederlage gegen die Knappen viel vorgenommen, das zeigte sich sofort. Exakt 19 Sekunden dauerte es bis zur großen Führungschance: Lars Bender zog auf rechts energisch von der Mittellinie los, spielte Doppelpass mit Lucas Alario, der die Kugel gekonnt per Hacke weiterleitete, und verfehlte mit seinem wuchtigen Schrägschuss das lange Ecke nur um Haaresbreite – das war ein richtig dickes Ding!
Bayer 04 begann mit Volland auf dem rechten Flügel, Bellarabi agierte über links. Die Anfangsphase gehörte klar den klug kombinierenden Gästen, die durch einen 20-Meter-Schuss von Volland, den Casteels aber sicher entschärfte, zum zweiten Abschluss kamen (9.). Eher unerwartet eine Gelegenheit für Wolfsburg, als Arnold aus der Distanz abzog und Bernd Leno zu einer Parade zwang (17.). Dann erneut die Werkself: Alario ließ einen Freistoß von Aránguiz über den Scheitel rutschen, da fehlte nur ein halber Meter (19.). Richtig gut anzuschauen war der Angriff wenig später über Havertz, Baumgartlinger und Alario, als Volland im Abschluss gerade noch geblockt wurde (26.).
Kurz darauf die verdiente Führung: Nach Foul von Arnold an Kai Havertz am rechten Strafraumeck gab es den unstrittigen Elfmeter, Lucas Alario schnappte sich anstelle des etatmäßigen Schützen Wendell den Ball und verwandelte den Strafstoß ganz sicher und scharf neben den rechten Pfosten zum 1:0 (31.) – der Brasilianer war danach der erste Gratulant des Argentiniers nach dessen sechstem Saisontreffer. Bayer 04 bestimmte das Geschehen mit beeindruckender Sicherheit im Passspiel, kontrollierte den Gegner und ging folgerichtig mit der Führung in die Halbzeit.
Mit Beginn des zweiten Durchgangs ersetzte Tin Jedvaj Sven Bender, der über Rückenprobleme klagte. Die Werkself war sofort wieder im Angriffsmodus. Ein Freistoß von Charles Aránguiz klatschte aufs Lattenkreuz (51.), Julian Baumgartlingers noch leicht abgefälschte Volleyabnahme verfehlte das Tor knapp (52.). Bayer 04 schraubte mit Macht am zweiten Hieb, drückte den VfL phasenweise in die Seile. Vor allem Aránguiz machte sich als Motor verdient und kurbelte an, neben ihm wirkte auch Baumgartlinger sehr präsent in der Zentrale. Julian Brandt löste Bellarabi ab (67.).
Dann kam noch einmal ordentlich Dynamik in die Begegnung. Erst gelang Julian Brandt mit einem traumhaften Lupfer über Casteels nach Doppelpass mit Alario das 2:0 (78.), beinahe im Gegenzug schaffte Wolfsburg durch Mehmedi den Anschluss (79.). Bernd Leno bekam noch die Hand an den Ball, konnte ihn aber nicht mehr entscheidend abwehren. Volland hatte die Entscheidung auf dem Fuß, sein Schlenzer aufs lange Eck flog vorbei (86.).
Zwei Minuten vor dem Abpfiff dann der große Moment für Stefan Kießling, der für Baumgartlinger ins Spiel und zu seinem 400. Bundesliga-Einsatz kam. „Kies“ rackerte und holte mit beherztem Einsatz einige Zeit bringende Freistöße raus. William sah nach üblem Einsteigen gegen Volland noch Gelb-Rot (90.). Dann war Schluss und die Werkself durfte feiern. Dieser Auftritt in Wolfsburg war in jeder Hinsicht eine runde Sache – nicht nur für Stefan Kießling.
Für Bayer 04 geht es mit dem 26. Bundesliga-Spieltag und dem Duell in der BayArena gegen Borussia Mönchengladbach weiter. Anstoß am Samstag, 10. März, ist um 18.30 Uhr.
Die Statistik:
VfL Wolfsburg: Casteels – Verhaegh, Bruma, Knoche, William – Guilavogui, Arnold (82. Bazoer) – Brekalo (66. Malli), Didavi, Mehmedi – Origi (72. Dimata)
Bayer 04: Leno – L. Bender, Tah, S. Bender (46. Jedvaj), Wendell – Aránguiz, Baumgartlinger (88. Kießling) – Volland, Havertz, Bellarabi (67. Brandt) – Alario
Tore: 0:1 Alario (31./Foulelfmeter), 0:2 Brandt (78.), 1:2 Mehmedi (79.)
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)
Gelbe Karten: Verhaegh, Didavi, Knoche, Arnold, Bazoer – L. Bender
Gelb-Rote Karte: William (90.)
Zuschauer: 24.354

Ein Überblick über die Ticket-Verkäufe zu den Heim- und Auswärtsspielen der Werkself.
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Rüdiger Vollborn ist seit 40 Jahren im Klub, mit 401 Bundesliga-Einsätzen der Rekordspieler des Klubs und hat als einziger Bayer 04-Profi sowohl den UEFA-Cup (1988) als auch den DFB-Pokal (1993) gewonnen. Und auch nach seiner beeindruckenden Profi-Karriere blieb der gebürtige Berliner dem Werksklub weiter erhalten, arbeitete fortan neun Jahre als Torwarttrainer. Inzwischen ist Vollborn unterm Bayer-Kreuz als Fanbeauftragter und Klub-Archivar tätig. Seit Februar 2021 nimmt das personalisierte schwarz-rote Lexikon die Werkself-Fans in der Rubrik „Rudi erzählt...“ monatlich mit auf eine kleine Reise in die Geschichte von Bayer 04.
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