
„Das ist ein schöner Moment, denn es ist immer schwer, in Hamburg zu gewinnen. In den letzten 20 Minuten mussten wir ans Limit und viel laufen. Beim Gegentor spiele ich leider einen einfachen Fehlpass, aber unser Sieg geht schon in Ordnung“, sagte Kai Havertz. Julian Brandt sah es ähnlich: „Es war ein Kampfspiel, in dem es nicht um die B-Note ging. Wir haben den Fight angenommen, haben uns gut geschlagen und letztlich auch verdient durchgesetzt.
Bayer 04 ging mit fünf Veränderungen im Vergleich zur jüngsten Partie gegen Hertha BSC in das Duell beim HSV. Panos Retsos nahm in der Abwehrzentrale den Platz des kurzfristig erkrankten Jonathan Tah (grippaler Infekt) ein, Tin Jedvaj ersetzte Benny Henrichs als Rechtsverteidiger, für den lange verletzt gewesenen Kroaten war es zugleich der erste Saisoneinsatz. Charles Aránguiz, Leon Bailey und Kai Havertz rückten für Julian Baumgartlinger, Karim Bellarabi und Lucas Alario in die Startformation.
Hamburg war in jüngster Vergangenheit immer ein heißes Pflaster für die Werkself, die in den letzten vier Auswärtsspielen beim HSV nur einen Punkt holte und ordentlich einstecken musste. Auch diesmal gingen die Hausherren, denen das Wasser im Existenzkampf bis zum Hals steht, bei der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich vor. Wendell bekam dies früh extrem schmerzhaft zu spüren, als ihm Mavraj übel auf den Fuß stieg und völlig zu Recht die Gelbe Karte sah (10.). Für den humpelnden Brasilianer war danach Schluss, Heiko Herrlich musste die nächste Umstellung in der Defensive vornehmen und brachte Henrichs als neuen Linksverteidiger.
Fußballerisch leisteten sich beide Teams in der Anfangsphase einige unnötige Ballverluste, was natürlich auf Kosten des Spielflusses ging. Bayer 04 kam nach gut 20 Minuten erstmals gefahrbringend zum Abschluss: Der Schuss von Kohr wurde unfreiwillig noch von Brandt geblockt, der zweite Versuch von Volland geriet für Mathenia nicht zum Problem. Gleich danach die nächste Möglichkeit, eine richtig gute noch dazu: Nach Flanke von Havertz verfehlte der Kopfball von Aránguiz das lange Eck nur um Haaresbreite, touchierte sogar noch den Außenpfosten (26.). Nach Vollands Flanke traf der bedrängte Havertz den Kopfball nicht richtig (28.) – die deutlich spielstärkere Werkself war jetzt klar am Drücker. Und belohnte sich fünf Minuten vor der Pause mit dem verdienten Führungstreffer: Dominik Kohr spazierte mit dem Ball über den halben Platz in den gegnerischen Strafraum, nach der Hereingabe luchste Leon Bailey dem tapsigen Douglas Santos in dessen Rücken die Kugel ab, umspielte am Fünfer noch Mathenia und schob locker zum 1:0 ins verlassene Tor (40.). Treffer Nr. 9 der Nr. 9 von Bayer 04 war gleichbedeutend mit dem Halbzeitstand.
Die zweiten 45 Minuten begannen ideal für die Werkself: Nach einem Angriff über links, den Jedvaj mit seinem flotten Vorstoß inszeniert hatte, flankte Henrichs von der Grundlinie scharf nach innen, im Zentrum war Kai Havertz zur Stelle und traf mit links flach ins rechte Eck zum 2:0 (50.). Bayer 04 hatte im Volksparkstadion alles im Griff, das Publikum murrte zunehmend angesichts weiterer Unzulänglichkeiten der nervlich angeschlagenen Gastgeber. Die dann allerdings eine Chance besaßen durch die Direktabnahme im Drehen des eingewechselten Bobby Wood, die Bernd Leno mit einem Klassereflex um den Pfosten lenkte (66.). Dann servierte Bayer 04 dem Gegner den Anschluss quasi auf dem Tablett: Nach einem eigenen Einwurf und Ballverlust von Havertz schaltete der HSV schnell, Hahn tauchte allein vor Leno auf und erzielte das 1:2 (70.).
Jetzt war auf einmal wieder Leben in der Bude, Hamburg witterte Morgenluft und drängte mit dem Mut der Verzweiflung. Heiko Herrlich brachte Lucas Alario, der sich mit einem Schuss aus 16 Metern, den Mathenia mit Mühe parierte, gleich gut einführte (75.). Salihovic senste Volland rüde um, sah Gelb – die Gangart der Hanseaten verschärfte sich noch einmal. Der HSV war auf den lucky Punch aus, aber Bayer 04 stand mit den überragenden Retsos und Sven Bender in der Zentrale gut. Julian Baumgartlinger kam für Havertz (88.). In der Nachspielzeit hatten die Hamburger durch Wood den Ausgleich auf dem Schlappen – die Kugel flog knapp am Pfosten vorbei. Dann war Schluss – und die Werkself feierte mit ihren 1.400 Fans einen enorm wichtigen Auswärtsdreier.
Für Bayer 04 geht es mit dem 24. Bundesliga-Spieltag und der Partie in der BayArena gegen Schalke 04 weiter. Anstoß am Sonntag, 25. Februar, ist um 15.30 Uhr.
Die Statistik:
Hamburger SV: Mathenia – Mavraj (46. Hahn), Papadopoulos, van Drongelen – Sakai, Douglas Santos – Jung, Walace – Salihovic (79. Hunt) – Arp (54. Wood), Kostic
Bayer 04: Leno – Jedvaj, Retsos, S. Bender, Wendell (16. Henrichs) – Kohr, Aránguiz – Brandt (73. Alario), Havertz (88. Baumgartlinger), Bailey – Volland
Tore: 0:1 Bailey (40.), 0:2 Havertz (50.), 1:2 Hahn (70.)
Schiedsrichter: Dr. Brych (München)
Gelbe Karten: Mavraj, Salihovic – Retsos, Aránguiz
Zuschauer: 45.691

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