
Der scheidende Völler kletterte nach Abpfiff über den Zaun der Nordtribüne zu den Fans und richtete sein Wort an die Fans. „Was heute hier los war im Stadion, einfach nur grandios“, sagte er – ehe er die Uffta mit den Anhängern anstimmte.

Platz drei und damit ihre 13. Teilnahme an der UEFA Champions League hatte die Werkself bereits am vergangenen Wochenende mit dem 4:2-Erfolg bei der TSG Hoffenheim perfekt gemacht. Es war also alles bereitet für einen sportlich vergleichsweise entspannten Nachmittag – mit einem dafür umso höheren Emotionsfaktor. Rudi Völler, der einst 1994 als Profi von Marseille aus den Weg nach Leverkusen gefunden hatte, verabschiedete sich aus dem operativen Geschäft, und das Publikum in der ausverkauften und feierfreudigen BayArena huldigte ihrem Rudi mit einer bewegenden Choreographie und Standing Ovations. Der 62-jährige Völler, der schon weit vor dem Anpfiff unzählige Foto- und Autogrammstunde der Fans erfüllte, bleibt Bayer 04 aber im Gesellschafterausschuss und als Klub-Botschafter erhalten.
Neben dem Sport-Geschäftsführer wurde auch Julian Baumgartlinger verabschiedet, dessen Zeit unter dem Bayer-Kreuz nach sechs Jahren endet. Der 34-jährige Österreicher führte die Werkself bei seinem letzten Auftritt für Bayer 04 als Kapitän aufs Feld. In der Startelf stand auch Torhüter Andrey Lunev, der damit zu seiner Bundesliga-Premiere kam, nachdem er zuvor schon einmal in der Europa League in Budapest den Leverkusener Kasten gehütet hatte. Neu in die Anfangsformation rückten zudem Linksverteidiger Daley Sinkgraven, Exequiel Palacios sowie Lucas Alario, der mit Patrik Schick die Doppelspitze bildete. In Lukas Hradecky, Lennart Grill und Niklas Lomb saßen gleich drei Torhüter auf der Bank.

Dass für die Freiburger auch sportlich noch etwas auf dem Spiel stand, bekam Moussa Diaby früh und schmerzlich zu spüren: Eggestein stoppte das Solo des Franzosen an drei Gegnern vorbei mit einem rüden Tritt in den Knöchel und sah dafür mit Recht Gelb (2.). Die Zuschauer in der ganz in Rot getauchten BayArena, unter ihnen auch Bundestrainer Hansi Flick, erlebten eine Werkself, die reichlich Ballbesitz generierte und die Kugel munter in den eigenen Reihen zirkulieren ließ. Freiburg verbuchte eine erste Torannäherung durch Schlotterbecks Kopfball, den Lunev aber lässig pflückte (15.). Gefährlicher wurde es da schon beim Kopfball von Höler an den Außenpfosten (20.).
Sonderlich aufregend verlief die Partie zwar nicht, das tat der Freude der Bayer 04-Fans aber keinen Abbruch. Patrik Schick stand nach 36 Minuten dicht vor seinem 25. Saisontreffer und der Einstellung des Klubrekords von Stefan Kießling, doch der Ball rutschte dem Tschechen nach der Ecke von Paulinho leicht über den Scheitel und flog am Pfosten vorbei. Auf der Gegenseite verfehlte der Schlenzer von Grifo nur knapp das Dreieck des Leverkusener Tores (44.). Es ging torlos in die Kabinen.

Klasse, wie Daley Sinkgraven kurz nach Beginn der zweiten Hälfte vor dem einschussbereiten Sallai rettete (50.). Und noch besser, wie Patrik Schick nach resolutem Ballgewinn gegen Schlotterbeck auf einen eigenen Abschluss allein vor Freiburgs Keeper Flekken verzichtete und Lucas Alario den Leverkusener Führungstreffer uneigennützig auf dem Silbertablett servierte – das 1:0 in der 54. Minute. Wenig später fast der zweite Hieb der Werkself: Paulinhos scharfen Schuss parierte Flekken hervorragend, Schick traf im Nachfassen mit seinem starken linken Fuß nur die Latte (59.). Paulinho scheiterte am Außenpfosten (64.). Unmittelbar danach erhoben sich die Fans von ihren Rängen und feierten Julian Baumgartlinger, der für Charles Aránguiz Platz machte, zudem kamen auch Robert Andrich für den Torschützen Alario (60.) sowie fünf Minuten darauf Mitchel Bakker für Sinkgraven (65.).

Lienharts Kopfball strich ebenso knapp am Pfosten vorbei (70.) wie der Versuch des eingewechselten Demirovic (82.). Bayer 04 wechselte erneut doppelt, es kamen Sardar Azmoun und Piero Hincapie für Schick und Paulinho (83.). Andrichs Schuss nach einem Konter verfehlte sein Ziel recht deutlich (87.). Dafür trafen die Freiburger: Der eingewechselte Haberer setzte den Ball entschlossen zum 1:1 ins Netz (88.). Da Leipzig zu diesem Zeitpunkt in Bielefeld 0:1 hinten lag, fehlte dem Sport-Club auf einmal nur noch ein Tor zur Qualifikation für die Champions League. Einen weiteren aussichtsreichen Konter der Werkself vereitelte Schlotterbeck, als er den einschussbereiten Azmoun nach Diabys Querpass im letzten Moment am Einschuss hinderte (90.). Kurz darauf traf der Iraner per Kopf nur den Pfosten (90.+2).
Einen Höhepunkt hatte die Begegnung aber noch: Als Freiburg in der siebten Minute der Nachspielzeit auch Torhüter Flekken bei einem Freistoß nach vorn beordert hatte, kam Exequiel Palacios an den Ball und setzte ihn fast von Höhe der Mittellinie in den verwaisten Freiburger Kasten – 2:1, der Siegtreffer und erfreuliche Abschluss für die Werkself. Die ausgelassenen Feierlichkeiten mit den Fans konnten beginnen.
Nach dem abschließenden Pflichtspiel der Saison 2021/22 begibt sich die Werkself am Sonntagmittag auf sechstägige Tour nach Mexiko, wo neben zahlreichen Marketing- und PR-Maßnahmen rund um den 100. Geburtstag von Bayer Mexiko auch ein Testspiel am Dienstag, 17. Mai, beim mexikanischen Erstligsten Deportivo Toluca ansteht.
Die Statistik:
Bayer 04: Lunev – Kossounou, Tah, Tapsoba, Sinkgraven (65. Bakker) – Diaby, Baumgartlinger (60. Aránguiz), Palacios, Paulinho (83. Hincapie) – Alario (60. Andrich), Schick (83. Azmoun)
SC Freiburg: Flekken – Kübler (60. Sildillia), Lienhart, N. Schlotterbeck, Günter – Eggestein (69. Haberer), Höfler – Sallai (79. Schmid), Jeong (69. Petersen), Grifo – Höler (79. Demirovic)
Tore: 1:0 Alario (54.), 1:1 Haberer (88.), 2:1 Palacios (90.+7)
Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)
Gelbe Karten: Diaby, Baumgartlinger – Eggestein, N. Schlotterbeck, Sildillia
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)

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