
Entsprechend enttäuscht gab sich Kevin Volland nach dem Schlusspfiff: „Hoffenheim hat es in der zweiten Halbzeit besser gemacht mit dem letzten Pass und uns ausgekontert. Wir haben es verpasst, nach Ballverlusten sofort wieder in eine kompakte Ordnung zu finden.“
Im Vergleich zur vorherigen Partie gegen Werder Bremen gab es bei der Werkself drei Umstellungen in der Startformation. In der Innenverteidigung nahm Sven Bender den Platz von Aleksandar Dragovic ein, den gelb-gesperrten Linksverteidiger Wendell ersetzte Tin Jedvaj und Kai Havertz kam für Charles Aránguiz ins Team. Der Chilene, der die Reisestrapazen von seiner Länderspieltour noch in den Knochen hatte und am Donnerstagabend direkt nach Sinsheim ins Mannschaftshotel gereist war, saß zunächst auf der Bank. Lars Bender hatte seine Erkältung überwunden und führte die Werkself als Kapitän aufs Feld.
Die Vorzeichen vor der Begegnung in der PreZero-Arena lagen klar auf der Hand: Hoffenheim wollte den Abstand von vier Punkten auf Bayer 04 mit einem Heimsieg unbedingt verkürzen, um sich in Schlagdistanz zu den Europapokalplätzen zu bringen, die Werkself hingegen war darauf aus, einen potenziellen Konkurrenten ums internationale Geschäft noch deutlicher zu distanzieren. „Im Gegensatz zum Spiel gegen Bremen müssen wir von Beginn an hellwach sein“, forderte Sportdirektor Simon Rolfes kurz vor dem Anpfiff.
Das Duell nahm sofort ordentlich Fahrt auf – und die Gäste schnupperten schon nach drei Minuten am Führungstreffer: Nach einem flotten Schnellangriff verzichtete Bailey links im Strafraum auf den möglichen Abschluss und passte nach innen auf den zweiten Pfosten, doch eine Grätsche von Hübner vermasselte dem einschussbereiten Kevin Volland noch den sicheren Einschuss. Bayer 04 sofort im Vorwärtsgang, vor allem über Bailey auf links liefen viele Attacken. Doch den ersten Wirkungstreffer setzten urplötzlich die Hausherren: Kramaric ging über links durch und Belfodil verwertete seinen präzisen Querpass in die Mitte unhaltbar für Lukas Hradecky mit einem platzierten Flachschuss von der Strafraumgrenze ins Eck zur Führung (10.).
Aber die Leverkusener zeigten sich nicht im geringsten irritiert – und schlugen zurück. Kevin Volland setzte sich über links fein durch, der zunächst abgewehrte Ball landete bei Julian Brandt, und dessen punktgenaue Hereingabe aus dem Stand verwertete Volland per Kopf zum 1:1-Ausgleich (17.). Saisontreffer Nr. 12 für Volland, und für Brandt bereits der neunte Assist in der Rückrunde. Kurz darauf hatte Volland das 2:1 dick auf dem Fuß, er brachte den Ball nach Bellarabis scharfem Schuss mit rechts aber nicht im Tor unter, sondern spielte ihn fast parallel zur Torlinie (20.). Wenig später verletzte sich Bellarabi am rechten Oberschenkel und musste verletzt vom Platz, für ihn kam Aránguiz ins Spiel (26.).
Es war mächtig Tempo im Spiel. Lukas Hradecky rettete stark gegen Kramaric, der Schütze hatte aber ohnehin im Abseits gestanden (29.). Gut, dass Lars Bender anschließend in höchster Not per Kopf zur Ecke klärte (31.). Eine Minute später zappelte die Kugel zwar im Leverkusener Netz, doch Belfodil hatte im Abseits gestanden. Zuvor hatte Hradecky den Kopfball von Hübner sensationell aus dem Eck gefischt (32.). Wieder nur eine Minute später verfehlte Bittencourt das Tor nur knapp (33.). Dann musste Peter Bosz notgedrungen erneut wechseln: Lars Bender musste verletzt raus, für ihn kam Mitchell Weiser (36.) – ganz bitter! Schade, dass Julian Brandt den Ball mit links aus aussichtsreicher Position über den Hoffenheimer Kasten löffelte (42.). Mit dem Gleichstand ging es nach intensiven 45 Minuten in die Kabinen.
Nach der Pause ging's erneut ohne jede Anlaufzeit sofort munter zur Sache. Beim Flachschuss von Kai Havertz aus der Drehung packte Baumann entschlossen zu (46.). Doch erneut setzte Hoffenheim den ersten Treffer: Sven Bender fälschte den Schuss des unmittelbar zuvor eingewechselten Amiri unhaltbar für Lukas Hradecky ab – 1:2 aus Sicht der Werkself (51.). Doch die Werkself war wiederum nicht geschockt: Brandts noch abgefälschter Ball senkte sich aufs Tornetz (57.), Weisers Schuss lenkte Baumann über die Latte (58.). Dann verhaspelte sich Leon Bailey allein vor Baumann im Abschluss und gab dem TSG-Keeper so noch die Chance zur Klärung (59.). Und Hoffenheim blieb enorm effektiv im Abschluss: Belfodil umkurvte Weiser und traf flach ins kurze Eck zum 3:1, Hradecky war erneut ohne jede Abwehrchance (61.).
Zwei Tore Rückstand, jetzt war die Werkself natürlich extrem gefordert. Bayer 04 intensivierte seine offensiven Anstrengungen noch und ging mit Macht auf den Anschlusstreffer. Jonathan Tahs Direktabnahme aus dem Hinterhalt flog knapp am Pfosten vorbei (74.). Doch Hoffenheim machte den Deckel drauf: Belfodil zog über links davon und überwand Hradecky ins lange Eck, Kramaric war wohl noch mit der Fußspitze dran, bevor der Ball über die Linie flog (79.). Kai Havertz traf kurz darauf zum vermeintlichen 2:4, doch der unmittelbar zuvor eingewechselte Lucas Alario hatte als Passgeber hauchdünn im Abseits gestanden (83.). Es war die letzte nennenswerte Szene aus Leverkusener Sicht.
Für die Werkself geht es in der Bundesliga mit dem 28. Spieltag und dem Heimspiel gegen RB Leipzig weiter. Anstoß in der BayArena am Samstag, 6. April, ist um 15.30 Uhr.
Die Statistik:
TSG Hoffenheim: Baumann – Kaderabek, Vogt, Hübner, Brenet – Grillitsch, Demirbay – Kramaric, Bittencourt (74. Otto) – Joelinton (51. Amiri), Belfodil (87. Bicakcic)
Bayer 04: Hradecky – L. Bender (36. Weiser), Tah, S. Bender, Jedvaj – Havertz, Baumgartlinger, Brandt – Bellarabi (26. Aránguiz), Volland, Bailey (79. Alario)
Tore: 1:0 Belfodil (10.), 1:1 Volland (17.), 2:1 S. Bender (51./Eigentor), 3:1 Belfodil (61.), 4:1 Kramaric (79.)
Schiedsrichter: Osmers (Hannover)
Gelbe Karten: Grillitsch, Hübner – Bailey, Havertz
Zuschauer: 28.350

Rüdiger Vollborn ist seit 40 Jahren im Klub, mit 401 Bundesliga-Einsätzen der Rekordspieler des Klubs und hat als einziger Bayer 04-Profi sowohl den UEFA-Cup (1988) als auch den DFB-Pokal (1993) gewonnen. Und auch nach seiner beeindruckenden Profi-Karriere blieb der gebürtige Berliner dem Werksklub weiter erhalten, arbeitete fortan neun Jahre als Torwarttrainer. Inzwischen ist Vollborn unterm Bayer-Kreuz als Fanbeauftragter und Klub-Archivar tätig. Seit Februar 2021 nimmt das personalisierte schwarz-rote Lexikon die Werkself-Fans in der Rubrik „Rudi erzählt...“ monatlich mit auf eine kleine Reise in die Geschichte von Bayer 04.
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