
„Mit der Leistung in der ersten Halbzeit war ich absolut nicht einverstanden. Da hat uns die Leidenschaft und auch die Intensität im Anlaufverhalten gefehlt. Fußball ist immer noch ein Kampfspiel, deshalb habe ich in der Pause auch etwas schärfere Worte gewählt. In der zweiten Halbzeit kam dann aber eine gute Reaktion. Dass wir dann am Ende noch das 3:3 kassieren, ist natürlich ärgerlich – nicht zuletzt, weil wir auch so ein Spiel gewinnen wollen“, lautete das nüchterne Fazit von Heiko Herrlich.
In Abwesenheit der Nationalspieler Julian Brandt, Bernd Leno, Panos Retsos, Julian Baumgartlinger, Admir Mehmedi und Joel Pohjanpalo sowie der angeschlagenen Sven Bender (doppelter Rippenbruch), Jonathan Tah (Rückenprobleme) und Benjamin Henrichs (Virusinfekt) hatte der Bayer 04-Cheftrainer wie angekündigt vor allem den Spielern Einsatzzeit gegönnt, die zuletzt in der Meisterschaft oder im Pokal weniger bis überhaupt nicht zum Zug gekommen waren. Und so standen gegen den Tabellenzwölften der 2. Liga unter anderem Stefan Kießling, André Ramalho, Vladlen Yurchenko, Marlon Frey sowie der wiedergenesene Tin Jedvaj in der Anfangsformation. Für den 21-jährigen Verteidiger, der zu Beginn der Sommer-Vorbereitung einen Haarriss im Schienbein erlitten hatten, war es zugleich die erste Spielzeit unter der Regie von Herrlich.
In der Tat hatte die Werkself etwas gebraucht, um bei herbstlich-kühlen Temperaturen im Ulrich-Haberland-Stadion ins Spiel zu finden und wurde nach gut zehn Minuten eiskalt erwischt: Duisburgs Moritz Stoppelkamp nutzte gegen eine aufgerückte Abwehr einen Ballverlust im Mittelfeld, bewies ein gutes Auge und traf aus etwa 25 Metern über den chancenlosen Rambo Özcan hinweg ins Tor zum 1:0. Während die nahezu in Bestbesetzung angetretene Mannschaft von MSV-Trainer Ilia Gruev mit der Führung im Rücken immer mutiger agierte, tat sich die Werkself im Spiel nach vorne weiterhin schwer. Einzig Kai Havertz konnte in der Anfangsphase nach einer Ecke im Duisburger Strafraum für Gefahr sorgen (16.). Auf der Gegenseite verhinderte Bayer 04-Keeper Özcan in der 19. Minute das drohende 0:2, als er im Eins-gegen-eins gegen Stoppelkamp zur Stelle war.
Im Anschluss fand Bayer 04 vor gut 400 Zuschauern zwar besser ins Spiel, Stefan Kießling, Dominik Kohr, Karim Bellarabi und Vlad Yurchenko konnten ihre Abschlüsse nicht im Tor unterbringen. Den Ausgleich aus Werkself-Sicht besorgte dann Kapitän Stefan Kießling, als er einen abgewehrten Kopfball von Lucas Alario in bester Stürmer-Manier abstauben konnte (35.). Das 1:1 hatte jedoch nicht lange Bestand: Nur fünf Minuten später brachte Duisburgs Stanislav Iljutcenco nach einer Stoppelkamp-Flanke mit einem Kopfball aus kurzer Distanz den Zweitligisten erneut in Führung (41.). Mit dem 1:2 ging's dann auch in die Pause.
Nach Herrlichs Kabinenansprache zeigten die Schwarz-Roten im zweiten Durchgang ein anderes Gesicht und gingen bissiger und aggressiver zu Werke – vor allem der eingewechselte Leon Bailey sorgte für Schwung und neue Ideen in der Offensive. Die Gastgeber setzten sich zunehmend in der Duisburger Hälfte fest und erspielten sich Chancen im Minutentakt. Die Belohnung ließ nicht lange auf sich warten: Nach einem öffnenden Pass von Kießling auf Sturmpartner Alario bediente dieser im Strafraum Karim Bellarabi, der zum hoch verdienten 2:2 einnetzte (70.). Nur fünf Minuten später belohnte Bailey das große Chancenplus der spielfreudigen Werkself, indem er einen Freistoß aus 22 Metern ins kurze Eck zirkelte – 3:2. Wie aus dem Nichts kamen die Gäste aber in der 82. Minute durch Borys Tashchy zum aus Bayer 04-Sicht unglücklichen 3:3.
Die Werkself steckte nicht auf und spielte auch im Anschluss weiter auf Sieg. Dazu reichte es allerdings nicht – auch, weil Stefan Kießling nach einem schönen Kopfball gegen die Laufrichtung des MSV-Keepers nur den Pfosten traf (84.). „Ich denke, wenn wir beide Halbzeiten so gespielt hätten wie die zweite, dann hätten wir das Spiel auch gewonnen“, sagte Heiko Herrlich. Dabei ließ er jedoch nicht unerwähnt, dass in dem Test andere Dinge im Fokus standen: „Es ging heute vorwiegend darum, ein paar Spieler wieder heranzuführen. Man hat gesehen, dass diesen Jungs ein Stück weit der Spielrhythmus fehlt, aber sie haben ihr Bestes gegeben. Das war für sie heute ein super Test.“
Stefan Kießling, der über die volle Distanz zum Einsatz kam und seine engagierte Vorstellung mit einem Tor belohnte, sah das 3:3 ebenfalls als ein unglückliches Resultat: „Dass wir uns am Ende noch so ein doofes Gegentor fangen, ist natürlich schade und darf uns nicht passieren. In der ersten Halbzeit war es schwierig, weil wir nicht zum Zug gekommen sind. Aber in der zweiten Hälfte haben wir ein richtig gutes Spiel abgeliefert. Ich glaube, jeder hat gesehen, dass wir heute unbedingt gewinnen wollten.“
Bayer 04: Özcan (46. Lomb) – Frey, Ramalho, Jedvaj, Wendell (60. Aránguiz) – Kohr, Havertz – Bellarabi, Yurchenko (60. Bailey) – Alario, Kießling

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