
Im Interview mit bayer04.de spricht der Nigerianer über die Herausforderung seiner Position, das besondere Verhältnis zu seinem Positionspartner und seine ungewöhnliche Anfangszeit in Deutschland.
Nathan, in England hast du offensiver gespielt. Hier musst du auch viel mit nach hinten arbeiten. Wie leicht oder schwer fiel dir diese Umstellung?
Tella: Anfangs hatte ich schon zu kämpfen. Das war vielleicht auch der Grund, warum ich nicht so viel gespielt hatte. Ich hatte meine Rolle nicht vollends verstanden. Aber ich wollte von Anfang an alles für das Team geben – egal auf welcher Position. Also habe ich mich viel mit Jerry (Jeremie Frimpong, Anm. d. Red.), den Trainern und unseren Managern ausgetauscht. Sie alle haben mir viel Input gegeben und mir erklärt, was es auf dieser Position braucht. Wirklich ‚Klick‘ gemacht hat es dann bei unserem Heimspiel gegen Molde im Dezember (5:1 im Dezember vergangenen Jahres, Anm. d. Red.). Ab da habe ich die Position zu 100 Prozent angenommen.
Wie hat dir Cheftrainer Xabi Alonso bei diesem Prozess geholfen?
Tella: Ich habe viel von Xabi gelernt. Er war sehr hilfsbereit und geduldig mit mir, hat Verständnis gezeigt, wenn ich Fehler gemacht habe. Und er hat an mich geglaubt, vor allem als es in Leipzig durch Jerrys Ausfall dann wirklich zum Wechsel kam. Das wäre vor einigen Wochen sicher noch nicht so möglich gewesen, aber er hat es mir zugetraut.
Jeremie und du: Was könnt ihr voneinander lernen? Und wie versteht ihr euch abseits des Platzes?
Tella: Ich würde sagen, dass ich noch viel von ihm lernen kann. Er ist definitiv einer der besten Spieler der Liga auf dieser Position. Und er ist ein Freund. Wir sprechen beide Englisch, das macht es leicht. Wir quatschen viel neben dem Platz, haben viel gemeinsam. Er ist witzig. Wir haben viel Spaß zusammen.





Es ist auch das erste Mal, dass du weit weg von deinem zu Hause in England bist. Wie groß war die Veränderung?
Tella: In meiner ersten Woche hier habe ich kaum mit jemandem gesprochen. Ich war sehr schüchtern, schon fast eingeschüchtert. Ich wusste, es ist eine super Mannschaft mit starken Spielern. Und dann sah ich mich und wunderte mich, warum ich hier bin. (lacht) Ich wollte keine Fehler machen - weder sportlich noch wollte ich etwas Falsches sagen. Aber dann fiel es mir zunehmend leichter. Auch dank der Mannschaftskollegen. Wir haben viel geredet und eine tolle Verbindung aufgebaut. Vielleicht noch nicht auf Deutsch, aber daran arbeite ich. (lacht)
Wie gut hast du dich mittlerweile eingelebt?
Tella: Die Anfangszeit war schwierig. Ich habe zunächst im Hotel gewohnt. Ich hatte zwischen Hotel und den Trainingsanlagen keinen Tapetenwechsel, keine eigenen vier Wände. Ich konnte mich dort noch nicht richtig entspannen und auch nicht richtig ankommen. Als ich im Oktober dann endlich in meine eigene Wohnung ziehen konnte, hat sich alles verändert. Ich war wieder ich selbst und selbst die kleinen Dinge wie kochen, was ich wochenlang nicht machen konnte, haben mich glücklich gemacht. Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, das mal richtig zu lernen. (lacht) Ich habe also endlich ein Zuhause. Es ist eine ruhige Gegend, aber man ist überall ganz schnell. In Manchester mochte ich es auch, da war es immer laut. In Winchester wiederum war es auch schön, aber irgendwann zu ruhig. Hier ist es perfekt.





Wir haben gehört, dass du ein fleißiger Schüler bist und Deutsch lernst. Wie kommst du voran?
Tella: Das muss eine Lüge sein. (lacht) Was ich auf jeden Fall schon kann, ist „Auf geht’s“ oder „Alles gut?“ - das war ungefähr das Erste, was ich gelernt habe. Ich wollte von Anfang an die Sprache lernen, denn so ist es einfacher, ein Teil des Teams und des Klubs zu werden. Ich will mich mit dem Schiri austauschen können, mit dem Coach und meinem Team und vor allem ein Teil der Bayer 04-Familie sein. Ich möchte, dass ich mit den Fans eine Verbindung aufbaue und sie eine mit mir. Egal, ob ich eine Minute oder 90 Minuten gespielt habe, sie unterstützen mich und uns alle. Und das lautstark. Meine Freunde wollten es mir anfangs nicht glauben, aber als sie gegen Union Berlin (4:0, Anm. d. Red.) das erste Mal da waren und ich mein erstes Bundesliga-Tor geschossen habe, trauten sie ihren Ohren kaum. Sie sagten: „Das ist verrückt, so etwas haben wir noch nie erlebt“.

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