Tah: „Ich möchte noch mehr Verantwortung übernehmen“

Innenverteidiger Jonathan Tah zieht nach fünf Tagen im Trainingslager in Zell am See/Kaprun ein erstes Zwischenfazit. Der 25-Jährige spricht im Interview mit bayer04.de über das Mannschaftsgefüge in der Vorbereitung, sein bevorzugtes Spielsystem sowie seine persönliche Rolle im Kader der Werkself.
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Jona, seit vergangenem Freitag bereitet ihr euch im Salzburger Land intensiv auf die neue Saison vor. Wie erlebst du die Mannschaft und die Arbeit vor Ort?
Tah:
Ein Trainingslager ist dazu da, die vom Trainer vorgegebene Spielweise zu verinnerlichen und auch als Mannschaft weiter zusammenzuwachsen. Dafür waren die Tage bislang super. Es bringt großen Spaß, mit den Jungs Zeit zu verbringen. Einige fehlen zwar noch, aber die sollen erstmal ihren Urlaub genießen. Den haben sie sich verdient.

Aufgrund der starken Regenfälle stand der Platz im Alois-Latini-Stadion zwischenzeitlich unter Wasser, am Sonntag musstet ihr kurzfristig auf eine individuelle Einheit im Hotel ausweichen. Wie habt ihr Spieler diese Tage erlebt?
Tah: Wir nehmen die Situation so an, wie sie ist. Spätestens durch die Corona-Zeit sollten wir alle gelernt haben, dass nicht immer alles planbar ist. Wir müssen flexibel sein. Und den Sonntag haben wir auch nutzen können, und zwar für Regeneration. Die Einheiten zuvor waren sehr intensiv, von daher hat es gut gepasst. Nun sind wir wieder frisch und können richtig Gas geben.

Cheftrainer Gerardo Seoane macht einen akribischen, fordernden Eindruck. Wie wirkt er in diesen Tagen in Österreich auf dich?
Tah: Gerardo Seoane ist ein Trainer, der sehr gewissenhaft arbeitet und genaue Vorstellungen von der Art und Weise hat, wie wir Fußball spielen sollen. Er fordert in jeder Situation einhundert Prozent, das kommuniziert er klar und deutlich, so dass es jeder Einzelne versteht. Seine Persönlichkeit und seine Philosophie passen gut zu unserer Mannschaft.

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In diesem Jahr sind sieben Spieler mit dabei, die noch ein weiteres Jahr in der U19 auflaufen könnten. Wie schlagen sich die Jungs?
Tah: Sie alle geben richtig Gas. Für junge Spieler ist solch ein Trainingslager eine neue Situation – manche sind in diesem Alter vielleicht auch noch etwas nervös. Aber alles in allem bin ich mir sicher, dass sie sich bei uns sehr wohlfühlen – wir haben sie gut aufgenommen.

Im vergangenen Jahr war coronabedingt weder ein richtiger Urlaub noch eine längere Sommerpause möglich. Im Sommer zuvor bist du bei der U21-EM als Kapitän im Einsatz gewesen. Wie gut tat der Urlaub in diesem Jahr und inwieweit war die freie Zeit ein Vorteil für deine persönliche Vorbereitung auf die neue Saison?
Tah: Ich merke in diesem Jahr definitiv einen Unterschied im Vergleich zu den Jahren zuvor. Es ist tatsächlich schon vier oder fünf Jahre her, dass ich mehrere Wochen am Stück frei hatte und mich erholen konnte. Ich habe die Zeit sehr genossen und für Dinge genutzt, die sonst in diesem Ausmaß nicht möglich sind – sei es das Reisen oder einfach die Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen.

Gerardo Seoane betonte am ersten Tag des Trainingslagers, dass du jetzt in einem Alter bist, in dem du zum Führungsspieler reifen kannst. Er sagte auch, dass du den Raum, der durch den Abgang von Lars und Sven Bender entstanden ist, füllen solltest. Wie definierst du in dieser Saison deine Rolle im Team und inwieweit hat sich die Rolle durch die Abgänge verändert?
Tah: Ich persönlich habe mich schon vor dieser Saison in einer Art Führungsrolle gesehen. Natürlich haben Lars und Sven und auch Drago (Aleksandar Dragovic, Anm. d. Red.) in den vergangenen Jahren viel Verantwortung auf und neben dem Platz übernommen. Die entstandene Lücke müssen wir alle zusammen als Mannschaft füllen, aber auch einzelne Spieler – da zähle ich mich definitiv dazu. Ich will noch mehr Verantwortung übernehmen – auf dem Platz, aber auch in der Kabine.

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Im Zuge der EM ist eine Diskussion um die Frage „Dreier- oder Viererkette?“ entfacht. Welches System bevorzugst du persönlich und welche Unterschiede bringen die beiden Formationen für einen Innenverteidiger mit sich?
Tah: Ich präferiere das System, mit dem wir letztlich erfolgreich sind. (lacht) Grundsätzlich bin ich eher der Fan von einer Vierer-Abwehrkette. Es ist ein anderes Spiel für einen Innenverteidiger, du kommst in ganz andere Situationen. Und die Situationen, die mir mehr gefallen, ergeben sich meist mit einer Vierer-Kette.

Nadiem Amiri und Paulinho starten in dieser Woche ins Fußball-Turnier der Olympischen Spiele und treffen zum Start mit Deutschland und Brasilien gleich zu Beginn aufeinander. Wem von beiden drückst du im Auftaktspiel die Daumen?
Tah: Wir werden uns das Spiel im Hotel auf jeden Fall anschauen und mit beiden Jungs mitfiebern. Als Deutscher bin ich natürlich immer ein Stück weit mehr für Deutschland – das ist doch klar. Dennoch wünschen wir auch Paulinho das Beste. Möge beide ein gutes Turnier spielen und vor allem verletzungsfrei bleiben.

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