Mottenkiste: Vor 60 Jahren – Der Streik

In der ersten Oktoberwoche des Jahres 1966 entscheiden sich die Vertragsfußballspieler zu einem ungewöhnlichen Schritt – sie treten in den Streik. Sie sehen sich zu dieser bis dato wenig üblichen Selbsthilfe gezwungen, damit sie ihren Forderungen nach einer gerechten Bezahlung mehr Nachdruck verleihen können. Bei drei Unentschieden, so folgern sie, steht ihnen eine Prämie zu, zumindest ist eine Punktprämie von 75 D-Mark vor Saisonbeginn vereinbart worden.
Die Werkself im Jahr 1966

Bayer 04-Fußballobmann Dr. Ernst Blume und der Vorstand stehen auf dem Standpunkt, dass die bisher in dieser Saison gezeigten Leistungen so schlecht waren, dass eine Bezahlung von 25 Mark pro Punkt mehr als genug sind. Das bringt die Spieler auf die Palme. Die beiden Spielführer Friedhelm Renno und Günther Haarmann versuchen zu vermitteln, aber die Bayer 04-Oberen bleiben stur. Sie vertrösten die Mannschaft mit der Aussage, dass diese erstmal am Wochenende gewinnen soll, dann würden sie die noch ausstehenden Gelder auch bezahlen.

160 Mark Monatsgehalt bekommt ein Spieler von Bayer 04 in dieser Zeit und die Drohung der Mannschaft, bei weiterhin ausbleibender Zahlung am Wochenende nicht aufzulaufen, stößt auf wenig Verständnis bei Dr. Blume: „Wir lassen uns nicht erpressen.“

Er droht den Spielern, die zum größten Teil auch im Bayer-Werk angestellt sind, mit weiteren Konsequenzen für ihren Arbeitsplatz in der Firma. Am Ende muss die Mannschaft klein beigeben. Die Spieler laufen am Wochenende auf, erkämpfen ein 0:0 in Neuss, drohen aber mit Leistungsverweigerung, falls die ihnen zustehenden Zahlungen nicht vom Verein ausgezahlt werden würden.

Am Ende gibt es einen Kompromiss. Die Mannschaft spielt besser und der Vorstand von Bayer 04 zahlt die noch ausstehenden Prämien mit dem November-Gehalt aus.

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