
Den Anrufer aus der alten Leverkusener Heimat begrüßt er launig mit einem kernigen „Servus“. Gelernt ist halt gelernt. Michal Kadlec hat das Rheinland zwar vor gut sieben Jahren verlassen, die deutsche Sprache beherrscht er aber nach wie vor aus dem Effeff. Wir erreichen den ehemaligen Linksverteidiger der Werkself in Tschechien, wo er seine langjährige Profi-Karriere beim Erstligisten 1. FC Slovácko langsam ausklingen lässt. „Vermutlich ist das jetzt meine letzte Saison, am 13. Dezember werde ich schließlich 36“, sagt „Katsche“, wie er bei Bayer 04 gerufen wurde.
So ganz sicher ist er sich da aber nicht. Sein Sohn Michael ist jetzt 15 Monate alt – und setzt namenstechnisch eine kleine Familientradition fort: Vater Miroslav, er selbst Michal und jetzt eben Michael („Wir rufen ihn Meikel!“) – immer MK. „Eigentlich würde ich mir ja wünschen, dass er mich noch mal im Stadion spielen sieht“, sagt der stolze Papa. Das aber dürfte schwierig werden in diesen Corona-Zeiten. Tschechien ist aktuell von der Pandemie besonders stark betroffen, die Saison in der Fortuna Liga nach sechs Spieltagen unterbrochen und erst einmal bis Mitte November ausgesetzt. Keiner weiß verlässlich, wie sich die Dinge entwickeln. Flexibilität ist daher im Moment ein sinnvolles Gebot. „Vielleicht hänge ich doch noch ein Jährchen dran, ich stehe schließlich immer noch gerne auf dem Platz. Schau'n wir mal.“
Sein Lebensmittelpunkt soll auf jeden Fall in Tschechien bleiben. Die Eltern wohnen gleich gegenüber, was auch in Sachen Kinderbetreuung viele Vorteile bringt. „Als ich damals bei Bayer 04 gespielt habe, wusste ich noch nicht so recht, wohin ich mich nach meiner Laufbahn orientieren würde. Aber jetzt steht das“, sagt Michal. Was er nach dem Ende seiner aktiven Zeit beruflich anstrebt, scheint dafür umso offener. Eines weiß er aber ohne Zweifel: „Trainer werde ich auf keinen Fall.“ Dem Fußball in anderer Form verbunden zu bleiben, kann er sich hingegen gut vorstellen, „vielleicht als Funktionär oder Spielerberater“. Nur das Nomadenleben ist nicht mehr sein Ding.
„Katsche“ ist ja auch lange Zeit ganz gut rumgekommen. Als Papa Miroslav 1990 beim 1. FC Kaiserslautern anheuerte, siedelte die Familie mit dem fünfjährigen Sohn in die Pfalz über. 1998 ging es zurück nach Tschechien, Michal begann als 15-Jähriger beim heutigen 1. FC Slovácko, der damals noch FC Synot hieß. Mit 17 gab er sein Debüt im Seniorenbereich und machte als talentierter Linksverteidiger mit ausgeprägtem Offensivdrang auf sich aufmerksam. 2005 verpflichtete ihn Sparta Prag, Michal Kadlec wurde auf Anhieb Stammspieler und gewann die Meisterschaft mit dem Klub. Drei Jahre später folgte der Wechsel zur Werkself, erst für ein Jahr auf Leihbasis, dann als feste Verpflichtung für vier weitere Spielzeiten.

Am Ende seiner Leverkusener Zeit stand die Bilanz von 158 Pflichtspielen mit 14 Treffern und 15 Assists – und für Kadlec die Erkenntnis, „hier die beste Zeit der Karriere verbracht zu haben“. Die fünf Jahre bei der Werkself wertet er als „meine absolute Top-Station: Bayer 04 war mein Zuhause, ich habe mich vom ersten Tag an pudelwohl gefühlt. Und auch wenn wir am Ende keinen Titel geholt und uns so verewigt haben, waren großartige Erlebnisse dabei. Wir sind 2009 ins Pokalfinale eingezogen, ich habe Champions League gespielt, gegen Barcelona ein Tor gemacht und hatte hier so fantastische Mitspieler wie Michael Ballack oder Sami Hyypiä. Es war einfach eine Bombenzeit“, erzählt „Katsche“.
Was ihm mit der Werkself versagt blieb, glückte Kadlec auf seiner nächsten Station auf Anhieb: Gleich im ersten Jahr gewann er mit Fenerbahçe Istanbul die nationale Meisterschaft. Rückblickend bewertet er seine drei Jahre am Bosporus eher zwiespältig. „Es war auf jeden Fall eine Erfahrung wert, Fener ist ein großer Klub und Istanbul eine faszinierende Metropole. Aber aus sportlicher Sicht war es mitunter schwierig für mich, ich war längere Zeit verletzt.“ In ihm reifte beizeiten der Entschluss zur Rückkehr in die Heimat.
Das Angebot von Sparta Prag kam da gerade recht: „Dort hatte für mich der große Fußball angefangen. Insofern war der Wechsel dorthin 2016 auch eine Herzensangelegenheit.“ Die glorreiche Vergangenheit mit Sparta, wo er zwischen 2005 und 2008 zwei Meisterschaften und drei Pokalsiege einfuhr, ließ sich aber nicht eben mal beliebig wiederholen. „Der Anfang war noch okay, aber dann folgte eine Periode mit einigen Problemen. Mit dem Trainer haute es für mich nicht so gut hin, der Klub verpflichtete viele ausländische Spieler, in der Kabine wurde auf einmal englisch gesprochen.“ So hatte sich „Katsche“ seine „back to the roots“-Mission nicht vorgestellt. Ein Jahr vor dem eigentlichen Vertragsende 2019 zeichnete sich die geschmeidige Lösung des Dilemmas ab: Kadlec zog es noch weiter zurück zu den eigenen Wurzeln zu seinem Jugendverein 1. FC Slovácko. „Das war eine super Entscheidung. Der Klub steht total hinter mir, und ich habe zu alter Stärke zurückgefunden“, betont Michal.
Die Erinnerung an seine Zeit im Rheinland bleibt derweil lebendig. „Patrick Helmes habe ich neulich bei einem Testspiel gegen Admira Wacker wiedergesehen, auch zu Manuel Friedrich oder Kies (Stefan Kießling; Anm. der Red.) gab es mal Kontakt. Ich hoffe, wir treffen uns alle bald mal wieder“, sagt „Katsche“ – und verbindet unser Gesprächsende mit einer Botschaft: „Richte mal allen in Leverkusen schöne Grüße von mir aus.“
Stationen als Profi:
Seit 2018: 1. FC Slovácko
2016-18: Sparta Prag
2013-16: Fenerbahçe Istanbul
2008-13: Bayer 04
2005 -08: Sparta Prag
2001-05: FC Synot/1. FC Slovácko
Dieser Beitrag stammt aus dem Werks11 Magazin #28. Die neue Ausgabe wurde in der vergangenen Woche per Post an die Mitglieder von Bayer 04 verschickt und erscheint in den nächsten Tagen als Blätterkatalog auf bayer04.de.


Ausgelassene Stimmung von Hitdorf bis Opladen – auch in diesem Jahr ließen wieder etliche junge wie alte Karnevalisten gemeinsam mit Schwarz-Rot die Kamelle fliegen. Los ging es am Karnevalsfreitag in Hitdorf, bevor der bunte Bayer 04-Wagen am darauffolgenden Valentinstag in Schlebusch vorbei an 40.000 fröhlichen Jecken zog. Rund 25.000 begeisterte Zuschauer feierten am Sonntag in Wiesdorf mit, bevor zum Finale am Rosenmontag in Opladen trotz des regnerischen Wetters noch einmal 30.000 lachende Gesichter dem Bayer 04-LKW zujubelten.
Mehr zeigen
Nach dem „Tour-Pass“ für die Ligaphase der UEFA Champions League 2025/26 geht es in den anstehenden K.-o.-Play-offs mit dem „SoD-Unplugged-Ticket“ weiter! Die Aktion richtet sich erneut exklusiv an alle Bayer 04-Clubmitglieder. Das „SoD-Unplugged-Ticket“ ist ab dem Tag des Hinspiels bei Olympiakos Piräus (Mi., 18. Februar) und bis einschließlich Samstag, 28. Februar, am Service Counter in der Fanwelt erhältlich. Zu gewinnen gibt es 6x 1 von einem Werkself-Profi unterschriebenes Schallplatten-Cover im „Sound of Dreams“-Look!
Mehr zeigen
Nach dem umjubelten 2:1-Derbysieg gegen den 1. FC Köln mischen die Bayer 04-Frauen weiterhin in der Spitzengruppe der Bundesliga mit. Wer die Werkself im Rennen um Platz drei live vor Ort unterstützen möchte, kann ab sofort auch Tickets für das Heimspiel gegen den FC Carl Zeiss Jena erwerben. Auch Karten für das kommende Duell am Sonntag, 22. Februar, im Ulrich-Haberland-Stadion gegen die TSG Hoffenheim sind noch verfügbar. Alle Infos im Überblick.
Mehr zeigen
Noch einmal Vollgas geben! Am heutigen Dienstag, 17. Februar (ab 18 Uhr live auf Twitch), bestreitet das #B04eSports-Team die übrigen drei Vorrunden-Spiele des fünften und finalen Showdowns der VBL Club Championship 2025/26. Gegen den 1. FC Nürnberg, den 1. FC Magdeburg sowie den FC Bayern München wollen die Leverkusener Konsolen-Profis den Einzug in die Offline-K.-o.-Runde perfekt machen und dort wertvolle Zähler für die Gesamttabelle und den Kampf um das Final-Event um die Deutsche Klub-Meisterschaft sammeln. Der Gegner-Check.
Mehr zeigen
Auf ein Neues also: Vier Wochen nach dem 2:0-Heimsieg in der Ligaphase der UEFA Champions League empfängt Olympiakos Piräus die Werkself an diesem Mittwoch, 18. Februar (Anstoß: 21 Uhr deutscher Zeit/live bei DAZN und im Werkself Radio), nun zum Hinspiel in den K.-o.-Play-offs ein zweites Mal binnen kurzer Zeit im Stadio Georgios Karaiskakis. Und es dürfte wieder ein hochintensives Duell in feuriger Atmosphäre werden.
Mehr zeigen