Michal Kadlec: Neue, alte Heimat

Dieses Duell dürfte Michal Kadlec besonders interessieren: Am Mittwochabend, 11. November, stehen sich Deutschland und Tschechien im Rahmen eines Freundschaftsspiels gegenüber. Um 20.45 Uhr treffen in Leipzig die Nationalteams aus den zwei Ländern aufeinander, in denen der 35-Jährige, bis auf drei Jahre in der Türkei, sein gesamtes Leben verbracht hat. Der langjährige Werkself-Profi (2008-13) spricht in der neuen Ausgabe des Werks11 Magazins, das in den vergangenen Tagen an die Mitglieder von Bayer 04 verschickt worden ist, unter anderem über seine „Bombenzeit“ unterm Bayer-Kreuz und mögliche Zukunftspläne zum Ende seiner aktiven Laufbahn sowie darüber hinaus.
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Den Anrufer aus der alten Leverkusener Heimat begrüßt er launig mit einem kernigen „Servus“. Gelernt ist halt gelernt. Michal Kadlec hat das Rheinland zwar vor gut sieben Jahren verlassen, die deutsche Sprache beherrscht er aber nach wie vor aus dem Effeff. Wir erreichen den ehemaligen Linksverteidiger der Werkself in Tschechien, wo er seine langjährige Profi-Karriere beim Erstligisten 1. FC Slovácko langsam ausklingen lässt. „Vermutlich ist das jetzt meine letzte Saison, am 13. Dezember werde ich schließlich 36“, sagt „Katsche“, wie er bei Bayer 04 gerufen wurde.

So ganz sicher ist er sich da aber nicht. Sein Sohn Michael ist jetzt 15 Monate alt – und setzt namenstechnisch eine kleine Familientradition fort: Vater Miroslav, er selbst Michal und jetzt eben Michael („Wir rufen ihn Meikel!“) – immer MK. „Eigentlich würde ich mir ja wünschen, dass er mich noch mal im Stadion spielen sieht“, sagt der stolze Papa. Das aber dürfte schwierig werden in diesen Corona-Zeiten. Tschechien ist aktuell von der Pandemie besonders stark betroffen, die Saison in der Fortuna Liga nach sechs Spieltagen unterbrochen und erst einmal bis Mitte November ausgesetzt. Keiner weiß verlässlich, wie sich die Dinge entwickeln. Flexibilität ist daher im Moment ein sinnvolles Gebot. „Vielleicht hänge ich doch noch ein Jährchen dran, ich stehe schließlich immer noch gerne auf dem Platz. Schau'n wir mal.“

Kadlec: Auf keinen Fall Trainer

Sein Lebensmittelpunkt soll auf jeden Fall in Tschechien bleiben. Die Eltern wohnen gleich gegenüber, was auch in Sachen Kinderbetreuung viele Vorteile bringt. „Als ich damals bei Bayer 04 gespielt habe, wusste ich noch nicht so recht, wohin ich mich nach meiner Laufbahn orientieren würde. Aber jetzt steht das“, sagt Michal. Was er nach dem Ende seiner aktiven Zeit beruflich anstrebt, scheint dafür umso offener. Eines weiß er aber ohne Zweifel: „Trainer werde ich auf keinen Fall.“ Dem Fußball in anderer Form verbunden zu bleiben, kann er sich hingegen gut vorstellen, „vielleicht als Funktionär oder Spielerberater“. Nur das Nomadenleben ist nicht mehr sein Ding.

„Katsche“ ist ja auch lange Zeit ganz gut rumgekommen. Als Papa Miroslav 1990 beim 1. FC Kaiserslautern anheuerte, siedelte die Familie mit dem fünfjährigen Sohn in die Pfalz über. 1998 ging es zurück nach Tschechien, Michal begann als 15-Jähriger beim heutigen 1. FC Slovácko, der damals noch FC Synot hieß. Mit 17 gab er sein Debüt im Seniorenbereich und machte als talentierter Linksverteidiger mit ausgeprägtem Offensivdrang auf sich aufmerksam. 2005 verpflichtete ihn Sparta Prag, Michal Kadlec wurde auf Anhieb Stammspieler und gewann die Meisterschaft mit dem Klub. Drei Jahre später folgte der Wechsel zur Werkself, erst für ein Jahr auf Leihbasis, dann als feste Verpflichtung für vier weitere Spielzeiten.

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Am Ende seiner Leverkusener Zeit stand die Bilanz von 158 Pflichtspielen mit 14 Treffern und 15 Assists – und für Kadlec die Erkenntnis, „hier die beste Zeit der Karriere verbracht zu haben“. Die fünf Jahre bei der Werkself wertet er als „meine absolute Top-Station: Bayer 04 war mein Zuhause, ich habe mich vom ersten Tag an pudelwohl gefühlt. Und auch wenn wir am Ende keinen Titel geholt und uns so verewigt haben, waren großartige Erlebnisse dabei. Wir sind 2009 ins Pokalfinale eingezogen, ich habe Champions League gespielt, gegen Barcelona ein Tor gemacht und hatte hier so fantastische Mitspieler wie Michael Ballack oder Sami Hyypiä. Es war einfach eine Bombenzeit“, erzählt „Katsche“.

Was ihm mit der Werkself versagt blieb, glückte Kadlec auf seiner nächsten Station auf Anhieb: Gleich im ersten Jahr gewann er mit Fenerbahçe Istanbul die nationale Meisterschaft. Rückblickend bewertet er seine drei Jahre am Bosporus eher zwiespältig. „Es war auf jeden Fall eine Erfahrung wert, Fener ist ein großer Klub und Istanbul eine faszinierende Metropole. Aber aus sportlicher Sicht war es mitunter schwierig für mich, ich war längere Zeit verletzt.“ In ihm reifte beizeiten der Entschluss zur Rückkehr in die Heimat.

Zurück zum Jugendklub - eine gute Wahl

Das Angebot von Sparta Prag kam da gerade recht: „Dort hatte für mich der große Fußball angefangen. Insofern war der Wechsel dorthin 2016 auch eine Herzensangelegenheit.“ Die glorreiche Vergangenheit mit Sparta, wo er zwischen 2005 und 2008 zwei Meisterschaften und drei Pokalsiege einfuhr, ließ sich aber nicht eben mal beliebig wiederholen. „Der Anfang war noch okay, aber dann folgte eine Periode mit einigen Problemen. Mit dem Trainer haute es für mich nicht so gut hin, der Klub verpflichtete viele ausländische Spieler, in der Kabine wurde auf einmal englisch gesprochen.“ So hatte sich „Katsche“ seine „back to the roots“-Mission nicht vorgestellt. Ein Jahr vor dem eigentlichen Vertragsende 2019 zeichnete sich die geschmeidige Lösung des Dilemmas ab: Kadlec zog es noch weiter zurück zu den eigenen Wurzeln zu seinem Jugendverein 1. FC Slovácko. „Das war eine super Entscheidung. Der Klub steht total hinter mir, und ich habe zu alter Stärke zurückgefunden“, betont Michal.

Die Erinnerung an seine Zeit im Rheinland bleibt derweil lebendig. „Patrick Helmes habe ich neulich bei einem Testspiel gegen Admira Wacker wiedergesehen, auch zu Manuel Friedrich oder Kies (Stefan Kießling; Anm. der Red.) gab es mal Kontakt. Ich hoffe, wir treffen uns alle bald mal wieder“, sagt „Katsche“ – und verbindet unser Gesprächsende mit einer Botschaft: „Richte mal allen in Leverkusen schöne Grüße von mir aus.“

Stationen als Profi:
Seit 2018: 1. FC Slovácko
2016-18: Sparta Prag
2013-16: Fenerbahçe Istanbul
2008-13: Bayer 04
2005 -08: Sparta Prag
2001-05: FC Synot/1. FC Slovácko

Dieser Beitrag stammt aus dem Werks11 Magazin #28. Die neue Ausgabe wurde in der vergangenen Woche per Post an die Mitglieder von Bayer 04 verschickt und erscheint in den nächsten Tagen als Blätterkatalog auf bayer04.de.

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