Hoch soll er leben – Willibert Kremer wird 80

Willibert Kremer führte Bayer 04 vor 40 Jahren als Trainer in die Bundesliga. Der Aufstiegs-Coach feiert heute seinen 80. Geburtstag und war der Erste, der sich um professionellere Strukturen unterm Bayer-Kreuz kümmerte. Eine Würdigung.
U19M6974.jpg

Als Willibert Kremer am 5. April 1976 als neuer Trainer und Nachfolger von Radoslav Momirski bei Bayer 04 präsentiert wurde, steckte die Werkself in ihrer ersten Spielzeit in der 2. Bundesliga Nord bis zum Hals im Abstiegssumpf. Zuvor hatte der damals 36-Jährige den MSV Duisburg in der Eliteliga gecoacht und bei den Zebras Profis wie Bernard Dietz, Ronnie Worm und Rudi Seliger zu Nationalspielern geformt. Als der MSV aber nach drei Jahren keine Anstalten machte, Kremers auslaufenden Vertrag zu verlängern, kündigte der Coach zwei Monate vor Saisonschluss von sich aus – per Einschreiben und den Worten: „Ich habe es nicht nötig, den Vorstand auf Knien um Weiterbeschäftigung zu bitten.“

Weisweiler als Lehrmeister

Dieser außergewöhnliche Schritt machte Schlagzeilen – und er sagt einiges aus über den Trainer und Menschen Willibert Kremer. Kremer, einer der eher Stillen im Lande und der Selbstdarstellung wie übertriebenen Eitelkeit völlig unverdächtig, war vom legendären Hennes Weisweiler an der Sporthochschule Köln ausgebildet worden und hatte sich vieles abgeschaut von „Don Hennes“. Einer seiner wichtigsten Grundsätze: Lautstärke und markiges Auftreten produzieren keine Autorität, sondern Sachkenntnis und Menschenführung.

In Leverkusen freilich zeigte sich Kremer nach seiner ersten Trainingseinheit höchst desillusioniert: „Ich hatte gerade mal ein lockeres Aufwärmprogramm durchgezogen, wie ich es seinerzeit aus der Bundesliga gewohnt war, da mussten sich einige Spieler schon nach einer halben Stunde übergeben, so sehr hatten sie sich verausgabt.“ Doch trotz allem Magengrummeln schaffte Bayer 04 mit Kremer auf den letzten Drücker noch als 15. der Tabelle den Klassenerhalt.

„Mädchen für alles“

Der Retter begab sich danach gleich ans nächste Werk und avancierte bei Bayer 04 gleichsam zum „Mädchen für alles“. Kremer verschrieb sich der A-Jugend, die er anfangs zusätzlich zu den Profis noch mittrainierte („Die hatten damals ja nicht einmal einen kompletten Satz Trikots. Ein Nachwuchsspieler, der etwas auf sich hielt, ging nicht nach Leverkusen, sondern zum 1. FC Köln oder TuS Höhenhaus“), sichtete nach Talenten und setzte sich im Zweifel auch mit dem Platzwart auseinander, wenn er den Eindruck gewann, dass die Halme des neu eingesäten Rasens nicht ordentlich wuchsen. Eine seiner wertvollsten Neuverpflichtungen: Reiner Calmund kam als neuer Jugendbetreuer von Frechen 20.

Willibert_Kremer_1.jpg
Ein großer Moment im Trainer-Leben des Willibert Kremer: der Coach auf den Schultern seiner Spieler nach dem Bundesliga-Aufstieg am 13. Mai 1979.

Sportlich gediehen die Dinge gut an der Bismarckstraße unter Kremer: Platz zehn 1977 und Rang acht ein Jahr später bildeten die Zwischenstationen zur sensationellen Saison 1978/79, als die Leverkusener als Underdog unwiderstehlich in die Eliteliga durchmarschierten. Als der Aufstieg am 13. Mai 1979 nach einem 3:3 gegen Uerdingen feststand, trugen die Spieler ihren Trainer auf den Schultern durch die Kabine. „Es war der glücklichste Tag in meiner Trainer-Laufbahn“, hat Willibert Kremer diesen Moment später eingeordnet.

In der ersten Bundesliga-Spielzeit landete Bayer 04 auf Platz zwölf, doch im verflixten zweiten Jahr gab es sportliche Probleme – und der Trainer geriet zunehmend in die Diskussion. Kremer hatte kurz zuvor ein Angebot des 1. FC Nürnberg erhalten, Nachfolger von „Zapf“ Gebhardt zu werden, doch Bayer 04 verweigerte kategorisch die Freigabe. Unvergessen der Spruch des damaligen Vereinspräsidenten Dr. Jürgen Schwericke, zugleich der oberste Justitiar des Klubs: „Wenn die Nürnberger noch einmal versuchen, mit unserem Trainer zu verhandeln, bekommen sie es mit meinen jungen Berufskollegen zu tun.“

„Mir hat das sehr wehgetan"

Als Willibert Kremer bei Bayer 04 am 22. November 1981 beurlaubt und sein Assistent Gerd Kentschke mit der Trainingsleitung betraut wurde, war der Groll groß. In der Rückschau gab Kremer Einblick in sein damaliges Gefühlsleben. „Mir hat das sehr wehgetan. Den lukrativen Job in Nürnberg hatte man mir verbaut, aber entlassen worden bin ich trotzdem.“ Es war das unschöne Ende einer bis dahin enorm fruchtbaren Liaison. Kremer reichte Klage auf Wiedereinstellung als Trainer ein, die vom Arbeitsgericht Solingen aber abgewiesen wurde.

Schwamm drüber, Willibert Kremer hat längst wieder seinen lieben Frieden mit Bayer 04 gemacht. Er arbeitete noch weitere 14 Jahre als Trainer mit Stationen bei 1860 München, Fortuna Düsseldorf, Eintracht Braunschweig, MSV Duisburg und Tennis Borussia Berlin, ehe er ab 1998 die Scouting-Abteilung bei Bayer 04 bereicherte und dort über 15 Jahre in der Sichtung und Gegnerbeobachtung tätig war. Seine Erfahrung war in all der Zeit sehr geschätzt im Klub, zum 30. Juni 2013 packte Willibert Kremer die Fußballschuhe im übertragenen Sinne dann aber endgültig ein.

Der Kontakt zu Bayer 04 im Allgemeinen und zum 79er-Aufstiegsteam im Besonderen riss jedoch nie ab. Wer Willibert Kremer im Mai des Jahres im Rahmen der Feierlichkeiten zu „40 Jahre Bundesliga unterm Bayer-Kreuz“ als Alterspräsidenten der Truppe inmitten seiner Zöglinge von damals erlebte, der konnte in seinen glänzenden Augen die pure Freude über das bewegende Wiedersehen lesen.

Happy Birthday, Aufstiegs-Coach, auf die nächsten zehn Jahre!

Tag_der_Aufsteiger-46735.jpg

Ähnliche News

Marc Landwehr
eSports - 18.02.2026

#B04eSports: Leverkusener verpassen Offline-Runde und Top Acht

Bitteres Ende des fünften Showdowns der VBL Club Championship 2025/26. In den übrigen drei Spielen der Online-Vorrunde des fünften und finalen Showdowns haben die Leverkusener eSportler keine Punkte holen können. Der Showdown-Eins-Gewinner Bayer 04 verpasst damit den Einzug in die Offline-Runde und kann keine weiteren Zähler für die Gesamttabelle sammeln. In dieser ist das #B04eSports-Team zudem aus den Top Acht gerutscht. Eine direkte Teilnahme am Finalevent um die Deutsche Klub-Meisterschaft ist damit nicht mehr möglich, die Leverkusener müssen den Umweg über die Play-offs gehen.

Mehr zeigen
Pressekonferenz mit Robert Andrich & Kasper Hjulmand | Champions League-Play-offs
Werkself-TV - 17.02.2026

Hjulmand vor #OLYB04: „Das Beste geben für Fans und Klub“

Wiedersehen in Athen: Am Mittwoch, 18. Februar (Anstoß: 21 Uhr dt. Zeit/live auf DAZN), begegnet die Werkself im Karaiskakis-Stadion zum zweiten Mal in der laufenden Saison dem griechischen Doublesieger Olympiakos Piräus. Nach dem Duell in der Ligaphase geht es nun im Hinspiel der Play-off-Runde der UEFA Champions League 2025/26 zur Sache. Cheftrainer Kasper Hjulmand sprach vorab über die Herangehensweise für das Duell, Kapitän Robert Andrich erklärte unterdessen, wie die Mannschaft die Stimmung in der morgigen Spielstätte zu bändigen versucht.

Mehr zeigen
Faninfos #OLYB04
Fans - 17.02.2026

Die Faninfos zum Play-offs-Hinspiel bei Olympiakos Piräus

Im Hinspiel der K.-o.-Play-offs der UEFA Champions League 2025/26 gastiert die Werkself beim griechischen Double-Sieger Olympiakos Piräus. Die Partie findet am Mittwoch, 18. Februar (Anstoß: 22 Uhr Ortszeit/21 Uhr dt. Zeit), im Stadio Georgios Karaiskakis statt. Vorab hat die Bayer 04-Fanbetreuung alle Infos zusammengefasst...

Mehr zeigen
Olympiakos Piräus
Champions League - 17.02.2026

Gegner-Update: Olympiakos mit zwei Gesichtern

Auf ein Neues also: Vier Wochen nach dem 2:0-Heimsieg in der Ligaphase der UEFA Champions League empfängt Olympiakos Piräus die Werkself an diesem Mittwoch, 18. Februar (Anstoß: 21 Uhr deutscher Zeit/live bei DAZN und im Werkself Radio), nun zum Hinspiel in den K.-o.-Play-offs ein zweites Mal binnen kurzer Zeit im Stadio Georgios Karaiskakis. Und es dürfte wieder ein hochintensives Duell in feuriger Atmosphäre werden.

Mehr zeigen
Karneval beim Bayer
Fans - 17.02.2026

„Karneval beim Bayer“ 2026: 100.000 Jecken feiern mit!

Ausgelassene Stimmung von Hitdorf bis Opladen – auch in diesem Jahr ließen wieder etliche junge wie alte Karnevalisten gemeinsam mit Schwarz-Rot die Kamelle fliegen. Los ging es am Karnevalsfreitag in Hitdorf, bevor der bunte Bayer 04-Wagen am darauffolgenden Valentinstag in Schlebusch vorbei an 40.000 fröhlichen Jecken zog. Rund 25.000 begeisterte Zuschauer feierten am Sonntag in Wiesdorf mit, bevor zum Finale am Rosenmontag in Opladen trotz des regnerischen Wetters noch einmal 30.000 lachende Gesichter dem Bayer 04-LKW zujubelten.

Mehr zeigen