Geschichte: Vor 25 Jahren – Die Vize-Triple-Saison 2001/02 (Oktober)

Die erste Oktoberwoche steht ganz im Zeichen des Qualifikationsspieles der deutschen Nationalmannschaft gegen Finnland für die Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea. Im letzten Gruppenspiel der Gruppe 9 benötigt die deutsche Elf Schützenhilfe aus Griechenland, das zeitgleich im Wembley-Stadion gegen England antritt. Bayer 04 stellt unter DFB-Teamchef Rudi Völler mit Jens Nowotny, Michael Ballack, Bernd Schneider, Carsten Ramelow und Oliver Neuville den größten Block. Auf Abruf bereit steht noch Werkself-Mittelstürmer UIf Kirsten, weil der Einsatz des Lauterers Miroslav Klose in der Schwebe steht.

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Am Ende schafft es der Mittelstürmer aus der Pfalz für das Spiel und wird in der 76. Minute eingewechselt. Die Griechen schaffen das Wunder in Wembley, führen zwischenzeitlich sogar mit 2:1 und müssen erst in der Nachspielzeit das 2:2 durch David Beckham hinnehmen. Aber der deutschen Mannschaft gelingt gegen die Skandinavier kein Tor und so bleibt es beim 0:0. Deutschland muss in die Relegation gegen die Ukraine.

Daheim an der BayArena bereitet sich die Werkself auf das wegen der Terrorangriffe auf das World Trade Center verschobene Champions-League-Heimspiel gegen Fenerbahce Istanbul vor. Da alle Nationalspieler pünktlich und vor allem gesund wieder in Leverkusen eintreffen, ergeben sich für Trainer Klaus Toppmöller keine großen Probleme. Die Türken gehen zwar in der 6. Minute mit 1:0 in Führung, aber das tangiert die Werkself in ihrem Offensivdrang überhaupt nicht. Noch vor der Pause sorgt Lucio für den Ausgleich und nach einer berechtigten Roten Karte gegen einen Spieler der Gäste wird der Druck von Bayer 04 in der zweiten Halbzeit immer größer. Michael Ballack sorgt in der 59. Minute für die Entscheidung – die Werkself führt die Gruppe F mit neun Punkten komfortabel an.

Bayer 04 sichert Platz drei in Cottbus

Vor dem nächsten Bundesligaspiel in der Lausitz bei Energie Cottbus kocht noch einmal der Wechsel von Jens Nowotny zum FC Bayern hoch. Jeder Offizielle der Münchener äußert sich zu einem Wechsel des Kapitäns und am Ende diktiert „Jenne“ dem Kicker-Reporter Folgendes ins Notizbuch:

„Ich habe nie Interesse bekundet, nach München zu wechseln. Das stand definitiv von meiner Seite nicht zur Diskussion. Für mich hat sich jetzt das Thema FC Bayern ein für alle Mal erledigt.“

Am Samstag, 13. Oktober 2001, kommt es zum Auswärtsspiel bei Energie Cottbus. Dort muss Chefcoach Klaus Toppmöller auf die angeschlagenen Ze Roberto und Yildiray Bastürk verzichten und gibt Kapitän Jens Nowotny eine Pause. Dafür laufen Boris Zivkovic in der Innenverteidigung und Jurica Vranjes neben Carsten Ramelow im defensiven Mittelfeld auf. Zwar geht die Werkself schon früh in der 4. Minute durch Ulf Kirsten mit 1:0 in Führung, aber durch den ehemaligen Bayer 04-Spieler Sebastian Helbig können die Gastgeber in der 12. Minute ausgleichen.

Sechs Minuten später sieht Zoltan Sebescen die Gelb-Rote Karte und es entwickelt sich ein unterhaltsames Spiel mit einer sehr konzentriert agierenden Bayer 04-Mannschaft. Kurz vor der Pause köpft Michael Ballack eine Flanke von Bernd Schneider ins Tor und die Werkself geht mit einer 2:1-Führung in die Pause.

Energie kommt mit viel Elan aus der Kabine und erzielt in der 50. Minute den Ausgleich. Doch über den fleißigen Bernd Schneider laufen viele Bayer 04-Angriffe und einer dieser Gegenangriffe führt nach einem Foul an Diego Placente zu einem Elfmeter. Erneut ist es Ulf Kirsten, der den Ball im Netz versenkt. Die letzte halbe Stunde wird zu einer Abwehrschlacht, in der die Werkself mit Glück und Geschick ihr Tor erfolgreich verteidigt und mit einem wichtigen Dreier den 3. Tabellenplatz sichert.

Im Camp Nou ist Barcelona stärker

Mittwochs drauf steigt das Spiel im Camp Nou. Vor 75.000 Zuschauern bieten die Katalanen den druckvolleren Fußball und zwingen die Werkself mit kombinationssicheren Ballstafetten in die Defensive. Weil die Werkself die ständig ihre Positionen wechselnde Offensive Barcelonas nicht in den Griff bekommt, häufen sich die Chancen für die Gastgeber, die in der 12. Minute auch verdient in Führung gehen. Den Ausgleich aus heiterem Himmel durch Carsten Ramelow nach Leverkusens erstem Vorstoß überhaupt beantwortet der FC Barcelona prompt mit dem 2:1. In der zweiten Halbzeit spielt die Werkself erst in der Schlussphase beherzter nach vorne, doch Mittelstürmer Ulf Kirsten vergibt die größte Torchance. So bleibt es beim verdienten Sieg für FC Barcelona und es entwickelt sich ein Dreikampf zwischen den Spaniern, Olympique Lyon und Bayer 04 um die beiden begehrten Plätze, mit denen man weiterhin im Wettbewerb bleibt.

Bayer 04 beim FC Barcelona

Wieder daheim kommt zum nächsten Bundesligaspiel der VfB Stuttgart in die BayArena. Ohne den gelbgesperrten Carsten Ramelow, den rotgesperrten Zoltan Sebescen und Jens Nowotny, der an einer Meniskusquetschung leidet, tut sich die Werkself lange schwer. Die frühe Führung der Stuttgarter kann Ze Roberto mit einem direkten Freistoß zwar ausgleichen, aber Bayer 04 kommt gegen eine gut gestaffelte und sich verschiebende Stuttgarter Deckung kaum zu Torchancen. Erst in der zweiten Hälfte entwickelt die Werkself das gewohnt druckvolle und zielstrebige Offensivspiel. Ze Roberto schwingt sich auf der linken Seite zum Initiator zahlreicher Angriffe auf, Michael Ballack und Yildiray Bastürk erarbeiten Torchancen, aber die entscheidenden Treffer fallen nach zwei Standards. Erst drückt Boris Zivkovic einen Freistoß von Ze Roberto über die Linie und nach einem Eckball knallt Lucio den Ball unter die Latte. Den Schlusspunkt zum 4:1 setzt der eingewechselte Dimitar Berbatov.

In Istanbul feiert Schwarz-Rot den Einzug in die Zwischenrunde

Zwei Tage nach dem Sieg gegen die Schwaben setzt sich die Werkself in den Flieger nach Istanbul. Am Dienstag, 23. Oktober 2001, spielt Bayer 04 im Stadion Sükrü Saracoglu. Die Türken liegen chancenlos mit null Punkten auf dem vierten Platz in der Gruppe, deshalb wollen auch nur 13.000 Zuschauer die Partie sehen. Mit langen Ballpassagen und kontrolliertem Aufbau nimmt Bayer 04 den Türken viel von ihrem Anfangselan und wirkt in der Defensive glänzend abgestimmt. Ohne Lucio, der mit drei Gelben Karten für dieses Spiel gesperrt ist, sorgen vor allem Jens Nowotny und Carsten Ramelow dafür, dass Fenerbahce nicht in die Nähe des von Jörg Butt gehüteten Tores kommt.

Die 2:1-Halbzeitführung für Bayer 04 ist hochverdient. In der zweiten Halbzeit verpasst es die Truppe um Michael Ballack, aus den zahlreichen Möglichkeiten die Entscheidung herbeizuführen. Kurz vor Schluss bekommen die Istanbuler noch die Ausgleichsmöglichkeit, aber es bleibt nach neunzig Minuten beim hochverdienten Erfolg für Bayer 04 und die damit verbundene Qualifikation für die nächste Zwischenrunde in der Champions League, da der FC Barcelona mit 3:2 bei Olympique Lyon gewinnt.

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Am Samstag nach dem Spiel in der Türkei muss Bayer 04 im Olympiastadion von München gegen 1860 München ran. In der ersten halben Stunde trumpft die Werkself mächtig auf, aber in der 31. Minute stellt Thomas Häßler mit einem Distanzschuss den Spielverlauf auf den Kopf. Doch zwei Minuten später fällt der mehr als verdiente Ausgleich durch den ehemaligen Bayer 04-Spieler Torben Hoffmann, der ins eigene Netz trifft. In der zweiten Halbzeit agiert die Truppe von Klaus Toppmöller auf einmal zaghaft und zögerlich und hat Glück, dass sie nicht in Rückstand gerät. Nach einem taktischen Foul von Yildiray Bastürk in der 68. Minute kassiert nicht nur der Foulende eine Gelbe Karte, auch Michael Ballack meckert so lautstark, dass Schiedsrichter Hartmut Strampe auch dem Mittelfeldspieler das gelbe Karton vor die Nase hält. Aber damit nicht genug.

Das Wegwerfen des Balles von Lucio ignoriert der Schiedsrichter noch. Aber dass der Brasilianer den schon liegenden Ball auch noch wegschießt und als Reaktion auf die dafür erhaltene Gelbe Karte höhnisch applaudiert, kommt beim Unparteiischen nicht gut an: Er schickt den Innenverteidiger mit einer Gelb-Roten Karte vom Platz. In Unterzahl und nach den folgenden Wechseln von Boris Zivkovic und Zoltan Sebescen für die offensiveren Ulf Kirsten und Michael Ballack stimmt auf einmal wieder die Ordnung im Leverkusener Spiel. In der 78. Minute schießt Diego Placente sein erstes Tor für die Werkself und Bernd Schneider und Oliver Neuville legen noch nach. Am Ende stehen ein clever herausgespielter 4:1-Sieg und Platz 2 in der Tabelle hinter dem FC Bayern.

Gegen Lyon gönnt Toppi vielen Stammkräften eine Pause

Und die englischen Wochen reißen nicht ab. Am Mittwoch, 31. Oktober 2001, steigt das letzte Gruppenspiel in der Champions League gegen Olympique Lyon in der BayArena. Es geht zwar noch um den Gruppensieg, aber da alle bei Bayer 04 von einem klaren Sieg des FC Barcelona gegen Fenerbahce Istanbul ausgehen, gibt Trainer Klaus Toppmöller einigen seiner Spieler eine kreative Pause. Er verzichtet auf Jens Nowotny, Carsten Ramelow, Michael Ballack, Yildiray Bastürk, Oliver Neuville und Ulf Kirsten. Erstmals führt Bernd Schneider die Werkself als Kapitän auf den Platz. Vorne im Sturm spielen Dimitar Berbatov und Thomas Brdaric, Pascal Ojigwe und Jurica Vranjes übernehmen den Part von Carsten Ramelow und Boris Zivkovic steht neben Lucio in der Innenverteidigung. Aber schnell wird deutlich, dass Bayer 04 in dieser Formation noch nie aufgelaufen ist. Zu statisch ist das Spiel in der ersten Hälfte und so ist die 2:1-Halbzeitführung der Franzosen durchaus verdient.

Bayer 04 gegen Olympique Lyon

In der zweiten Halbzeit gelingt durch Dimitar Berbatov der schnelle Ausgleich und die Chance zur Führung vergibt vor allem Thomas Brdaric. Doch Olympique Lyon gerät nicht lange unter Druck, schlägt dann wieder gegen die wackelige Bayer 04-Defensive zu und fährt mit einem am Ende verdienten 4:2-Sieg nach Hause. Für die Mannschaft von Trainer Klaus Toppmöller kein großer Beinbruch, denn das erste Etappenziel, Qualifikation für die Zwischengruppe der Champions League, war ja schon vor dem Spiel erreicht. Für Bayer 04 heißt es nun: Regenerieren und sich auf das Spitzenspiel am Wochenende gegen den Tabellendritten 1. FC Kaiserslautern vorbereiten.

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