Ein Idol wird 65: Happy Birthday, Rudi!

Liegt sein Abschied von Bayer 04 tatsächlich schon fast drei Jahre zurück? Man mag es kaum glauben. Aber was heißt hier schon Abschied? Rudi Völler sitzt immer noch sehr häufig bei Heimspielen der Werkself auf seinem Stammplatz in der BayArena. Nicht mehr als Geschäftsführer Sport, aber natürlich nach wie vor als hoch geschätztes Mitglied der Bayer 04-Familie. Denn das wird er immer bleiben. Auch ohne offizielles Amt im Klub, dem er sich seit über drei Jahrzehnten tief verbunden fühlt. Eine Ewigkeit im Fußball.
Rudi Völler

Und wie gut, dass sich die Befürchtung von Freiburgs ehemaligem Trainer Christian Streich nicht bewahrheitet hat. „Es gibt sicherlich niemanden in Fußball-Deutschland, der Rudi Völler nicht vermissen wird“, sagte der inzwischen pensionierte Coach anlässlich der offiziellen Verabschiedung Völlers, die im Rahmen des letzten Saisonspiels gegen den SC Freiburg im Mai 2022 in der BayArena stattgefunden hatte.

Eine Entscheidung aus dem Bauch heraus

Nun, vermissen muss man Völler schon deshalb nicht, weil er als Sportdirektor des DFB weiterhin eine prägende Rolle im deutschen Fußball spielt. Mit seinem Rückzug aus dem operativen Geschäft bei Bayer 04 endete nur ein – wenn auch langes – Kapitel seiner einzigartigen Karriere. Ein kurzer Rückblick darauf muss an dieser Stelle erlaubt sein. Denn dass der Weltmeister von 1990 und einer der populärsten Fußballer des Landes seine aktive Laufbahn ausgerechnet in Leverkusen ausklingen lassen würde, galt mindestens als Überraschung. Unter anderem auch Frankfurt und Köln waren 1994 an ihm dran. Aber der in Hanau geborene und fußballerisch bei Kickers Offenbach groß gewordene Völler entschied sich für Bayer 04.

Rudi Völler im Jahr 1995

„Ich hatte das Gefühl, dass das Graue-Maus-Image dabei war, zu verschwinden und dass die Verantwortlichen etwas dafür taten, um da rauszukommen. Am Ende habe ich mich wieder aus dem Bauch heraus entschieden.“ So erklärte der Weltstar, der 1993 als erster Deutscher mit Olympique Marseille die Champions League gewonnen hatte, seinen Wechsel unters Bayer-Kreuz. Er hat ihn nie bereut.

Mann für alle Fälle

Allerdings sollte er schon bald eine heikle Phase in Leverkusen durchleben. Zwei Jahre spielte der damals 34-Jährige noch für die Werkself, brachte es in 62 Partien auf 26 Tore. Aber fast wäre einer der größten deutschen Fußballer in seiner letzten Saison noch abgestiegen. „Das konnte der Fußball-Gott einfach nicht zulassen“, sagte Peter Hermann einmal, der in der entscheidenden Saisonphase die Verantwortung als Bayer 04-Trainer hatte. Mit dem 1:1 gegen Kaiserslautern sprang man dem Abstieg im letzten Moment von der Schippe. Völler konnte erleichtert seinen Abschied als Spieler feiern. Und in Leverkusen seine Karriere nach der Karriere starten. Erst als Sportdirektor, später als Geschäftsführer Sport und für kurze Zeit als Mitglied des Gesellschafterausschusses und Klubbotschafter. Zwischendurch auch gerne mal als Interimstrainer, wenn Not am Mann war. Was hin und wieder vorkam.

Reiner Calmund und Rudi Völler im Jahr 1998
Rudi Völler (r.) als Sportdirektor mit Manager Reiner Calmund im Jahr 1998

Was wäre Bayer 04 ohne Rudi Völler? Eine hypothetische Frage, schon klar, auf die es keine Antwort geben kann. Fest steht, dass sich der Fußballer Völler mit seinen Toren und Finten, mit seiner Art zu kicken und zu kämpfen gleich in die Herzen der Bayer 04-Fans gespielt hat. Er traf sofort in seinem ersten Spiel für Schwarz-Rot gegen Eintracht Frankfurt, kurz nach seiner Einwechslung. „Das ganze Stadion erhob sich und applaudierte. Ein Gänsehautmoment“, erinnert sich Peter Hermann. Rudi Völler eroberte Bayer 04 im Sturm. Der Klub profitierte schon allein von der Strahlkraft seines Namens. Und nach Beendigung seiner aktiven Karriere auch von seinem großen Fußball-Sachverstand, seiner Menschenkenntnis und seinem Gespür fürs richtige Personal. Bereits bei der Verpflichtung von Christoph Daum 1996 hatte das Wort von Völler Gewicht, der gerade erst als Sportdirektor bei Bayer 04 begonnen hatte. „Ohne seine Unterstützung in dieser Frage wäre es für mich schwierig geworden, die Personalie Daum im Klub durchzusetzen“, hob der damalige Manager Reiner Calmund den Einfluss Völlers auf diese bedeutende Weichenstellung hervor.

„Ein Vertreter des wahren Fußballs“

Wie viele hochbegabte Fußballer aus dem In- und Ausland später unters Bayer-Kreuz wechselten, auch weil der rund um den Globus verehrte Rudi Völler im Management des Werksklubs arbeitete, ist nicht bekannt. Dass seine Anziehungskraft, seine Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit bei allen Transfers eine große Rolle spielten, steht außer Frage. „Rudi war als internationale Spieler-Legende für uns Gold wert und half dabei, Jungs wie Emerson, Zé Roberto, Michael Ballack und Bernd Schneider von einem Wechsel zu Bayer 04 zu überzeugen“, sagt Calmund. „Darüber hinaus schob er im Laufe der Jahre immer wieder Neuerungen an, die aktuelle hervorragende Infrastruktur des Klubs im sportlichen Bereich ist in erster Linie auch sein Lebenswerk.“

Die aktuelle hervorragende Infrastruktur im sportlichen Bereich ist in erster Linie auch sein LebenswerkReiner Calmund über Rudi Völler und Bayer 04

Wenn’s um den Fußball geht, gibt es kaum jemanden, der diesen Sport in all seinen Facetten besser versteht als Rudi Völler. Sein ehemaliger Nationalmannschaftskollege Karl-Heinz Rummenigge weiß auch aus seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München: „Wenn wir gemeinsam für die Interessen unserer Klubs gekämpft haben, war Rudi stets ein Vertreter des wahren Fußballs, während bei anderen Vereinen immer mehr Finanzleute integriert wurden. Er ist pro Fußball und nicht immer nur pro Finanzen oder pro Marketing, er weiß genau, war für unseren Sport schädlich ist.“

Die Nationalmannschaft als Herzensangelegenheit

Und weil er im Umkehrschluss eben auch genau weiß, was gut für den Fußball ist, war Rudi Völler immer wieder als Trainer und Teamchef gefragt. Als der deutsche Fußball nach der EM 2000 am Boden lag, übernahm er, wenn auch ursprünglich nur in zeitlich befristeter Vertretung für Christoph Daum, die Nationalmannschaft. Völler selbst hatte von 1982 bis 1994 insgesamt 90 Länderspiele für Deutschland bestritten und war 1990 in Italien Weltmeister, 1986 in Mexiko Vizeweltmeister und 1992 in Schweden Vizeeuropameister geworden. Zehn Jahre später führte er die Nationalelf als Teamchef zur WM 2002 in Japan und Südkorea und dort bis ins Finale gegen Brasilien. Deutschland wurde völlig unerwartet Vizeweltmeister.

Als sich der DFB im September 2023 von Hansi Flick als Nationaltrainer trennte, sprang erneut der ein halbes Jahr zuvor zum Sportdirektor ernannte Rudi Völler ein. Wieder einmal stand es nicht gut um den deutschen Fußball. Und wieder einmal sorgte der Interimscoach für den Stimmungsumschwung. „Völler da, Krise gestoppt: DFB-Team feiert die Wende gegen Frankreich“, titelte sportschau.de nach dem 2:1-Sieg gegen die Équipe tricolore. Nach dem erfolgreichen Neustart kümmerte sich Völler um die Neu-Besetzung des Cheftrainer-Postens. Und bewies auch dabei eine glückliche Hand. Unter Julian Nagelsmann gewann die DFB-Auswahl bei der EM 2024 im eigenen Land mit erfrischendem Fußball viele Sympathien zurück.

Rudi Völler im Jahr 2025

Da lag es nahe, dass der DFB den Vertrag mit Sportdirektor Rudi Völler vor vier Tagen vorzeitig um zwei Jahre bis 2028 verlängert hat. Er wird also auch bei den nächsten großen Turnieren, der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sowie der EM 2028 in Großbritannien und Irland an Bord sein. Eine sehr gute Nachricht für den deutschen Fußball. Die Nationalmannschaft und ihr gesamtes Team beim DFB seien ihm ans Herz gewachsen, sagte Völler nach der Vertragsverlängerung. „Daran haben natürlich die begeisternde Heim-Europameisterschaft, aber vor allem auch die Zusammenarbeit mit Julian Nagelsmann einen entscheidenden Anteil. Ich freue mich sehr darauf, den mit Julian und seinem Team eingeschlagenen Weg bis zur nächsten EM weiterzugehen – den Weg zurück zum sportlichen Erfolg und in die Herzen der Fans in Deutschland. Wir sind bereits ein großes Stück vorangekommen.“

An diesem Sonntag feiert Rudi Völler nun erst einmal seinen 65. Geburtstag im Kreise seiner Familie. Lieber Rudi, Bayer 04 gratuliert aufs Allerherzlichste und wünscht dir für die Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg! Wir sehen uns in der BayArena.

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