Boeder: Leverkusen hat mir den perfekten Weg aufgezeigt

In Essen geboren, beim FC Schalke 04 sechs Jahre in der Knappenschmiede verbracht – und unterm Bayer-Kreuz die entscheidenden Schritte für eine Karriere im Profifußball gemacht. Lukas Boeder, der am heutigen Montag seinen 25. Geburtstag feiert, wechselte im Sommer 2012 in die Nachwuchsabteilung von Bayer 04. Fünf Jahre sollte er fortan nicht nur am Kurtekotten ausgebildet werden.
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Im Interview mit bayer04.de spricht der heutige Innenverteidiger des Drittligisten 1. FC Saarbrücken über die Gründe für den damaligen Schritt zum Werksklub, die Unterstützung von Bayer 04 für Nachwuchsspieler während der Schulzeit sowie seine Zielsetzungen für seine sportliche Zukunft.

Lukas, im Namen von Bayer 04 gratulieren wir dir herzlichst zum 25. Geburtstag! Wie verbringst du den Tag?

Boeder: Danke euch! Wir haben trainingsfrei, daher kann ich den Tag mit meiner Familie verbringen. Sie sind schon am Wochenende gekommen, auch die Familie meiner Freundin ist da. Wir gehen spazieren, essen gemeinsam – alles ganz entspannt.

Blicken wir zurück auf deine sportlichen Anfänge in noch jungen Jahren: Du hast, wie so viele Kinder, früh mit dem Fußballspielen angefangen. Mit neun Jahren hast du dann den Schritt in den Nachwuchsbereich des FC Schalke 04 geschafft. Fortan hast du sechs Jahre in Königsblau gespielt, ehe du 2012 dem Ruf von Bayer 04 gefolgt bist. Wieso fiel deine Entscheidung damals für Leverkusen?

Boeder: Zu der Zeit lief alles über meinen Vater, einen Berater hatte ich natürlich noch nicht. Leverkusen hatte über längere Zeit immer mal wieder angefragt, ob ich mich bei Schalke 04 wohlfühle. Grundsätzlich war das der Fall, aber die schulische Situation hat mir dort nicht wirklich zugesagt. Dann habe ich die ersten Gespräche mit Leverkusen geführt. Sie haben mir den für mich absolut perfekten Weg aufgezeigt, dort konnte ich mein Abitur auf dem Landrat-Lucas-Gymnasium machen.

Wie sah das Team aus, in das du in Leverkusen reingekommen bist?

Boeder: Der schulische Aspekt war zwar ausschlaggebend für den Wechsel. Aber aus sportlicher Sicht war es natürlich kein Rückschritt; Bayer 04 hatte schließlich einen sehr starken 97er-Jahrgang. Zu der Zeit habe ich in der Gastfamilie von Frank Ditgens (heute Pädagogischer Leiter bei Bayer 04, Anm. d. Red.) gewohnt. Diese Lösung anstelle eines Internats war für meine Eltern sehr wichtig. Und rückblickend die ideale Lösung meine Entwicklung.

Mit der U19 von Bayer 04 hast du auch an der UEFA Youth League teilgenommen und dabei unter anderem gegen den FC Barcelona, die AS Roma oder Tottenham Hotspur gespielt. Wie bewertest du diesen Wettbewerb und die Erfahrungen, die die jungen Spieler in diesem machen?

Boeder: Der Wettbewerb war rein sportlich gesehen für uns weniger erfolgreich. Natürlich sind da aber einige Highlight-Spiele gegen die Nachwuchsteams der größten Klubs aus Europa dabei gewesen. Ich persönlich erinnere mich vor allem noch an eine Szene: ein geiles Freistoßtor in St. Petersburg. Für die individuelle sportliche Entwicklung entscheidend waren diese Spiele aus meiner Sicht aber nicht unbedingt. Dafür sind es auch zu wenige. Da hat mir – denke ich – die tägliche Arbeit im Training und in der Liga mehr gebracht.

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In dieser Zeit hast du nicht nur mit der U19 auf dem Platz gestanden, sondern hast parallel dazu auch noch bei den Profis mittrainiert und ganz nebenbei deinen Schulabschluss gemacht. War das die stressigste Zeit in deiner bisherigen Laufbahn?

Boeder: Viele sagen ja immer, dass der Beruf des Fußballprofis nicht so viel Zeitaufwand mit sich bringt. Da kann ich sagen: Zu der Zeit war es definitiv stressig. (lacht) Der Tag hat meistens um 6 Uhr morgens begonnen, und zu Hause war man immer erst am späten Abend. Schule, schnell die Mittagspause und dann direkt zum Training – das war schon viel. Auch wenn es stressig war, war es trotzdem eine super geile Zeit. Man war ständig mit Freunden und Mannschaftskollegen zusammen.

Wie hast du zu der Zeit die Unterstützung durch Bayer 04 wahrgenommen?

Boeder: Ich glaube, die Möglichkeit der Kooperation mit dem Landrat-Lucas-Gymnasium war für mich optimal. Die Voraussetzungen für einen guten Schulabschluss waren dort mehr als gegeben. Da waren viele Menschen am Werk, die den Spielern alles ermöglicht haben und ständig im Austausch mit dem Verein waren, um für die bestmöglichen Voraussetzungen zu sorgen.

Hast du aus deiner Jugendzeit bei Bayer 04 noch Kontakt zu Mitspielern von damals?

Boeder: Ja, vor allem zu Benny Henrichs und Kai Havertz. In meiner Zeit in Halle habe ich mich immer mal mit Benny getroffen (spielt bei RB Leipzig, Anm. d. Red.). Ansonsten tauschen wir uns regelmäßig über Social Media oder über WhatsApp aus. Und wer weiß, vielleicht klappt es ja in der Sommerpause, dass wir uns alle mal wiedertreffen.

Wie nahe warst du damals dran an deinem Profi-Debüt? Du hast unter Roger Schmidt 15-mal im Bundesliga-Kader der Werkself gestanden, dazu je einmal in der Champions League und Europa League sowie im DFB-Pokal.

Boeder: Wahrscheinlich aus eigener Sicht zu nah. (lacht) Nein, Spaß beiseite. Ich würde schon sagen, dass ich das eine oder andere Mal kurz davor war eingewechselt zu werden. Leider wurde die Hoffnung dann irgendwann immer weniger. Ich suche die Gründe dafür aber eher bei mir. Ich war, denke ich, einfach nicht zwingend genug im Training.

Knapp fünf Jahre ist es nun her, dass du Bayer 04 verlassen hast. Wie ging es dann für dich weiter?

Boeder: Ich hatte es mir einfacher vorgestellt, einen neuen Klub für mich zu finden. Am Ende ist es dann Paderborn geworden. Ich war per Leihe dort, konnte in der 3. Liga meine ersten Erfahrungen im Profifußball sammeln. Sportlich wären wir abgestiegen, wenn der Zwangsabstieg von 1860 München nicht gewesen wäre. Als feststand, dass wir in der dritten Liga bleiben, bin ich fest nach Paderborn gewechselt. Das war im Rückblick eine sehr gute Entscheidung.

Was kam danach?

Boeder: Danach war es so ein bisschen Drittliga-Geplänkel. Diese ständigen Wechsel wünsche ich niemandem. Trotzdem habe ich viel Erfahrung in der dritten Liga sammeln können in meinem noch jungen Alter.

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Seit dem Spätsommer stehst du beim 1. FC Saarbrücken unter Vertrag. Würdest du sagen, dass es eine gute Wahl war?

Boeder: Definitiv. Natürlich kamen nach meiner Zeit in Halle einige Angebote aus der Regionalliga rein. Die haben mir aber nicht wirklich zugesagt. Ich habe dann lieber gewartet. Irgendwann kam Saarbrücken auf mich zu, und dann ging alles ganz schnell. Mittlerweile kann ich sagen, dass sich dieser Wechsel definitiv gelohnt hat – für beide Seiten. Ich kam mehr oder weniger aus der Arbeitslosigkeit, habe mich schnell etabliert und zum Stammspieler entwickelt. So konnte ich meinem eigenen Anspruch gerecht werden. Das hat meinem Ego, das jeder Profisportler ein Stück weit benötigt, um erfolgreich zu sein, gutgetan.

Wo soll der Weg für dich persönlich im Fußball noch hingehen?

Boeder: Klar strebt jeder Profisportler nach dem eigenen Optimum. Ich kann definitiv sagen, dass ich sportlich in der 2. Liga ankommen will – und das möglichst schnell und hoffentlich nachhaltig. Am liebsten natürlich immer mit dem Verein, für den man gerade aufläuft. Ein weiteres Ziel von mir ist aber auch, nochmal in der BayArena aufzulaufen. Ob mit Losglück im DFB-Pokal oder durch einen sportlichen Aufstieg, wird man dann sehen. Wichtig ist einfach, jeden Tag so hart es geht für seine Ziele zu arbeiten. Dann kommt alles von ganz alleine.

Verfolgst du die Spiele der Werkself nach wie vor?

Boeder: Ich muss gestehen, dass ich die letzten Jahre nicht so viel Fußball geschaut habe, sondern in meiner freien Zeit eher abgeschaltet und mich anderen Dingen gewidmet habe. In dieser Saison ist das aber wieder etwas anders. Da habe ich viel Bundesliga geschaut, einfach weil der Fußball in der Liga dieses Jahr sehr geil ist. Leverkusen gehört zweifelsfrei zu den Top-Teams. Ob sie es am Ende in die Champions League schaffen, wird vor allem von der Tagesform bei den letzten Spielen abhängen. Der Ansatz, den der Trainer und der Verein verfolgen, ist aber auf jeden Fall sehr vielversprechend.

Die Stationen von Lukas Boeder:

Seit 2021  1. FC Saarbrücken

2020 bis 2021  Hallescher FC

2019 bis 2020  MSV Duisburg

2017 bis 2019  SC Paderborn 07

2015 bis 2017  Bayer 04

2012 bis 2015  Bayer 04 Jugend

2006 bis 2012  FC Schalke 04 Jugend

2003 bis 2006  SV Burgaltendorf Jugend

Bis 2003  SV Kupferdreh Jugend

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