Bellinghausen: Mein Vater spielte oft in der Schwadbud

Es war wahrhaftig kein klassischer Weg, den Axel Bellinghausen bis zu seiner heutigen Tätigkeit als Co-Trainer von Fortuna Düsseldorf beschritten ist. Ein Gespräch mit Friedhelm Funkel im Spätherbst 2017 veränderte die Zukunftsplanung des Bayer 04-Jugendspielers und damaligen Fortuna-Profis gewaltig.
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Axel, ihr gastiert am Sonntag beim Tabellen-Sechsten. In Anbetracht dieser Ausgangslage ist sicher auch die Kämpfermentalität deiner Fortunen gefragt. Diese Einstellung hat in Düsseldorf keiner so verkörpert, wie du zu deiner aktiven Zeit. Wie trägst du dieses Thema bei deiner täglichen Arbeit in die Mannschaft?
Bellinghausen: Zuerst einmal muss ich sagen, dass die Jungs heute alle deutlich besser Fußball spielen können, als ich zu meiner aktiven Zeit. (lacht) Aber natürlich versuche ich, meine Stärken als Spieler jetzt als Co-Trainer mit einzubringen; beispielsweise wenn es darum geht, Emotionen zu wecken. Wir als Trainer können den Jungs ein bisschen unter die Arme greifen, aber sie gehen ihren eigenen Weg. Genau wie ich ihn damals gegangen bin. Und wenn am Ende alle Spieler zu elf Bellinghausens mutieren, wäre das ja auch nicht gut. (lacht)

Deine Trainerfunktion ergab sich eher zufällig statt geplant: Im Herbst 2017 lockte der FC Bayern München auf Wunsch von Jupp Heynckes Düsseldorfs damaligen Co-Trainer Peter Hermann an die Säbener Straße. Und dann kamst plötzlich du ins Spiel…
Bellinghausen: Und das für mich völlig überraschend. Ich hatte zu der Zeit einige Spiele für die U23 absolviert und Friedhelm Funkel gesagt, dass der Zweiten Mannschaft auch im täglichen Training ein Führungsspieler guttun würde. Also bin ich mit der Erwartung in das damalige Gespräch gegangen, dass ich künftig dauerhaft dort trainieren werde. Aber es kam anders: „Das, was jetzt kommt, wird dich vielleicht überraschen“, hat Friedhelm gesagt. Und ja, das hat es dann auch…

Plötzlich solltest du neben Thomas Kleine zweiter Co-Trainer der Fortuna-Profis werden. Wie war das für dich als noch aktiver Spieler?
Bellinghausen: Ich war in dem Moment einfach sehr perplex. Aber dieses Gefühl hat sich dann sehr schnell in eine große Freude umgewandelt, vor allem über das mir entgegengebrachte Vertrauen. Als dann Klarheit über meine Rolle herrschte, war mir erst bewusst, was das Ganze für mich bedeutete.

Es bedeutete dein sofortiges Karriereende als Spieler…
Bellinghausen: Genau. Aber das war dann etwas, womit ich sehr gut leben konnte. Denn für mich ist einer meiner größten Wünsche in Erfüllung gegangen: selbst bestimmen zu können, wann Schluss ist mit meiner aktiven Karriere.

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Axel Bellinghausen wagte im Herbst 2017 den direkten Schritt vom Profi zum Co-Trainer.

Für dich wurde es von nun an aber auch ernst.
Bellinghausen: Ich habe zu meiner aktiven Zeit die Dinge wie Zukunftsplanung vor mir hergeschoben. Ich wusste, dass es den Fußballlehrer gibt. Aber der Weg dorthin war mir nicht bekannt. Der Blickwinkel auf die Trainerausbildung hat sich dann schlagartig verändert. Es war spannend, wieder lernen zu müssen. Die Schulzeit liegt ja schließlich schon ein paar Jahre zurück. Da habe ich mir dann schon gesagt: Junge, jetzt straff dich mal.

Ist der Fußballlehrer eines deiner Ziele für die berufliche Zukunft?
Bellinghausen: Ich werde in diesem Jahr als nächstes die A-Lizenz angehen. Das Thema Fußballlehrer habe ich aktuell nicht vor Augen. Aber vor drei Jahren war mein Ziel ja auch nicht der Posten des Co-Trainers. (lacht) Ich habe noch viel zu lernen. Schritt für Schritt die Dinge anzugehen, ist in meinen Augen genau die richtige Devise.

Dennoch konntest du mittlerweile schon einige Erfahrungen sammeln und gehst als Co-Trainer in deine sechste Halbserie. Wie erlebst du deinen Job heute?
Bellinghausen: Ich bin weit davon entfernt, dass meine Arbeit für mich „alltäglich“ oder „normal“ ist. Dafür bin ich noch zu frisch dabei. Ich bin sehr dankbar für das ehrliche Feedback von beiden Seiten: aus der Trainerkabine und von den Jungs. Das ist enorm wichtig und hilft mir dabei, mich als Trainer weiterzuentwickeln.

Wie funktioniert das „Dreieck“ Funkel/Kleine/Bellinghausen?
Bellinghausen: Das ist schnell erklärt: Friedhelm geht vorneweg, er hat dieses Funktionsteam zusammengestellt. Es ist ein großer Vertrauensbeweis, dass ich dabei sein darf. Zudem sind die beiden meine Bezugspersonen. Ich bin ganz ehrlich: Von ihnen „klaue“ ich täglich – mit meinen Ohren und Augen.

Bei dir gab es aber auch ein fußballerisches Kapitel vor der Fortuna. Bis du 15 Jahre alt warst, liefst du nämlich unterm Bayer-Kreuz auf. Welche Verbindung hast du persönlich noch zu Bayer 04?
Bellinghausen: Vor einiger Zeit hat die Traditionsmannschaft von Bayer 04 in meinem Wohnort beim SC Unterbach gespielt (1. Runde des deutschen Ü40-Pokals im Dezember 2018, Anm. d. Red.). Der Sportplatz ist fünf Minuten entfernt, das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Es war schön, alte Weggefährten wie Dirk Dreher wiederzutreffen. Sein jüngerer Bruder Axel hat mich früher mal trainiert. Allgemein habe ich noch viele Erinnerungen an die Zeit bei Bayer 04. Maria und Bernd Dreher haben die Schwadbud geleitet, da hat mein Vater immer gerne Skat gespielt…

Als du dann Anfang 20 warst und bei der Fortuna in den Herrenbereich aufgerückt bist, hat Bayer 04 unter anderem das Champions-League-Finale erreicht. Wie hast du als Rheinländer diese erfolgreiche Zeit der Werkself erlebt?
Bellinghausen: Bei mir ist es grundsätzlich so, dass ich international immer den deutschen Mannschaften die Daumen drücke. Da ist es völlig irrelevant, ob ich einen Bezug zu dem Verein habe. Das ist auch heute noch so. Von daher habe ich mich über den bitteren Ausgang natürlich sehr geärgert.

Zum Abschluss noch einmal der Blick auf das Spiel am Sonntag: Was für ein Duell erwartest du aus Trainersicht?
Bellinghausen: Ich lehne mich – glaube ich – nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass die Rollen relativ deutlich verteilt sind. Es wird ein Spiel, in dem für uns sehr viel passen muss. Wir müssen an unsere Leistungsgrenze und wenn möglich darüber hinaus gehen. Wir treffen auf eine wahnsinnig spielstarke Truppe, das haben sie jetzt in Paderborn wieder unter Beweis gestellt. Dem müssen wir uns mit allem was wir haben stellen.

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