
Schon bei der Begrüßung und dem Get-together im Lindner Hotel nahmen die Umarmungen überhaupt kein Ende mehr. Es war ein einziges Drücken, Herzen und Bützen, als die Bayer 04-Aufstiegshelden von 1979 und ihre Frauen und Partnerinnen das Wiedersehen aus Anlass der „40 Jahre Bundesliga“ unter dem Bayer-Kreuz feierten. Welch' immensen Stellenwert das Team der ersten Stunde unter den Werkself-Fans auch heute noch genießt, wurde kurz darauf deutlich, als der „Tag der Aufsteiger“ in der 19nullvier-Lounge der BayArena offiziell angepfiffen wurde: 380 Anhänger ließen es sich nicht nehmen, den Helden von damals ihre Ehre zu erweisen – Ausverkauft!
Dirk Dreher, der die Veranstaltung gemeinsam mit Rüdiger Vollborn mit viel Energie und Herzblut organisiert hatte, gab bei seiner internen Ansprache an die Mannschaft die Richtung für diesen Abend vor: locker und launig. „Da drüben liegen eure Autogrammkarten. Erschreckt euch nicht, wenn ihr die Bilder seht. Das seid wirklich ihr auf den Fotos“, sagte der Manager der Bayer 04-Traditionsmannschaft mit schmunzelndem Kommentar in Bezug auf die Actionszenen der Spieler, die eben alle mittlerweile vier Jahrzehnte mehr auf dem Buckel haben. Kaum nötig zu erwähnen, dass die Unterschriften der Kremers, Kentschkes, Klimkes und Korths wie Bockholts, Brückens und Bruckmanns am Ende der fast dreistündigen, kurzweiligen Veranstaltung reißenden Absatz fanden – ob auf den Autogrammkarten oder den mitgebrachten Trikots der Fans.








Auch aktuelle Bayer 04-Protagonisten begrüßten die Leverkusener Bundesliga-Pioniere: Fernando Carro, Vorsitzender der Geschäftsführung, verfolgte den geschichtsträchtigen Abend ebenso interessiert und intensiv wie Rudi Völler oder Stefan Kießling. Carro und Völler bildeten das erste Gesprächsdoppel auf der Bühne mit Moderator Tobias Ufer, und der Geschäftsführer Sport von Bayer 04 flocht den Helden früherer Tage schon einmal verdiente Kränze. „Heute reden ja viele mit Recht von den Motivationskünstlern unter den Trainern wie Jürgen Klopp“, sagte Völler. „Aber du Willibert, du warst schon 1979 ein großer Einpeitscher.“ Kremer, der in diesem Jahr im Oktober 80 wird, hatte den jungen Rudi Völler einst 1982 kurze Zeit bei 1860 München als Coach unter seinen Fittichen.
Als Willibert Kremer anschließend mit Co-Trainer Gerd Kentschke und Manager Heinz Heitmann aufs Podium gebeten wurden, erhob sich das geneigte Publikum beinahe kollektiv von den Sitzen und spendierte eine Standing Ovation, was die drei Herren sichtlich bewegt und mit Freude aufnahmen. „Wir waren damals einfach eine Mannschaft, wo einer für den anderen auf dem Platz da war“, sagte Kremer. Erfolgsrezepte können mitunter einfach sein – und doch so wirkungsvoll!
Bewegende Worte auf der Bühne fand auch Willi Korth. Der Abwehrspieler, vor der Aufstiegssaison 1978/79 von Schwarz-Weiß Essen zu Bayer 04 gekommen und eher das, was man heute gemeinhin einen Ergänzungsspieler nennt, rührte das Publikum mit seiner persönlichen Einordnung des Abends. „Ich habe nicht mehr so den engen Kontakt zu der Truppe, und die meisten der Jungs habe ich sicher 30 Jahre oder länger nicht mehr gesehen. Aber eins kann ich heute mit Überzeugung sagen: Diese Einladung, hier in diesem Kreis, ist für mich ein Highlight in meinem Leben.“
Es würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, all die Anekdoten und Zoten, Späße und Sprüche wiederzugeben, die die jung gebliebenen Routiniers unters Publikum streuten. Unangefochtener Spitzenreiter in dieser Disziplin war natürlich der Special Guest des Abends: Reiner Calmund begeisterte das Publikum mit internen Dönekes aus der Vereinsgeschichte – und sorgte mit seiner sprudelnden Mitteilsamkeit wie üblich für brüllende Lacher und Schenkelklopfer.
Aber auch andere eher als ruhig bekannte Zeitgenossen hatten immer mal wieder einen flotten Spruch auf Lager. Peter „Pitschi“ Klimke, ein auf dem Platz eher humorloser Außenverteidiger, brachte ein weiteres Erfolgsrezept der 79er-Truppe auf den Punkt: „Unser Engagement im Spiel war immer top, aber danach beim Feiern der Siege auch.“
Aufgelockert wurden die Gesprächsrunden auf der Bühne immer wieder durch filmische Einspieler der Aufstiegssaison – TV-Aufzeichnungen der Spiele in Wattenscheid und Wuppertal, gegen Münster, Essen und Uerdingen sorgten für Staunen und Raunen im Publikum. Ob Platzverhältnisse oder Emotionsfähigkeit der Original-Fernsehkommentatoren – da merkte ein jeder, dass sich doch mächtig was gewandelt hat in den vergangenen vier Dekaden.
Fast alle der 1979er-Aufstiegshelden hatten sich an diesem Abend eingefunden, einige wenige wurden schmerzlich vermisst. Peter Hermann, aktueller Co-Trainer der Bayern, musste aus sportlichen Gründen passen, Dieter Herzog und Klaus Meul fehlten aus familiären Gründen, Peter Szech ist verstorben, Hubert Makel schwer erkrankt. Torwart-Legende Fred Bockholt fand rührende Worte an und für seinen damaligen Stellvertreter. „Ich möchte mal kurz ernsthaft werden“, sagte „Fredi“ ins Mikrofon. „Es gab damals einen zweiten Torhüter bei uns, der hatte auch unglaublich viel Qualität, aber war mental vielleicht nicht ganz so stark wie ich. Hubert Makel, schade, dass du heute nicht bei uns sein kannst. Alles Gute und ganz viel Glück.“
Es waren bei aller Freude und Vergnügtheit auch leise Momente wie diese, die den „Tag der Aufsteiger“ ganz besonders machten. Und sie zeigten eines an diesem Abend ganz deutlich: Diese Truppe voller Tradition lebt ihre verschworene Gemeinschaft auch heute noch mit aller Verbundenheit und Empathie!
Diese Aufstiegshelden waren am Freitag vor Ort: Fred Bockholt, Matthias Brücken, Klaus Bruckmann, Jürgen Gelsdorf, Harry Gniech, Heinz Heitmann, Thomas Hörster, Gerd Kentschke, Peter Klimke, Willi Korth, Willibert Kremer, Walter Posner, Hans-Jürgen Scheinert, Klaus Schulze, Dieter Trzolek und Norbert Ziegler.






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