Markus Daun – Späte Rückkehr zum Herzensklub

Einst wurde er bei Bayer 04 zum Profi ausgebildet, seit diesem Sommer trainiert Markus Daun selbst die U15 am Kurtekotten. Über einen, dessen geplante Rückkehr sich um 18 Jahre verzögert hat – und sein Team mit dem besonderen Charakter.
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An diesen Tag im Januar 2002 erinnert sich Markus Daun noch heute sehr gut. Während der Winterpause der legendären Triple-Vize-Saison der Werkself wird das damals 21 Jahre alte Stürmertalent bis zum Saisonende an Alemannia Aachen verliehen. Eigentlich nur ein vorübergehender Abschied. Aber kein leichter. „Das war für mich ein ganz schwieriger Schritt“, sagt er heute. „Leverkusen war einfach ganz tief in meinem Herzen drin.“ Bevor er die BayArena verlässt, verliert er noch ein paar Worte, es wird emotional. Der Tenor: Ich bin hier noch nicht fertig. In fünf Monaten bin ich wieder da.

Aus fünf Monaten wurden achtzehneinhalb Jahre.

Achtzehneinhalb Jahre, in denen Daun mit Werder Bremen Deutscher Meister und Pokalsieger wurde, später für Nürnberg, Duisburg und wieder Aachen spielte und wegen einer schweren Knieverletzung im Alter von nur 30 Jahren seine Profikarriere beenden musste. In denen er beim 1. FC Köln als Jugendtrainer einstieg, die zweite Mannschaft coachte und zeitweise auch als Assistent bei den Profis arbeitete.

„Bayer 04 war schon immer anders“

Nun hat sich ein Kreis geschlossen. Mit 15 Jahren wechselte Daun einst in die Jugendabteilung von Bayer 04. Jetzt trainiert er die U15. Seit Juli, eben achtzehneinhalb Jahre nach dem Abschied „für fünf Monate“. Eine ziemlich lange Zeit, in der sich viel verändert hat. Sollte man denken. „Es ist letztendlich noch so vieles gleich geblieben“, sagt Daun – und meint das alles andere als despektierlich. Ganz im Gegenteil. „Das ist absolut beeindruckend und spricht für den Verein. Bayer 04 war schon immer anders, auch als ich Jugendspieler war“, erzählt er.

Wie Thomas Hörster ihn bei Verletzungen bei sich übernachten ließ und ihn am nächsten Tag ins Krankenhaus fuhr, das hat sich eingebrannt bei Daun. Oder, dass Bayer 04 einst Juniorenspieler vor Turnieren mit der DFB-Auswahl auf Vereinskosten in den Urlaub schickte, damit sie den Kopf frei bekommen konnten. „Was für eine überragende Idee“, so Daun.

„Diese Kreativität, dieses Anderssein, das ist bis heute geblieben“, denkt er sich jetzt, mit 40. „Hier war noch nie Einheitsbrei, es war immer besonders.“ Und Daun freut sich, jetzt Teil dieses besonderen Ganzen zu sein, schließlich will auch er als Trainer „mal den Rahmen sprengen“. Daun und seine alte Liebe – es passt auf Anhieb wieder perfekt.

Trotz rotierender Gehirne: Dauns U15 liegt auf Kurs

Dass er Simon Rolfes noch aus gemeinsamen Bremer Zeiten kennt, hat die Eingewöhnung noch einfacher gemacht. Auch wenn natürlich nicht alles genau so ist wie zu seinen Jugendzeiten unterm Bayer-Kreuz. „Ich hätte nichts dagegen gehabt, damals schon auf Rasenplätzen mit Wembley-Charakter zu spielen – wie die Jungs heute“, lacht Daun und erinnert sich an Schürfwunden, die nach Spielen auf Ascheplätzen unter der Dusche „so richtig gezwiebelt“ haben. Zudem sei der Juniorenfußball heute physischer, das Spieltempo höher.

Seit seinem Amtsantritt war Daun gemeinsam mit Erdal Celik als Trainer der U15 aber auch im psychologischen Bereich gefragt. Nach vielen personellen Veränderungen im Sommer verlief der Saisonstart eher durchwachsen, die Ergebnisse stimmten nicht immer. „Bei den Jungs fingen die Gehirne an zu rotieren“, berichtet Daun. „Unsere Aufgabe war es, geduldig zu sein und den Jungs zu zeigen, dass wir für sie da sind.“

Das scheint funktioniert zu haben. Zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs Ende Oktober steht das Team auf Platz drei der Regionalliga West und befindet sich in Schlagdistanz zum Spitzenduo Köln und Mönchengladbach. „Wir sind zu einer Mannschaft geworden, die gegen jedes Team eine Chance hat“, stellt Daun fest.

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Training im Jugendzimmer – aber mit Werkself-Wimpel

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr: „Die Jungs haben sich das durch harte Arbeit erkämpft.“ Der Charakter der Mannschaft sei eben besonders. „Das ist eine Truppe, die einen unglaublichen Willen hat, zu trainieren“, lobt Daun sein Team.

Das lässt sich wohl in kaum einer Phase besser feststellen als aktuell. Seit Anfang November können Daun und Celik ihr Team aufgrund der Corona-Vorgaben nur noch online zusammentrommeln. Neben einem Laufplan für die Kondition werden via Zoom vier Einheiten pro Woche abgehalten. 60 bis 80 Minuten arbeiten die Talente an Kraft und Technik – im Garten, auf dem Balkon, im Jugendzimmer. „Viele haben sich einen Vereinswimpel in den Hintergrund gehängt“, freut sich Daun. Und: „Die Jungs ziehen sich auch zu Hause immer Bayer 04-Klamotten an fürs Training. Das finde ich überragend.“ Die Mikrofone sind dabei immer auf. „So haben wir die Jungs gegenseitig im Austausch und simulieren die Kabinengespräche“, erklärt der ehemalige U-21-Nationalspieler. „Die Jungs pushen sich gegenseitig, sie freuen sich trotz der schwierigen Situation auf jede Einheit. Sie wollen das unbedingt. Das zeichnet diese Truppe aus.“

Corona-Phase: eine Gelegenheit zu lernen

Auch für Daun, der mittlerweile schon seit über acht Jahren als Trainer arbeitet, ist die Corona-Phase eine Gelegenheit zu lernen. „Man muss erstmal schauen, alle unter einen Hut zu bekommen“, berichtet er. „Nicht jeder kann von Null auf Hundert in einem Online-Training mitmachen. Wir bilden uns dadurch auch weiter.“

Chance, aber eben auch Herausforderung: „Unser Anspruch muss immer sein, den Jungs in der Situation das Beste anzubieten.“ Und dafür ist Daun froh, jetzt zurück bei seinem Herzensverein zu sein. Denn: „Das machen wir bei Bayer 04 in einer Art und Weise, die ihresgleichen sucht.“ Ganz besonders eben.

 

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