
Turid, 2009 standest du beim bislang einzigen Spiel der der Bayer 04-Frauen in der BayArena als Protagonistin auf dem Feld. Wie hast du die Partie damals erlebt?
Knaak: Für mich war es das erste Spiel in einem großen Stadion. Das ist etwas ganz Besonderes, das man nicht vergisst, zumal das zu einer Zeit war, in der es noch nicht üblich war, dass die Frauen-Teams in den großen Stadien spielen. Ich habe die Aktion von Bayer 04 damals als sehr wertschätzend empfunden. Auch wenn wir als klare Favoritinnen in die Partie gegangen sind, waren wir trotzdem etwas nervös, weil wir die Kulisse nicht kannten. Ich erinnere mich noch daran, wie ich auf der Außenbahn stand und den Unterrang der Gegentribüne voller Fans wahrgenommen habe, die haben ordentlich Stimmung gemacht. Nach dem Abpfiff haben die Fans die Mannschaft trotz der Niederlage mit Megafon und Humba gefeiert. Das war für die damaligen Verhältnisse schon eine gute Kulisse und ist bei mir noch immer sehr präsent. Ich fand es super, was der Verein schon da für den Frauenfußball getan hat, das hat bei mir einen guten Eindruck hinterlassen.
Eineinhalb Jahre später ging es für dich nach Leverkusen, wo du schließlich bis 2017 gespielt hat. Mit welchen Erinnerungen blickst du auf deine Zeit bei Bayer 04 zurück?
Knaak: Es war für mich eine extrem wertvolle Zeit. Ich konnte mich in einer sehr guten Umgebung gut weiterentwickeln. Wir hatten Zugriff auf viele Infrastrukturen der Lizenz-Mannschaft wie zum Beispiel die Werkstatt. Teilweise haben wir sogar in der BayArena trainiert und hatten anschließend auch am Leistungszentrum Kurtekotten Top-Bedingungen. Wir haben zwar meist gegen den Abstieg gespielt, hatten aber schon eine sehr talentierte junge Mannschaft beisammen. Etliche dieser Spielerinnen sind später Nationalspielerinnen geworden.




Wie verfolgst du seitdem die Entwicklung der Bayer 04-Frauen?
Knaak: Ich verfolge das Geschehen nicht zuletzt in meiner Rolle als TV-Expertin natürlich intensiv, außerdem hängt mein Herz durch die lange Vergangenheit noch immer am Verein. Dadurch schaut man umso genauer hin, was dort passiert. Man merkt, dass die Abteilung in den vergangenen Jahren immer professioneller aufgestellt ist. Mittlerweile sind alle Spielerinnen Profis. Früher haben wir oft gegen den Abstieg gespielt, inzwischen ist Leverkusen ein etablierter Klub mit Ambitionen, an der Spitzengruppe anzuklopfen. Die Entwicklung wirkt auf mich sehr konstant.
Wie beurteilst du die Entscheidung des Klubs, das Viertelfinale der Frauen in der BayArena auszutragen?
Knaak: Im europäischen Ausland, gerade in England, sieht man, dass solche Spiele viel Potenzial mit sich bringen, Menschen vom Frauenfußball zu überzeugen, die sich die Spiele an einem normalen Wochenende nicht anschauen. Diese Leute können schnell zu neuen Fans werden. Deshalb finde ich den Schritt von Bayer 04 wichtig, das ist ein tolles Zeichen.
Welche Tipps kannst du den Spielerinnen geben, damit sie sich trotz der ungewohnten Umstände voll auf die Partie fokussieren können?
Knaak: Es ist wichtig, sich von der Kulisse nicht nervös machen zu lassen. Man muss sehr darauf achten, trotz der anderen Rahmenbedingungen bei sich zu bleiben und sich nicht verrückt machen zu lassen. Gleichzeitig ist es wichtig, sein Spiel durchzuziehen und den Abend einfach zu genießen. Die Leute sind für die Spielerinnen im Stadion und die können zeigen, was sie drauf haben. Meine Erfahrung ist auch, dass das ganze Drumherum ausgeblendet wird, sobald die Partie beginnt. Dann ist es einfach ein Fußballspiel.
Was für ein Spiel erwartest du auf dem Platz und außerhalb?
Knaak: Ich erwarte ein Spiel mit offenem Visier beider Teams. Beide stehen für guten Offensivfußball, es könnte ordentlich hin und her gehen und viele Torchancen geben. Essen ist sehr gut drauf und hat gegen Bayern München ein tolles Spiel gezeigt. Ich denke, es wird für die Zuschauer sehr ansehnlich und hoffe, dass viele vorbeischauen. Die Stimmung in Leverkusen ist ohnehin sehr positiv, deshalb wäre es schön, wenn einige Fans diesen Schwung mitnehmen und auch die Frauen unterstützen. Die Mädels brauchen diese Unterstützung, zumal Essen sicher mit einigen Fans kommen wird.
Wie intensiv sind deine Kontakte zu früheren Leverkusener Weggefährtinnen noch?
Knaak: Einige der damaligen Weggefährtinnen zählen bis heute zu meinen engsten Freundinnen. Leverkusen war die längste Station meiner Profi-Karriere, natürlich wachsen da intensive Bindungen, die ein Leben lang halten können. Aus der heutigen Truppe ist Melissa Friedrich die Einzige, mit der ich noch zusammengespielt habe, aber auch das ist schon eine ganze Weile her (lacht).

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