
„Ich bin total stolz auf meine Mannschaft. Wir können mit erhobenem Haupt vom Platz gehen, haben ein Spiel auf Augenhöhe gezeigt. Am Ende hat das Quäntchen Glück gefehlt“, sagte Achim Feifel nach dem Abpfiff des Pokalkrimis.
Die personelle Situation vor dem Spiel hatte sich für den Chefcoach mal wieder etwas entspannter dargestellt. Dorá Zeller und Milena Nikolić (nach überstandenen Corona-Erkrankungen) gehörten ebenso wieder zum Kader wie Lara Marti, Dina Blagojević und Sylwia Matysik nach ihren Verletzungen. Es fehlten Verena Wieder (Kreuzbandriss), Julia Pollak, Chiara Bücher, Henrike Sahlmann und die rot-gesperrte Lisanne Gräwe. Die Turbinen mussten auf Top-Torjägerin Selina Cerci verzichten, die sich einen Kreuzbandriss zugezogen hatte. Dennoch gingen die Gäste, aktuell Tabellendritter der FLYERALARM Frauen-Bundesliga, als Favorit in die Partie.

Vor toller Kulisse und bei herrlichem Sonnenschein entwickelte sich ein ausgeglichenes Pokalduell, in dem Potsdam zunächst das etwas aktivere Team war. Für die ganz in Blau spielenden Leverkusenerinnen kam Amira Arfaoui zu einem ersten vielversprechenden Abschluss, setzte ihren Schuss aus 16 Metern aber neben das Potsdamer Gehäuse (14.). Eine Minute später verzog Dorá Zeller nach feiner Vorarbeit von Milena Nikolić aus 14 Metern deutlich. Die Gastgeberinnen wurden mit zunehmender Spieldauer immer griffiger, arbeiteten gut gegen den Ball und agierten auch nach vorne mutiger. Die Turbinen hatten zunächst vor allem nach Standardsituationen von den Außenpositionen halbe Möglichkeiten, die nicht wirklich gefährlich waren.
Das Feifel-Team ging beherzt in die Zweikämpfe, machte die Räume eng und ließ die Gäste kaum ins Spielen kommen. Potsdam versuchte es immer wieder mit hohen Bällen in den Strafraum, die die kompakte Bayer-Abwehr aber vor keine Probleme stellte. Als dann allerdings Turbines Maria Plattner nach einem Steilpass in die Spitze plötzlich allein vor Anna Klink aus zwölf Metern zum Abschluss kam, bewahrte die Keeperin der Werkself ihre Mannschaft mit einer klasse Parade vor dem Rückstand (34.). Es war die bis dahin größte Torchance des Spiels.
Zur Halbzeit blieb es beim 0:0. „Wir machen es ganz gut, sind gut drin im Spiel, müssen aber noch etwas besser abschließen“, sagte Thomas Eichin, Leiter des Leistungszentrums bei Bayer 04.
In der zweiten Hälfte änderte sich erst einmal nicht viel am Spielgeschehen. Beide Mannschaften mit viel Einsatz, aber ohne nennenswerte Aktionen in den gefährlichen Zonen. Die Werkself-Frauen blieben hoch konzentriert. Nach einer Stunde nahm Achim Feifel einen Dreifach-Wechsel vor. Für Marti, Pando und Arfaoui kamen Sylwia Matysik, Dina Blagojević und Annika Enderle ins Spiel. Nur sechs Minuten später sollte sich diese Maßnahme auszahlen. Nach einem Foul von Sissoko an Dorá Zeller im Strafraum zeigte die Unparteiische Dr. Riem Hussein auf den Punkt, die eingewechselte Blagojević trat an und verwandelte sicher unten links zum umjubelten 1:0 für Bayer 04 (66.).

Mit der Führung im Rücken spielten die Gastgeberinnen nun sehr clever, verteidigten leidenschaftlich und hielten die Brandenburgerinnen erfolgreich vom eigenen Sechzehner entfernt. Erst in der 82. Minute kam Potsdam mal wieder gefährlich vors Leverkusener Tor. Und weil die eingewechselte Jessica Wich einen Schuss im eigenen Strafraum mit den Händen abblockte, bekamen auch die Gäste einen Elfmeter zugesprochen. Die ehemalige Leverkusenerin Isabel Kerschowski trat an, Anna Klink parierte den wuchtigen Schuss eigentlich stark, aber die Kugel drehte sich mit viel Effet dennoch zum 1:1-Ausgleich ins Tor (83.).
In der Nachspielzeit noch einmal die große Chance für die Gastgeberinnen: Dorá Zeller legte vom Fünfmetereck noch einmal in die Mitte auf Blagojević quer, aber Sissoko ging im letzten Moment dazwischen (90.+2). So mussten die Bayer 04-Frauen zum dritten Mal in dieser Pokalsaison in die Verlängerung.
Das Feifel-Team agierte hier in den ersten 15 Minuten mit deutlich mehr Zug zum Tor als die Gäste, machte den entschlosseneren, frischeren Eindruck, auch wenn die ganz großen Chancen zunächst ausblieben. Auch in der zweiten Hälfte der Verlängerung waren die Werkself-Frauen klar besser und hatten nach tollem Pass von Kristin Kögel durch Milena Nikolić die große Möglichkeit zum 2:1, aber die Serbin scheiterte vom linken Fünfmetereck aus etwas spitzem Winkel an Turbine-Torhüterin Wellmann (107.).
Bei den Gästen schwanden nun sichtbar die Kräfte. Während die Bayer-Frauen nach wie vor ein hohes Laufpensum absolvierten, schienen sich die Turbinen ins Elfmeterschießen retten zu wollen. Erst in den letzten fünf Minuten gestaltete sich die Partie wieder offener. Tore fielen in der Verlängerung aber keine mehr – das Halbfinale musste im Elfmeterschießen entschieden werden. Für Bayer 04 war es das zweite nach dem 7:6 gegen die TSG 1899 Hoffenheim im Achtelfinale.
Noch einmal schwor sich das ganze Team ein, dann ging’s rein in die Entscheidung. Kögel, Zeller und Blagojević trafen sicher für Bayer 04, während Milena Nikolić und Caroline Siems ihre Elfmeter nicht verwandeln konnten. Weil auf Seiten der Potsdamerinnen nur Kössler scheiterte und Kerschowski, Sara Holmgaard, Waldauer und Turbine-Kapitänin Agrez anschließend allesamt trafen, entschieden die Turbinen das Elfmeterschießen mit 4:3 für sich. Der Traum vom Finale für die Werkself-Frauen war nach großem Kampf und starker Leistung geplatzt.
„Es ist einfach bitter und tut verdammt weh“, sagte Juliane Wirtz nach dem Spiel. „Wir waren so nah dran, wir hatten die Chancen. Umso enttäuschender ist die Niederlage.“

Für das Feifel-Team geht es in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga nun am Sonntag, 24. April (Anstoß: 13 Uhr), mit der Partie bei Eintracht Frankfurt weiter.
Die Statistik:
Bayer 04: Klink – Marti (60. Matysik), Turanyi, Friedrich (106. Brüggemann), Siems – Arfaoui (60. Enderle), Wirtz (77. Wich), Kögel, Pando (60. Blagojević) – Zeller, Nikolić
Potsdam: Wellmann – Gerhardt, Barth, Sissoko, Agrez – Orschmann (60. Kerschowski), Weidauer, K. Holmgaard (52. S. Holmgaard), Chmielinski – Plattner (77. Graf), Kössler
Tore: 1:0 Blagojević (66./Foulelfmeter), 1:1 Kerschowski (83.)
Gelbe Karten: Friedrich, Pando, Wich – Gerhardt, Weidauer
Schiedsrichterin: Dr. Riem Hussein (Bad Harzburg)
Zuschauer: 2.000

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