Es ist ein stolzes Jubiläum: 2026 jährt sich der Gründungstag des ersten offiziellen Fanclubs von Bayer 04 zum 50. Mal. Die Pioniere von einst beim „1. Fanclub 1976 Leverkusen“ halten ihre Vereinsliebe immer noch hoch, schwarz-rote Leidenschaft kennt kein Verfallsdatum. Über die Entwicklung der organisierten Fankultur bei Bayer 04 und wo überall im Land und auf der Welt sie gelebt wird.
1976 hat viel zu bieten an besonderen Momenten aus der großen weiten Welt des Sports. „Gold-Rosi“ Mittermaier verzaubert als Doppel-Olympiasiegerin in Abfahrt und Slalom in Innsbruck eine ganze Nation, der Brite James Hunt krönt sich zum Formel 1-Weltmeister, Björn Borg holt seinen ersten von fünf aufeinanderfolgenden Titeln in Wimbledon, Muhammad Ali verteidigt in New York die Box-Weltmeisterschaft im Schwergewicht gegen Ken Norton und Franz Beckenbauer wird zu Europas Fußballer des Jahres gewählt.
Zu der Zeit arbeiten im beschaulichen Leverkusen zwei junge Männer bei Heimspielen der Bayer 04-Fußballer durch die lichten Zuschauerreihen im Ulrich-Haberland-Stadion und fahnden in einer Unterschriftenaktion nach Unterstützern für den Aufbau eines Fanclubs. Gerd Wölwer und Karl-Heinz Groß haben Erfolg mit ihrer Mission: Am 25. November 1976 herrscht bei der offiziellen Gründungsversammlung gewaltiger Andrang im Clubhaus von Bayer 04 – der „1. Fanclub 1976 Leverkusen“ wird ins Leben gerufen, dem wenig später schon mehr als 120 Mitglieder angehören. Es ist die Geburtsstunde der organisierten Fankultur unterm Kreuz.
Dass die Werkself wenige Tage vor diesem bedeutsamen Ereignis im zweiten Jahr ihrer Zweitliga-Zugehörigkeit vor rund 500 Zuschauern 0:1 beim SC Wacker 04 Berlin verloren hatte, sagt viel darüber aus, in welch exklusivem Beobachterzirkel sich das Bayer 04-Team damals noch bewegte – auch bei Auftritten auf eigenem Platz: In jener Saison 1976/77 wurde in der 2. Bundesliga Nord ein Zuschauerschnitt von 3.099 Besuchern in Leverkusen verzeichnet. Erst nach dem Bundesliga-Aufstieg 1979 wurden an der Bismarckstraße regelmäßig fünfstellige Besucherzahlen registriert, wenngleich weiter mit irritierenden Ausschlägen nach unten: Am 13. November 1982 etwa verfolgten wohlwollend 5.000 Unentwegte den 1:0-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg.
Dem Enthusiasmus des 1. Fanclub 1976 tat das überschaubare Interesse eines größeren Publikums aber keinerlei Abbruch, einige Mitglieder machten sich sogar gleichsam selbstständig und hoben eigene Fanclub-Ableger aus der Taufe. So entstanden 1979 die Schwarzen Wölfe, denen der Fanclub Heidgen (die alle noch heute existieren) oder die Steppenwölfe folgten. Andreas „Paffi“ Paffrath, langjähriger Fanbeauftragter bei Bayer 04, hat die Pioniere von damals mal mit den „Roten Funken“ verglichen, dem ältesten Kölner Karnevalscorps: „Aus dem 1. Fanclub 1976 sind alle anderen erwachsen. Und das Thema Fans wurde von dort an von Vereinsseite vorangetrieben. Es gab regelmäßig Treffen mit Vereinsführung und Spielern im Clubhaus und jeder konnte hin. Damals war das aber noch eine ziemlich kleine Pflanze.“
Die freilich schon bald stabile Wachstumsphasen erlebte. „Vor allem nach dem UEFA-Cup-Sieg 1988 gab es einen regelrechten Boom“, sagt Paffrath. Die Zahl derer, die sich organisierten, um gemeinsam ihre Leidenschaft für den Fußball mit dem Kreuz auf der Brust auszuleben, explodierte. Durch die Erfolge in den Jahren darauf kamen immer mehr Fanclubs hinzu, sie gründeten sich auch in Polen, der Schweiz, sogar in Brasilien. Auf dem Höhepunkt der Entwicklung vor knapp 15 Jahren hatte Bayer 04 rund 500 registrierte Fanclubs. Nachdem der Klub die „Fanclub-Dauerkarte“ abschaffte und eine umfassende Reform durchführte, blieben im Jahr 2016 davon noch 200 übrig. „Wir haben einige Karteileichen aussortieren müssen“, sagt Paffrath dazu.

Inzwischen gibt es wieder mehr als 300 offizielle Bayer 04-Fanclubs. Rund 60 Prozent der Fanclubs sitzen in Leverkusen und Umgebung, aber auch weit über die Grenzen des Rheinlands hinweg wird die schwarz-rote Flagge hochgehalten.
Die „Alpenpillen“ aus München beispielsweise halten im tiefsten Süden regelmäßig Stammtische ab und reisen häufig zu den Spielen der Werkself an, ebenso der „Fanclub Berlin-Schöneweide“ aus der Bundeshauptstadt. Doch nicht nur die Metropolen der Republik werden von Bayer 04-Supportern bevölkert: In Niedersachsen brüllen die „Küstenlöwen“ sowie die „Ammerland Löwen“, in Sachsen sind es die „Bayer-Sperken“, in Brandenburg die „Allesfahrer“, in Sachsen-Anhalt die „Parti Darios“ und in Baden-Württemberg der Fanclub „Badisch LEV“, die der Werkself aus der Ferne der Republik die Treue halten. Weltweit gibt es Werkself-Fanclubs in Belgien, den Niederlanden, Österreich, Großbritannien, Russland, den USA, Tansania, China sowie im arabischen Raum.
Lang, lang her die Zeiten, als Fans der Werkself sich noch spontan am Spieltag für einen Stadionbesuch entscheiden konnten. Zuletzt hat Bayer 04 insgesamt 21.400 Dauerkarten an die Frau und den Mann gebracht, auf der Warteliste für ein Saison-Abo in der BayArena haben sich mittlerweile mehr als 10.000 Menschen eingetragen. Auch das Kontingent an Auswärtstickets wird seit einigen Jahren permanent in voller Zahl abgerufen, in den Bayer 04-Mitgliederclubs sind inzwischen mehr als 70.000 Leute vereinigt.
Zahlen, die am 25. November 1976 nicht mal der wildesten Fantasie hätten entspringen können. Und die Gerd Wölwer, Karl-Heinz Groß, Reinhard „Theo“ Theobald und ihre Mitstreiter vom „1. Fanclub 1976 Leverkusen“ an jenem Abend in der rauchgeschwängerten Luft des Bayer 04-Clubhauses doch angestoßen haben. Als Exoten mit dem Kreuz im Herzen – die nicht im Traum daran gedacht hätten, 50 Jahre später Vorreiter einer Massenbewegung zu sein.
Infos zur Gründung eines Bayer 04-Fanclubs:
Ein Bayer 04-Fanclub muss bei Gründung über einen Mitgliedsstamm von mindestens fünf Personen verfügen. Der beantragende Fanclub muss zwei Ansprechpartner benennen, die den Fanclub gegen- über der Bayer 04-Fanbetreuung vertreten. Einschränkungen etwa in Bezug auf das Alter liegen hier nicht vor, die Verwaltung und Organisation liegt ebenfalls in Eigenverantwortung. Die offiziellen Bayer 04-Fanclubs verpflichten sich zum respektvollen Umgang untereinander, sind unpolitisch, nicht gewaltverherrlichend oder fremdenfeindlich. Fanclubnamen dürfen keine Spielernamen beinhalten und sollten im Idealfall einen Bezug zum Klub oder zur Fanszene haben. Der Fanclub muss demokratisch geführt werden, Respekt und Toleranz werden groß geschrieben.