Djan­gos unchai­ned

Unsere Fan­clubs

Wozu Klassenfahrten nicht alles gut sein können... Wir schreiben das Jahr 1996. Helmut Kohl ist noch Bundeskanzler und der Werksklub – Markus Münch sei Dank – doch noch in der Bundesliga. Und irgendwo mitten in Berlin grübeln Bayer 04-begeisterte Schüler einer 10. Klasse des Leverkusener Lise-Meitner-Gymnasiums während einer Kursfahrt über einen passenden Fanclub-Namen. Es herrscht Aufbruchstimmung in der kleinen Gruppe. Christoph Daum steht als neuer Trainer ante portas. „Django“, wirft Andreas Fries zu fortgeschrittener Stunde in den Raum. Der gleichnamige Italowestern mit Franco Nero in der Hauptrolle stammt aus dem Jahr 1966 und ist ein Genre-Klassiker. Die Idee kommt an. Auch bei Silvio Secen und Frank Slegtenhorst. Die beiden Jungs aus Küppersteg sind nicht nur Freunde des gepflegten Westerns, sondern glühende Fans der Werkself und die treibenden Kräfte hinter der Fanclub-Gründung. „Wie wäre es also mit ‚Bayer Djangos‘?“ Gesagt, getan. Das Ding ist in trockenen Tüchern.

Zurück aus Berlin geht’s gleich an die Arbeit. Die ersten Banner entstehen. „Küppersteg on tour“, selbstgenäht, weißer Schriftzug auf schwarz-rotem Stoff. Das Motto wird ernstgenommen. Von Anfang an stehen die Djangos nicht nur im Ulrich-Haberland- Stadion ihren Mann. Sie sind auch regelmäßige Auswärtsfahrer. Ob zu fünft im engen Golf II nach München, im organisierten Reisebus nach Barcelona oder im Flieger nach Zypern – kein Weg zu weit, keine Mühen zu groß.

Treffpunkt für alle Stadionbesuche – ob in Leverkusen oder anderswo – ist ein Büdchen in der Bebelstraße: „Bei Marion“. „Nebenan wohnte damals Calli“, erzählt Frank Slegtenhorst. Dem ehemaligen Bayer 04-Manager schmiss man vor dem Saisonfinale 1999/2000 ein paar Bittbriefe in den Postkasten: Ob man wohl Tickets für Unterhaching erwerben könne? Und so wurden etliche Djangos tatsächlich auf den letzten Drücker noch Zeuge „der größten schwarz-roten Katastrophe aller Zeiten“, wie Frank das vermaledeite Spiel bei der SpVgg nennt.

Von unserer Wohnung aus sah ich aus dem einen Fenster das Flutlich und aus einem anderen das Bayer-KreuzSilvio Secen, eine der treibenden Kräfte hinter der Fanclub-Gründung

Trotzdem sind die Daum-Jahre insgesamt herrlich. Die Mannschaft zeigt begeisternden Fußball, die Stimmung bei Heim- und Auswärtsspielen wird immer besser. Die meisten Mitglieder der Djangos wohnen nur einen Steinwurf vom Haberland-Stadion entfernt. „Von unserer Wohnung aus sah ich aus dem einen Fenster die Flutlichtmasten und aus einem anderen das Bayer-Kreuz“, erzählt Silvio Secen und lacht: „1a-Wohnlage, würde ich sagen.“ Viele von den Djangos kicken selbst freizeitmäßig im Aquila-Park nebenan. Und wenn kein Heimspiel ist, verlagert sich ihr Lebensmittelpunkt am Wochenende eben vorübergehend an den Bökelberg in Mönchengladbach, ins Bremer Weserstadion oder nach Stuttgart-Cannstatt. Werkself-Profis wie Calle Ramelow und später Simon Rolfes schauen regelmäßig bei den alljährlichen Fanclub-Weihnachtsfeiern vorbei. Die Djangos nehmen an Turnieren befreundeter Fanclubs wie „Et kütt wie et kütt“ teil, engagieren sich in der Initiative für den Erhalt des Bayer-Kreuzes und sind online schnell mit Threads auf der Fanseite „werkself.de“ aktiv.

Ramelow und Rolfes bei alljährlicher Fanclub-Weihnachtsfeier

Irgendwann werden aus den „Bayer Djangos“ die „Djangos Leverkusen“. Ihren Treffpunkt vor den Spielen verlegen sie an den „Küppersteger Kiosk bei Costa“ am großen Kreisverkehr. In der BayArena ziehen sie „auf den Balkon im D3“, wie Secen ihren Stadionstammplatz nennt. Sie feiern ihr zehnjähriges Bestehen mit „alle Mann auf Malle“ und ihren Zwanzigsten mit einer Tour ins „glamouröse Wolfsburg“. Werden erwachsen, bekommen Nachwuchs und bleiben trotzdem, was sie immer waren: leidenschaftliche Fans. Private Termine wie Familienfeiern und Urlaube werden wie eh und je nach dem Bayer 04-Spielplan ausgerichtet. Da trifft es sich gut, wenn Fanclub und Familie ohnehin irgendwie eins sind. Wie bei den Secens. Silvios Frau Simone ist mindestens genauso Bayer-verrückt wie ihr Mann. Und ihre beiden Kinder sind auf dem besten Weg dorthin.

Djangos unchained

Mehr als 22.000 Fotos haben die Djangos im Laufe ihrer Geschichte geschossen und digital archiviert. Zu den schönsten zählen die, die Simone für ein klassisches Album mit viel Liebe zum Detail ausgewählt und gestaltet hat. Man könnte es das Meister-Album nennen. Bilder aus der magischen Saison 2023/24. Auf den hinteren Seiten wird viel geweint. Nach dem Bremen-Spiel lassen sie ihren Freudentränen freien Lauf. Auch Silvio und Frank. Große Gefühle, festgehalten mit der Handykamera. Kein bisschen kitschig. Djangos entfesselt, ungehemmt.

In diesem Jahr steht ihr nächstes Jubiläum an. Zum 30. Fanclub-Geburtstag soll es in Leverkusen eine Party geben. Sie werden sich etwas einfallen lassen für eine große Sause – und haben allen Grund, sich selbst ein bisschen zu feiern.