Die Werks­elf War­ri­ors aus New York

Unsere Fan­clubs

Im vergangenen Jahr gründete sich der erste Bayer 04-Fanclub in den USA. Seit Februar 2025 treffen sich die Werkself Warriors regelmäßig in New York City, um sich gemeinsam Spiele ihres Lieblingsklubs anzusehen. Manche sind Amerikaner, andere Deutsche mit Leverkusener Wurzeln. Aber alle eint die Leidenschaft für Bayer 04.

Es hätte wieder ein richtig schöner Samstagmorgen für Alex Kramm werden können: Erst ein kleines Workout, dann zum Einkaufen auf den Wochenmarkt, anschließend mit der Familie frühstücken und schließlich: um 9.30 Uhr Bayer 04 gucken. So kann der Tag beginnen – drüben, in New York City. Die sechs Stunden Zeitunterschied haben für einen Fußballfan ihren Vorteil. Denn es bleibt nach dem Abpfiff noch viel „Quality time“ für die Familie. Hätte die Werkself das Wochenende auch noch mit einem Sieg beim 1. FC Union Berlin eingeläutet, wäre alles perfekt gewesen. Nun ja, hätte, wäre, würde, wenn… Das 0:1 bei den Eisernen drückte im Hause Kramm nur vorübergehend auf die Stimmung.

„Union hat es uns heute richtig schwer gemacht“, sagt Alex, der sich die Übertragung des Spiels in der Alten Försterei diesmal gemeinsam mit seiner Ehefrau Astrid und den drei Töchtern am heimischen Fernseher anschaute. Seit dem vergangenen Jahr kann er seine Leidenschaft für Bayer 04 hin und wieder aber auch in größerer Runde ausleben. Im August 2025 gründeten sich in Manhattan die „Werkself Warriors“ – der erste offizielle Bayer 04-Fanclub in den USA. Im November darauf trafen sich die Gründungsmitglieder anlässlich des Bundesliga-Topspiels gegen den FC Bayern München zu einer Watch Party in der Sports-Bar „Legends“. Eine bunte Truppe aus rund 20 Frauen und Männern – darunter Deutsche, Amerikaner und Argentinier –, die ihre Begeisterung für Schwarz-Rot eint.

Die Trophy Tour als Impulsgeber

„Die Idee zu einem Fanclub ist im Rahmen der Trophy Tour von Bayer 04 im September 2024 entstanden“, erzählt Alex Kramm. Bei einer der zahlreichen Veranstaltungen in New York und im Bundesstaat New Jersey, bei denen Fernando Carro, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bayer 04, und Ehrenspielführer Jens Nowotny unter anderem Meisterschale, DFB-Pokal und Supercup präsentiert hatten, traf Kramm auf Octavio Gil. Der US-Amerikaner war schon seit Jahren vom Spielstil der Werkself angefixt und in der Double-Saison endgültig zu einem Bayer 04-Fan geworden. „Octavio und ich sind ein bisschen die Treiber hinter den ‚Werkself Warriors‘“, sagt Kramm.

Einige der Mitglieder stammen aus den Freundeskreisen der beiden, anderen war man vorher schon bei Live-Übertragungen von Bayer 04-Spielen im „Legends“ begegnet. Darunter zufälligerweise auch der eine oder andere Deutsche mit Leverkusener Wurzeln. Die Welt ist klein. Aber es gibt im neu gegründeten Fanclub auch einen Argentinier, dessen Herz nicht nur für die Werkself, sondern auch für die Boca Juniors schlägt. Oder Amerikaner, die neben Bayer 04 den FC Liverpool als zweiten Lieblingsklub haben. Oder jemanden wie Thomas Schäfer, den Kramm zufällig in einer Film-Dokumentation der traditionsreichen Sports Illustrated über die Meistersaison von Bayer 04 gesehen hatte. Kramm selbst war darin auch als Zeitzeuge zu Wort gekommen.

Das zarte Pflänzchen soll schnell wachsen

Die Watch Partys sind inzwischen jedenfalls fester Bestandteil des noch jungen Fanclub-Lebens. Auch den Derbysieg gegen den 1. FC Köln im Dezember vergangenen Jahres schauten sich die Warriors gemeinsam an – alle selbstverständlich im schwarz-roten Bayer 04-Outfit. Und in bester Laune. Aber sie wollen nicht nur die Spiele sehen. Sie wollen sich auch austauschen über ihren Klub. Deshalb sind regelmäßige Stammtische geplant. „Natürlich ist das noch ein zartes Pflänzchen, aber wir tun eine Menge dafür, dass es möglichst schnell wächst und gedeiht“, sagt Kramm über die Startphase des Fanclubs, der schnell eine eigene Homepage und einen Instagram-Auftritt (werkselfusa) aufbaute.

Foto: Steven Lin

Kramm selbst ist in Bielefeld geboren, hat aber fast 20 Jahre lang in Leverkusen gelebt. Als Elfjähriger war er live beim UEFA-Cup-Sieg 1988 im Ulrich-Haberland-Stadion dabei, fünf Jahre später auch beim ersten DFB-Pokaltriumph in Berlin. Nach dem Abitur 1996 auf dem Werner-Heisenberg-Gymnasium in Lützenkirchen ging Kramm nach New Jersey, wo sein Vater für die Nordamerika-Zentrale der Bayer AG arbeitete. Alex studierte Computer Science und Mathematik in Pennsylvania. Seit 2000 lebt er in New York City, ist dort inzwischen als Aktienanalyst für eine Investment Bank tätig. Seine Verbindungen nach Leverkusen sind nie aber abgerissen. Schon gar nicht die zu Bayer 04. Einige Male pro Jahr fliegt er in die alte Heimat. Besuche in der BayArena zählen dann zum Pflichtprogramm. Immer.

Mitte der 2010er-Jahre hatte er sogar mal wieder eine Dauerkarte und war dann häufiger im Stadion als manch Leverkusener. Und natürlich setzte sich Kramm auch in der Saison 2023/24 etliche Male in den Flieger, um live dabei sein zu können. „Jeder spürte ja, dass hier gerade etwas Historisches passierte. Da durfte ich doch nicht fehlen“, erzählt Kramm lächelnd. Logisch, dass er beim 5:0 gegen Werder Bremen vor Ort war, mit dem die Werkself den ersten Meistertitel perfekt gemacht hatte. Ebenso selbstverständlich stand er auch ein paar Wochen später beim Pokalfinale in Berlin in der Bayer 04-Kurve.

„You have a great team“

Die Euphorie, die die Erfolge der Werkself hierzulande auslösten, stieß auch auf der anderen Seite des Atlantiks auf Resonanz. Wenn Kramm im Bayer 04-Trikot durch den Central Park in NYC joggte, riefen ihm Fremde zu: „Hey, you have a great team“. Eine steigende Aufmerksamkeit genieße der Klub in den USA aber bereits seit etwa 2015, sagt der Wahl-New Yorker. „Als Chicharito damals nach Leverkusen wechselte, hat das dem Image von Bayer 04 gerade bei Amerikanern mit mexikanischem Hintergrund einen Riesenschub gegeben“, so Kramm. „Auch mit den Trainingslagern zu der Zeit in Orlando konnte der Klub seinen Bekanntheitsgrad in den Vereinigten Staaten deutlich erhöhen.“

Auch mit den Trainingslagern zu der Zeit in Orlando konnte der Klub seinen Bekanntheitsgrad in den Vereinigten Staaten deutlich erhöhenFanclub-Mitglied Alex Kramm

Aber nichts hievte die Sympathiewerte für die Werkself derart in die Höhe, wie Meistertitel und Pokalgewinn. Weil es gerade in den vergangenen Jahren viel leichter geworden ist, Spiele der Bundesliga und der UEFA Champions League in den USA zu sehen, blieb auch der spektakulär erfolgreiche Fußball der Werkself in der Saison 2023/24 in New York City nicht verborgen. „Nicht nur ich kann heute über eine App sämtliche Spiele von Bayer 04 in allen Wettbewerben sehen. Ob im Fernsehen, auf dem Handy oder Tablet – das ist hier inzwischen sehr einfach und bequem“, sagt Kramm. Und wer nicht alleine schauen will, dem bieten immer mehr Sportsbars in NYC und Umgebung die Watch Partys an. Auch die Werkself Warriors wollen zukünftig mal andere Locations testen – vielleicht in New Jersey, wo viele von ihnen leben.

Auch gegen Mainz in der BayArena

Nichts geht aber natürlich über das Live-Erlebnis. Kramm war auch in der laufenden Saison schon wieder bei einigen Spielen der Werkself dabei. Nicht nur in der BayArena. Auch die Auswärtsspiele in der Ligaphase der Champions League bei Manchester City und Olympiakos Piräus hat er gemeinsam mit ein paar alten Schulfreunden vor Ort gesehen. Beim kommenden Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 wird Kramm auch im Stadion sein. „Für mich ist ein Besuch in der BayArena immer wie nach Hause kommen. Stadion-Wurst, ein Bier. Den Bayer anfeuern. Das ist ein Stück Heimat für mich.“ Dafür nimmt er die weite Anreise und die nicht ganz günstigen Flugtickets gerne in Kauf. Einige seiner Kumpels haben schon mal vorsorglich Hotelzimmer fürs DFB-Pokalfinale am 23. Mai gebucht. Natürlich wäre auch Kramm dabei. Und vielleicht kämen dann ja sogar einige seiner neuen Freunde von den Werkself Warriors mit nach Berlin. Would be nice to meet you!