Die Bayer 04-Fan­clubs - Lei­den­schaft von Mon­heim bis Mos­kau

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Der älteste feierte kürzlich 42. Geburtstag, der jüngste ist erst ein paar Tage alt. Ob in Burscheid, Sachsen-Anhalt oder Luxemburg: Fanclubs von Bayer 04 überall, um ihrer Liebe zur Werkself gemeinsam nachzugehen – und sie haben die Entwicklung der Fankultur in Leverkusen entscheidend mitgeprägt.

Vielleicht hätten die Gründer der „Rhein-Wupper-Engel Leverkusen“ sich noch die vier Tage mehr Zeit gelassen, wenn Sie sich dieses geschichtsträchtigen Datums bewusst gewesen wäre. Am 21. November 2018 wurde der neueste Fanclub von Bayer 04 aus der Taufe gehoben und damit fast auf den Tag genau 42 Jahre, nachdem alles angefangen hatte mit dem „1. Fanclub 1976 Leverkusen“. Am 25. November in eben jenem Jahr war das, im Rahmen einer Versammlung im damaligen Clubhaus. Am Wochenende zuvor hatte Bayer 04 gerade in der 2. Bundesliga Nord vor rund 500 Zuschauern mit 0:1 beim SC Wacker 04 Berlin verloren. Andere Zeiten, nicht nur auf dem Rasen, auch auf den Rängen. „Bei uns war alles noch unorganisiert und ging wild durcheinander“, berichtet Gerd Wölwer, Gründungsmitglied des 1. Fanclubs. Das sollte sich nach diesem Clubhaus-Abend im Spätherbst ´76 aber schon bald grundlegend ändern.

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Echte Pioniere vom 1. Fanclub 1976: (von links) Harald Pettke, Ralf „Knut" Schäfer, Reinhard „Theo" Theobald, Uwe Kramer und Udo Gerstendorf.

Andreas „Paffi“ Paffrath, Fanbeauftragter bei Bayer 04, vergleicht die Pioniere von damals sogar mit den „Roten Funken“, dem ältesten Kölner Karnevalscorps. „Aus dem 1. Fanclub 1976 sind alle anderen entstanden“,  erzählt „Paffi“. „Das Thema Fans wurde von dort an von Vereinsseite vorangetrieben. Es gab regelmäßig Treffen mit Vereinsführung und Spielern im Clubhaus und jeder konnte hin. Damals war das aber noch eine ziemlich kleine Pflanze.“

Doch die sollte stetig wachsen. Als es bald nicht mehr gegen den SC Wacker 04 ging, sondern gegen die Bayern und den HSV, stieg auch die Zahl derer, die sich organisierten, um gemeinsam ihre Leidenschaft für den Fußball unterm Bayer-Kreuz auszuleben. Die Entwicklung nach dem Uefa-Cup-Sieg 1988 bezeichnet Paffi heute als „Fanclub-Boom“.

Bei uns war alles noch unorganisiert und ging wild durcheinander
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Durch die Erfolge in den folgenden Jahren kamen immer mehr hinzu, sie gründeten sich in Polen, der Schweiz, sogar in Brasilien. Auf dem Höhepunkt zählte Bayer 04 rund 500 registrierte Fanclubs. Vor fünf, sechs Jahren war das. Nachdem der Verein die „Fanclub-Dauerkarte“ abschaffte und eine umfassende Reform durchführte, blieben im Jahr 2016 noch 200 übrig. „Paffi“, inzwischen seit 30 Jahren für die Fanclubs der Werkself zuständig, findet das logischerweise schade, ist sich aber auch sicher: „Die neuen Fanclubs sind wegen der Liebe zu Bayer 04 und dem Gemeinschaftsgefühl gegründet worden“. Immerhin 37 kamen in den vergangenen zwei Jahren dazu, eine mehr als stolze Zahl. Die „Rhein-Wupper-Engel“ sind die Nummer 237, rund 7000 Anhänger der Werkself sind damit aktuell in Fanclubs organisiert. Die Dunkelziffer schätzt „Paffi“ sogar höher – nicht alle aktiven Clubs sind beim Verein als solche angemeldet.

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Ein deutliches Bekenntnis zu Bayer 04: Die meisten Fanclubs haben selbstverständlich auch ihr eigenes Logo.

Alpenpillen, Küstenlöwen & Co.: Leidenschaft kennt keine Entfernung

Rund 90 Prozent der Fanclubs sitzen in Leverkusen und Umgebung, aber auch weit über die Grenzen des Rheinlands hinweg wird die schwarz-rote Flagge hochgehalten. „Die Clubs von außerhalb sind sogar mit die strukturiertesten“, berichtet „Paffi“ anerkennend. Die „Alpenpillen“ aus München beispielsweise halten im tiefsten Süden regelmäßig Stammtische ab und reisen häufig zu den Spielen der Werkself an, ebenso der „Fanclub Berlin-Schöneweide“ aus der Bundeshauptstadt. Doch nicht nur die Metropolen der Republik werden von Bayer-04-Supportern bevölkert: In Niedersachsen brüllen die   „Küstenlöwen“ sowie die „Ammerland Löwen“,  in Sachsen sind es die „Bayer-Sperken“, in Brandenburg die „Allesfahrer“, in Sachsen-Anhalt „Parti Darios“ und in Baden-Württemberg „Badisch LEV“, die der Werkself aus der Ferne die Treue halten.

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Die Alpenpillen sind nach eigenem Bekunden der erste Bayer 04-Fanclub südlich des Weißwurst-Äquators.

Außerhalb Deutschlands zählt Bayer 04 noch zwei Fanclubs: „Werkself Letzebuerg“ aus Luxemburg und die „Russischen Pillendreher“ aus Moskau, die das Team bei fast jedem internationalen Spiel in Osteuropa vor Ort unterstützen und trotz der großen räumlichen Entfernung auch noch häufig den Weg in die BayArena finden.

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Wenn man sieht, wie da teilweise die Enkelkinder in die Fußstapfen der Gründer treten, das ist Bombe

Den „1. Fanclub 1976 Leverkusen“ gibt es selbstverständlich noch immer, vor wenigen Tagen feierte er sein 42-jähriges Bestehen –und ist bei Weitem nicht der einzige alteingesessene Fanclub der Werkself. Beim Heimspiel gegen Hertha BSC kurz vor Weihnachten werden insgesamt sechs Gruppen von Anhängern für ihr 20- beziehungsweise 30-jähriges Bestehen auf dem Rasen der BayArena geehrt. „Wenn man sieht, wie da teilweise die Enkelkinder in die Fußstapfen der Gründer treten, das ist Bombe. Da merkt man, wie groß Bayer 04 geworden ist“, erklärt „Paffi“ nicht ohne Stolz, auch wenn er angesichts der Entwicklungen der letzten Jahre konstatiert: „Das Konstrukt Fanclub ist ein bisschen Old School geworden.“ Aber Old School, das kennt man ja aus der Musik, macht mitunter am meisten Spaß.

Hier noch einmal der Bayer 04-TV-Beitrag zum 40-jährigen Jubiläum des 1. Fanclub 1976 Leverkusen:

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