
Mit einem 2:1-Auswärtssieg bei Borussia Dortmund II hat Sandhausens neuer Coach Jens Keller am vergangenen Wochenende einen gelungenen Einstand hingelegt. Als Nachfolger von Danny Galm trat Keller seinen Dienst beim SVS am 23. Oktober an. Der 52-Jährige bringt viel Erfahrung mit, war als Trainer unter anderem für den 1. FC Nürnberg, 1. FC Union Berlin, VfB Stuttgart und den FC Schalke 04 tätig. Mit den Königsblauen spielte Keller in zwei Saisons (2012/13 und 2014/15) in der UEFA Champions League. Nun also soll der Neue mit dem SV Sandhausen das Projekt Wiederaufstieg angehen. Die Kurpfälzer waren nach elf Jahren in der 2. Liga in der vergangenen Saison abgestiegen. Nach zuletzt nur einem Sieg aus fünf Drittligaspielen sahen die Verantwortlichen das Saisonziel in Gefahr, der Abstand zu Platz drei war auf sieben Punkte angewachsen. Zudem habe die Mannschaft „keinen guten Fußball“ mehr gezeigt.
Mit dem 2:1-Erfolg in Dortmund am 13. Spieltag konnte Keller mit seinem Team gleich vier Tabellenplätze gutmachen, der SVS kletterte von Rang 11 auf Rang 7, zu Platz drei fehlen nur noch vier Punkte. Keller zeigte sich nach der Partie zufrieden: „Ich habe die Leidenschaft gesehen, die Jungs wollten den Sieg. Wir haben drei Punkte geholt – das ist entscheidend.“ In Dortmund konnten die Sandhäuser einen frühen Rückstand noch in der ersten Hälfte durch Tore von Rouwen Hennings und Max Geschwill drehen. SVS-Sportdirektor Matthias Imhof sprach hinterher von einem verdienten Sieg. „Wir haben uns durch den Rückstand nicht aus der Bahn werfen lassen und Charakter gezeigt.“
Den bewiesen die Schwarz-Weißen auch in der 1. Runde des DFB-Pokals. Trotz eines zweifachen Rückstands gegen den Zweitligisten Hannover 96 gewann der SV Sandhausen in einem packenden Pokal-Krimi schließlich im Elfmeterschießen. Zunächst hatten Rouwen Hennings und ein Eigentor der Hannoveraner den 0:2-Rückstand egalisiert. Nach der erneuten Führung für die Gäste schlug der SVS durch Tim Knipping kurz vor Schluss noch einmal zurück. Im Elfmeterschießen setzten sich die Baden-Württemberger dann mit 4:2 durch.
Vier erfahrene Profis bilden das Gerüst in einer jungen Mannschaft. In diesem Sommer kehrten in Tim Knipping (30, Dynamo Dresden) und Alexander Mühling (31, Holstein Kiel) zwei Spieler in die Kurpfalz zurück, die dort bereits in früheren Jahren aktiv gewesen waren. Mühling war 2014 auch mal für ein halbes Jahr in Leverkusen für die zweite Mannschaft von Bayer 04 am Ball, wechselte von dort nach Sandhausen und spielte anschließend sieben Jahre lang in der 2. Bundesliga für Holstein Kiel. In der aktuellen Saison stand er bislang in allen 14 Pflichtspielen in der Startelf des SVS. Auch Tim Knipping war als Innenverteidiger meist gesetzt, musste in Dortmund beim Debüt von Jens Keller aber verletzt passen.
Stürmer Rouwen Hennings ist mit 36 Jahren der älteste Spieler im Team. Hennings wechselte nach sieben Jahren bei Fortuna Düsseldorf nach Sandhausen. Für die Fortuna erzielte er in 229 Pflichtspielen 84 Treffer (28 Assists). Auch bei seinem neuen Arbeitgeber stellte Hennings seine Torgefahr gleich unter Beweis, netzte bislang viermal für den SVS ein und bereitete zwei Treffer vor. Vierter im Bunde der Routiniers ist Dennis Diekmeier. Der 34 Jahre alte Kapitän des SV Sandhausen bestritt für den Hamburger SV und den 1. FC Nürnberg 203 Bundesligaspiele und ist seit fast fünf Jahren ein Leistungsträger beim SVS. Zuletzt zwangen den Verteidiger muskuläre Probleme zu einer Pause. Inzwischen ist Diekmeier aber wieder im Training. Lediglich auf Abwehrspieler Lucas Laux (Kreuzbandriss) muss der SVS noch länger verzichten.
Elf Jahre lang hat der Klub aus dem kleinen Ort Sandhausen vor den Toren Heidelbergs stets um den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga gekämpft. Der Underdog war sich seiner Rolle immer bewusst. Leidenschaftliches Verteidigen und ein starker Teamgeist zählen seit Langem zu den Grundlagen des Erfolgs dieses gerne unterschätzten Klubs. „Wer nach Sandhausen kommt und die Idylle sieht, der denkt schon mal, das geht mit links und 40 Grad Fieber“, hat Innenverteidiger Tim Knipping einmal gesagt, als er noch für Dynamo Dresden spielte. Dass sie nie aufgeben, haben die Sandhäuser auch in dieser Saison bereits mehrfach bewiesen. Beim Pokal-Erfolg gegen Hannover zeigten sie ihre Comeback-Qualitäten ebenso wie beim 3:3 in der 3. Liga gegen den FC Viktoria Köln. Auch in dieser Partie lag der SVS mit 0:2 und 1:3 zweimal mit zwei Toren zurück. „Leidenschaft, Kampf und Laufbereitschaft“ fordert nun auch der neue Coach Jens Keller von seiner Mannschaft. „Das kann jeder umsetzen, ganz unabhängig von der Taktik.“
Schnelles Umschaltspiel in beide Richtungen will Keller von seiner Mannschaft sehen. Daran hatte es zuletzt gemangelt. Nach dem 2:1-Sieg in Dortmund betonte auch Stürmer David Otto, mit vier Treffern neben Hennings erfolgreichster Torschütze der Schwarz-Weißen: „Wir haben uns heute auf das Spiel nach Ballgewinn und -verlust konzentriert. Daran müssen wir weiter arbeiten – es ist noch viel zu tun.“ Auch in puncto Chancenverwertung hat der SVS noch Luft nach oben. Bislang erzielte der Klub 18 Saisontore in 13 Spielen, eine mäßige Ausbeute. „Wir lassen noch zu oft viele Chancen liegen“, moniert Rouwen Hennings. Außerdem muss die Mannschaft, die in den vergangenen Jahren vor allem auf Abstiegskampf gepolt war, nun beweisen, dass sie auch kreativ sein und das Spiel machen kann.
Natürlich geht der Tabellensiebte der 3. Liga gegen den Tabellenführer der Bundesliga als Außenseiter ins Spiel. Dennoch hat der SV Sandhausen in der ersten Pokalrunde mit dem Sieg gegen Hannover 96 bewiesen, dass er klassenhöheren Klubs wehtun kann. Gefühlt ist der SVS ohnehin noch ein Zweitligist. Und er will schnellstmöglich genau dorthin zurück: in die 2. Bundesliga. „Die Ungeduld ist bei uns allen vorhanden“, sagt Sportdirektor Matthias Imhof, der sich von Jens Keller neue Impulse und „nochmal eine andere Ansprache an die Mannschaft“ erhofft. Der Coach sieht das Team „gut zusammengestellt“ und glaubt, „dass man gute Möglichkeiten hat, da oben nochmal anzugreifen“. Das Ziel direkter Wiederaufstieg hat oberste Priorität bei den Sandhäusern. Ein guter Pokal-Auftritt gegen den Bundesliga-Spitzenreiter vor heimischer Kulisse könnte auch diesbezüglich für einen ordentlichen Schub sorgen.

Wie bereits in den Jahren zuvor wurden im Rahmen der Tandem Young Coach-Ausbildung der Scort Foundation in Kooperation mit der Football Club Social Alliance (FCSA) auch 2026 wieder 22 Teilnehmende zu Fußballtrainern für Menschen mit Behinderung ausgebildet. Mit dabei in Karlsruhe war als langjähriger FCSA-Partnerklub auch Bayer 04. Gemeinsam als Tandem durchliefen Personen mit und ohne Behinderung die Ausbildung und lernten so aus unterschiedlichen Perspektiven voneinander. Nach spannenden und lehrreichen Tagen kehrte auch das Leverkusener Duo mit viel neuem Wissen und einem offiziellen Zertifikat zurück unters Kreuz.
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