Gegner-Check: Im DFB-Pokal stimmt der Ertrag bei kämpferischen Kiezkickern

In der Bundesliga steckt der FC St. Pauli im Abstiegskampf, im DFB-Pokal sind die Kiezkicker unter anderem durch Siege gegen die TSG Hoffenheim und Borussia Mönchengladbach bis ins Viertelfinale vorgedrungen. In diesem treffen sie nun am Dienstagabend, 3. Februar (Anstoß: 20.45 Uhr/live bei Sky, im ZDF und im Werkself-Radio), in der BayArena auf die Werkself. Der Gegner-Check.
FC St. Pauli im DFB-Pokal

Position

Der Frust war groß auf Seiten der Kiezkicker: Sie hatten so viel investiert, mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse und viele gute Möglichkeiten. Und fuhren am Ende doch ohne einen Punkt aus Augsburg zurück nach Hamburg. „Es war ein Spiel der verpassten Chancen“, sagte Kapitän Jackson Irvine nach dem 1:2 im Kellerduell bei den Fuggerstädtern am vergangenen Samstag. „Wir waren das bessere Team mit den besseren Chancen. Wir hatten viele gute Momente und waren kreativ. Wir haben heute gezeigt, wie gut wir spielen können. Aber die Situation wird nicht besser, das ist uns bewusst.“ In der Bundesliga steckt der FC St. Pauli als Tabellenvorletzter längst mittendrin im Abstiegskampf. Durch den Sieg der Mainzer in Leipzig hat das Team von Trainer Alexander Blessin nun bereits vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Der Coach sah neben der schwachen Chancenverwertung „die Schlafmützigkeit bei beiden Gegentoren“ als Hauptgrund für die zwölfte Niederlage im 20. Spiel. Zweimal hatte Augsburgs Michael Gregoritsch die Nachlässigkeiten in der Defensive der Kiezkicker ausgenutzt, die durch einen Elfmeter von Danel Sinani in Führung gegangenen waren.

Seit sechs Spielen ist der FC St. Pauli sieglos. Drei Unentschieden, drei Niederlagen – so lautet die Bilanz seit Ende Dezember 2025. Wobei man zweimal erst in der Schlussphase noch die K.-o.-Treffer kassierte: Beim 2:3 in Dortmund gelang Emre Can der Lucky Punch für den BVB in der fünften Minute der Nachspielzeit, beim 1:2 in Wolfsburg erzielte der VfL zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit den Siegtreffer. Immerhin schlug auch St. Pauli vor zwei Wochen beim 1:1 gegen RB Leipzig einmal in der Nachspielzeit zu und rettete durch das späte Elfmetertor von Martijn Kaars noch einen Punkt.

Auch im DFB-Pokal machten es die Hamburger in den bisherigen drei Spielen stets extrem spannend, hatten dabei aber das Glück immer auf ihrer Seite. In der ersten Runde setzte sich St. Pauli erst nach Elfmeterschießen mit 3:2 gegen den Regionalligisten Eintracht Norderstedt durch. Noch dramatischer verlief die Partie in der 2. Runde gegen die TSG Hoffenheim. 1:1 hatte es nach 90 Minuten geheißen. In der Verlängerung brachte Kramaric zunächst die TSG in Führung, Mathias Pereira Lage glich für den FCSP in der Nachspielzeit aus. Nach 18 Elfmetern schaltete St. Pauli schließlich die Kraichgauer aus, Torhüter Ben Voll wurde in seinem bislang einzigen Saisonspiel für die Braun-Weißen zum Pokalheld, weil er den entscheidenden Elfmeter hielt. Im Achtelfinale schließlich siegten die Kiezkicker auswärts 2:1 bei Borussia Mönchengladbach durch Treffer von Martijn Kaars und Louis Oppie. Vor dem Duell mit der Werkself an diesem Dienstag sagt Kapitän Jackson Irvine: „In Leverkusen erwartet uns ein schweres Spiel.“

Personal

Am vergangenen Samstag hat der FC St. Pauli noch einen Neuzugang präsentiert. Der japanische Nationalspieler Taichi Hara wechselte von Kyoto Sanga zum Kiezklub. Über die Rolle des 26 Jahre alten Stürmers sagt St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann: „Taichi verkörpert mit seinen Fähigkeiten einen Spielertyp, den wir bislang nicht in unserem Kader hatten. Er kann als klassischer Zielspieler eingesetzt werden, bringt aber auch die technischen Voraussetzungen mit, um sich ins Kombinationsspiel einzuschalten. Das verschafft unserem Spiel zusätzliche Flexibilität. Wir sind zuversichtlich, dass seine Erfahrungen in Europa ihm helfen werden, sich schnell bei uns zu akklimatisieren.“ Taichi Hara hat auf dem Kontinent bereits in Kroatien, Spanien und Belgien gespielt. In der J-League erzielte er in der vergangenen Saison fünf Tore und bereitete zehn Treffer vor. Für Japans Nationalteam kam er bislang zweimal zum Einsatz.

Hara ist neben Innenverteidiger Tomoya Ando, der ebenfalls erst seit Januar dieses Jahres bei den Kiezkickern unter Vertrag steht, und Mittelfeld-Antreiber Joel Chima Fujita der dritte Japaner im Team. Am vergangenen Samstag stand Hara beim Spiel in Augsburg noch nicht im Kader. Möglicherweise wird er in Leverkusen erstmals dabei sein. Mittelstürmer Andreas Hountondji muss wegen eines Haarrisses im Sprunggelenk weiterhin pausieren. Fehlen werden zudem Mittelfeldspieler Connor Metcalfe (Knieprobleme), Innenverteidiger David Nemeth (Adduktoren-OP) sowie Ersatztorhüter Simon Spari (Syndesmoseriss). Bei Abwehrchef Hauke Wahl, der in Augsburg angeschlagen fehlte, besteht Hoffnung, dass er gegen die Werkself wieder einsatzbereit ist. In der Fuggerstadt wurde er in der Innenverteidigung von Sechser Eric Smith vertreten, im Mittelfeld gab Winter-Neuzugang Mathias Rasmussen (Union Saint-Gilloise/Belgien) sein Startelf-Debüt für die Kiezkicker. 

Abzuwarten bleibt, ob Kapitän Jackson Irvine in der BayArena von Beginn an auflaufen wird. Wie wichtig der 32-Jährige für sein Team ist, hat er in dieser Saison erst zuletzt wieder nach seinen Einwechselungen gegen den HSV und Leipzig bewiesen. Beide Male gab es einen spürbaren Schub für die Kiezkicker. Dabei plagen den Australier immer noch Schmerzen im linken Fuß. „Wir müssen jede Woche aufs Neue kontrollieren und auch besprechen. Es hängt von seiner Stimmungslage ab und wie er den Schmerz unterdrücken kann“, sagt Blessin über die Situation seines Spielführers, der auch in Augsburg nach 70 Minuten von der Bank kam.

Probleme

Fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor: Das war in dieser Saison schon des Öfteren der Grund für ausbleibenden Erfolg bei den Kiezkickern. Auch beim 1:2 in Augsburg vergaben die Hamburger etwa durch Danel Sinani, Ricky-Jade Jones, Mathias Rasmussen und Abdoulie Ceesay reihenweise hochkarätige Möglichkeiten. Die mangelhafte Chancenverwertung führte einmal mehr zu einer unnötigen Niederlage. Kein Wunder, dass St. Pauli mit nur 18 Toren die schwächste Offensive in der Bundesliga stellt.

Prunkstück

Intensive Zweikampfführung, hohe Laufbereitschaft, kompaktes Verteidigen, frühes Gegenpressing: An Einsatz und Mentalität mangelt es dem FC St. Pauli nie. Aber nicht nur kämpferisch überzeugt der Kiezklub. Auch in der Offensive erarbeitete sich das Team zuletzt gegen Augsburg und Leipzig viele Torchancen, zeigte sehenswerte Ballstafetten. Wie schwierig St. Pauli zu bespielen ist, erlebte die Werkself in der Bundesliga-Hinrunde. Vor allem in der ersten Halbzeit erwiesen sich die Gastgeber am Millerntor als griffiger, zielstrebiger Gegner. Der 2:1-Sieg von Bayer 04 am 5. Spieltag war hart erkämpft. Auch der FC Bayern bekam zu spüren, wie unbequem der FCSP sein kann. Bis in die Nachspielzeit hielten leidenschaftliche Hanseaten ein 1:1 beim Rekordmeister, der durch zwei späte Tore dann doch noch 3:1 gewinnen konnte. Dass das Blessin-Team stets bis zur letzten Sekunde fightet, hat es auch im laufenden DFB-Pokalwettbewerb immer wieder unter Beweis gestellt.

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