
Zwei Monate mit elf Spielen, zehn Siegen und einem Unentschieden: Zwischen dem 30. September und dem 29. November hatte im deutschen Profifußball kein anderes Team einen derartigen Lauf wie Eintracht Frankfurt. Während sich die Blätter an den Bäumen färbten, füllte sich das Punktekonto der Hessen stetig. Dem Team von Trainer Adi Hütter gelang phasenweise alles: Jovic, Haller & Co. legten Gala-Auftritte in der Bundesliga (7:1 gegen Düsseldorf) wie in der Europa League (4:1 gegen Lazio Rom, 4:0 gegen Olympique Marseille) hin. Dass es so nicht ewig weitergehen würde, dürfte in der Main-Metropole wohl allen Beteiligten klar gewesen sein – und dennoch machte sich nach zuletzt zwei Niederlagen gegen Wolfsburg und bei Hertha BSC ein wenig Ernüchterung breit im Lager des amtierenden Pokalsiegers. Diesen Titel wird die Eintracht nicht verteidigen können, bereits in der 1. Runde scheiterte das Team am Regionalligisten SSV Ulm. Dafür dürften die Anhänger trotz der jüngsten Rückschläge mit dem Abschneiden in den beiden anderen Wettbewerben mehr als zufrieden sein: In der Bundesliga rangiert Frankfurt mit 23 Punkten auf Rang fünf, in der Europa League steht das Team bereits vor dem letzten Vorrundenspiel ohne Punktverlust als Gruppensieger fest.
Nicht viele hatten Eintracht Frankfurt nach dem Abgang von Erfolgscoach Niko Kovac zum FC Bayern zugetraut, eine ähnlich erfolgreiche Saison zu spielen. Doch Nachfolger Adi Hütter hat diese Kritiker bislang Lügen gestraft – und es sogar geschafft, Frankfurts Spielphilosophie auf ein neues Level zu heben. Konzentrierte sich das Eintracht-Spiel unter Kovac zumeist auf hohe taktische Disziplin und eine stabile Defensive, hat Hütter den Offensivfußball zurück nach Frankfurt gebracht. Einzig die beiden Borussias aus Dortmund und Mönchengladbach erzielten in der laufenden Saison mehr Tore als die Hessen. Entscheidenden Anteil daran haben Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastien Haller (im Bild oben von links nach rechts), die von gegnerischen Defensiven teils nicht zu halten sind und sich mit ihren unterschiedlichen Qualitäten hervorragend ergänzen. Stolze 24 von 30 Eintracht-Toren in der Bundesliga gehen auf das Konto der drei, in Europas Top-Ligen trafen einzig Mbappé/Neymar/Cavani (Paris St. Germain) und Messi/Suarez/Dembélé (FC Barcelona) häufiger. Frankfurts Offensive befindet sich also in bester Gesellschaft – ebenso wie in den Bestenlisten der Bundesliga: Jovic führt gemeinsam mit Paco Alcacer die Torschützenliste der Liga an, Haller gemeinsam mit Marco Reus das Ranking der besten Scorer.
Auch wenn die jüngsten zwei Niederlagen nicht primär der Defensivleistung zuzuschreiben waren: In beiden Spielen wurde Kapitän David Abraham schmerzlich vermisst. Der Argentinier ist mit seiner Routine und Mentalität ein eminent wichtiger Bestandteil nicht nur für den Defensivverbund, sondern auch für das Mannschaftsgefüge, fehlte zuletzt aber aufgrund einer Wadenverletzung. Auch gegen Bayer 04 wird der 32-Jährige aller Voraussicht nach ausfallen. Da auch Mittelfeld-Abräumer Lucas Torro seit Längerem nicht zur Verfügung steht, gehen Hütter in der Defensivzentrale allmählich die Alternativen aus, teilweise musste der eigentlich offensiv ausgerichtete Mijat Gacinovic bereits dort aushelfen. Das birgt die Gefahr, dass das Eintracht-Spiel zu stürmisch wird, die Absicherung nach hinten fehlt.
Nicht zum ersten Mal in den vergangenen Jahren wurde Eintracht Frankfurt im Sommer und speziell nach dem Erstrunden-Aus im DFB-Pokal von einigen Experten eine schwierige Saison prophezeit, in der man nicht an den Erfolg des Vorjahres anknüpfen könne – und wieder einmal sieht es nicht so aus, als solle dies eintreffen. Gemeinsam mit Sport-Vorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner hat Niko Kovac über einige Transferperioden eine schlagkräftige Mannschaft aufgebaut, die national höchsten Ansprüchen genügt und sich auch international nicht verstecken muss. Davon profitiert nun Hütter. Der Österreicher ist auf dem besten Weg, das Team nun auch spielerisch weiterzuentwickeln und Eintracht Frankfurt im vorderen Drittel der Liga anzusiedeln. Das Problem: Nach Trainer Kovac könnten bald auch die Spieler den Rufen größerer Vereine folgen. Pokalheld Rebic wurde schon im Sommer von mehreren Topklubs umgarnt, auch um Jovic und Haller ranken sich derzeit Gerüchte um potenzielle Interessenten.
Die Eintracht kann an einem guten Tag jeder Mannschaft gefährlich werden. Ein erneuter Lauf wie in den vergangenen zwei Monaten wird allerdings schwer zu wiederholen sein, ob das Team auf lange Sicht an den in der Breite stärker besetzten Teams aus München oder Leipzig dranbleiben kann, erscheint daher fraglich. Dennoch sollte eine erneute Qualifikation für die Europa League am Ende der Saison durchaus realistisch sein – nicht über den Pokalsieg wie im vergangenen Jahr, sondern durch einen entsprechenden Rang in der Abschlusstabelle.

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