Zurück zur Übersicht
16.10.2020Bundesliga

Gegner-Check: Wo Lichte ansetzen will

Weiter geht’s in der Bundesliga! Am kommenden Samstag, 17. Oktober (Anstoß: 15.30 Uhr), tritt Bayer 04 auswärts beim 1. FSV Mainz 05 an. Die Nullfünfer haben bereits früh in der Saison ihren Trainer gewechselt – und setzen ihre Hoffnungen nun in einen, den man in Leverkusen noch gut kennt.
crop_imago0048644343h.jpg

Position

Den einzigen Pflichtspielsieg verzeichnete Mainz 05 in dieser Saison bis dato im DFB-Pokal. Gegen den Regionalligisten TSV Havelse siegten die Rheinhessen nach anfänglichen Schwierigkeiten letztlich noch standesgemäß mit 5:1. In der Bundesliga verlief der Start aber alles andere als optimal. Beim 1:3 in Leipzig zum Auftakt hielt Mainz noch gut mit, nach dem folgenden 1:4 zu Hause gegen Stuttgart musste Cheftrainer Achim Beierlorzer dann aber bereits früh seinen Hut nehmen – nach zwei Spieltagen musste ein neuer Coach her.

So wirklich neu ist Jan-Moritz Lichte aber nicht in Mainz – und auch unterm Bayer-Kreuz dürften sich noch viele an den 40-Jährigen erinnern. Von 2012 bis 2014 arbeitete Lichte knapp zwei Jahre lang unter Sami Hyypiä und Sascha Lewandowski als Co-Trainer der Werkself und machte sich schon damals als akribischer Fachmann und Taktik-Guru einen Namen. Seit 2017 ist Lichte, der 2011 die Fußballlehrer-Ausbildung als Jahrgangsbester abgeschlossen hatte, bei Mainz 05 – zunächst ebenfalls als „Co“, nun erstmals in seiner Karriere als hauptverantwortlicher Coach. Erstmal interimsweise, doch bereits bei seiner Berufung stellte Sportvorstand Rouven Schröder explizit heraus, dass sich Lichte auch für eine dauerhafte Lösung empfehlen kann. „Ich kann mir das prinzipiell vorstellen“, ließ der Interimscoach bereits verlauten, schränkte aber auch ein: „Das ist nicht der Fokus, den ich jetzt setze.“ Denn zunächst muss Lichte die Mainzer Profis zurück in die Erfolgsspur bringen. Sein Debüt als Bundesliga-Trainer ging mit 0:4 bei Union Berlin verloren, vor der Partie gegen die Werkself warten die Nullfünfer noch immer auf den ersten Punkt der neuen Bundesliga-Saison.

Personal

Das Transferfenster war bereits geschlossen, als Mainz 05 noch einmal zuschlug: Der Österreicher Kevin Stöger hat vergangene Woche einen Vertrag beim FSV unterschrieben. Der Spielmacher hat seine Klasse zuletzt bei Fortuna Düsseldorf unter Beweis gestellt, war nach seinem Vertragsende im Sommer aber ohne Verein gewesen – und einige Teams waren hinter ihm her. Den Zuschlag erhielten nun die Mainzer, weil „ich glaube, dass ich hier den nächsten Schritt machen kann“, so der technisch versierte Mittelfeldspieler. Ob Stöger aber schon gegen die Werkself mit von der Partie sein wird? Nach drei Monaten ohne Verein taxierte er selbst sein Fitnesslevel auf „60, 70 Prozent“. Gut möglich also, dass er am Samstag noch nicht mit von der Partie sein wird – oder als Einwechselspieler.

Ansonsten steht Lichte aber gegen Bayer 04 praktisch der komplette Kader zur Verfügung. Auch Stürmer Adam Szalai, von Ex-Trainer Beierlorzer noch kurz vor dessen Entlassung aussortiert, gehört nun wieder zum Aufgebot – ebenso wie Abwehrchef Moussa Niakhaté nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre. Das Fehlen des Innenverteidigers hatte sich zuletzt in Berlin bemerkbar gemacht.

Prunkstück

Die Mainzer Angriffsreihe genügt höchsten Bundesliga-Ansprüchen. Sowohl Jean-Philippe Mateta als auch Robin Quaison sind unheimlich starke Abschlussspieler und strahlen permanent Torgefahr aus. Während Mateta als klassischer Mittelstürmer durch seinen Torinstinkt und seine Kopfballstärke besticht, kommt Quaison gerne aus der Tiefe oder über den Flügel, glänzt durch seine Schnelligkeit und starke Technik. Kein Wunder also, dass die beiden Mainzer Tore jeweils Co-Produktionen des Duos waren: Einmal Quaison auf Mateta, einmal Mateta auf Quaison. Doch auch abgesehen von den beiden verfügt die Mainzer Offensive über einiges an Qualität: Jean-Paul Boetius – und bald auch Stöger – bringen eine starke spielerische Komponente ein, Karim Onisiwo eine bemerkenswerte Physis und der Ex-Leverkusener Levin Öztunali absoluten Top-Speed. Letzterer debütierte übrigens im August 2013 als damals jüngster Werkself-Spieler in der Bundesliga. Co-Trainer zu dieser Zeit: Jan-Moritz Lichte.

Probleme

Lichte wusste bei seiner Antritts-Pressekonferenz ganz genau, wo er ansetzen will und muss. „Wir müssen es schaffen, weniger Gegentore zu bekommen“, machte der Interimscoach klar. „Wir müssen eine defensive Struktur entwickeln, die es uns ermöglicht, ein Spiel zu gewinnen, wenn wir ein, zwei Tore schießen.“ Denn in allen drei bisherigen Spielen dieser Saison kassierten die Mainzer mindestens drei Gegentreffer, insgesamt sind es schon ganze elf Stück. Bereits in der vergangenen Serie standen nach 34 Spieltagen 65 Gegentore zu Buche. „Wenn wir unseren Schnitt der vergangenen Jahre nicht senken, werden wir weniger Spiele gewinnen“, so Lichte. „Dabei müssen alle mitmachen und dieses gemeinsame Verteidigen ist etwas, was manchmal gefehlt hat.“

Prognose

Nach turbulenten Tagen und Wochen scheint in Mainz gerade einiges in der Schwebe. Wird Lichte zur Dauerlösung? Kann sich die Defensive stabilisieren? Und vor allem: Kehrt jetzt wieder Ruhe im beschaulichen Mainz ein? Gerade das hatte die Rheinhessen in der Vergangenheit ja oft so stark gemacht. Nun müssen Schröder und Lichte dafür sorgen, dass die Mannschaft ihre PS wieder auf den Rasen bekommt. Denn die Qualität für den erneuten Klassenerhalt ist definitiv da.

25_Football_90001_BuLi-Start-Clubs_DCM-P_814_1509_300x250.jpg

Ähnliche News

Montrell Culbreath für die DFB-U19
Bayer 04 - 08.06.2026

Culbreath reist mit DFB-Auswahl zur U19-EM – auch Onyeka nominiert

Werkself-Profi Montrell Culbreath und Bayer 04-Leihgabe Francis Onyeka gehören zum finalen Aufgebot Deutschlands für die U19-Europameisterschaft im Sommer. Das Nationenturnier findet vom 24. Juni bis 12. Juli in Wales statt.

Mehr zeigen
U15 bejubelt Meisterschaft
Jugend - 08.06.2026

Nachwuchs: U15 ist Regionalliga West-Meister

Erfolgreiche Wochen für die U15 von Bayer 04! Nach ihren zwei überzeugenden Turniersiegen sicherten sich die Leverkusener Junioren am vergangenen Sonntag im abschließenden Ligaspiel der Saison auch die Meisterschaft in der Regionalliga West. Ihre Duelle erfolgreich gestalten konnten außerdem die U16 und die U13 sowie die U16-Juniorinnen. Das Nachwuchs-Wochenende im Überblick.

Mehr zeigen
Behind the Scenes mit Carles Martinez! Erster Tag als neuer Trainer in Leverkusen
Werkself-TV - 06.06.2026

Behind the Scenes mit Carles Martínez: Erster Tag als neuer Trainer in Leverkusen

Die obligatorischen Unterschrifts- und Handshake-Aufnahmen, das erste Mal BayArena und eine Pressekonferenz zur Vorstellung! Der neue Trainer Carles Martínez startet in seinen ersten Tag in Leverkusen, wird nach der Ankunft am Flughafen im Stadion von Fernando Carro, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bayer 04, und Geschäftsführer Sport Simon Rolfes in Empfang genommen. Nach seinen ersten Schritten durch die BayArena geht es zur Pressekonferenz, auf der Carles Martínez mit voller Vorfreude über seine neue Aufgabe spricht. Tag eins von Carles Martínez in Leverkusen.

Mehr zeigen
Erstes Interview von Carles Martìnez als Cheftrainer in Leverkusen
Werkself-TV - 05.06.2026

Erstes Interview von Carles Martínez als Cheftrainer in Leverkusen

Carles Martínez brennt für seine neue Aufgabe: Der 42-Jährige spricht in seinem ersten Interview in Leverkusen über die bisherige Entwicklung des Klubs und wie er daran anknüpfen will. Er beschreibt seine bisherige Arbeit in Frankreich, Kuwait, Katar und seiner Heimat Barcelona, seine Erfahrung bei der Entwicklung junger Spieler und die wichtigsten Schritte bis zum Start der Trainingsarbeit in Leverkusen.

Mehr zeigen
Sommerfahrplan
Bayer 04 - 05.06.2026

Sommerfahrplan 2026/27: Saisoneröffnung gegen den FC Sevilla – weitere Tests auf nationaler Ebene

Die Planungen von Bayer 04 für die Sommer-Vorbereitung 2026/27 nehmen weiter Formen an. Mitte Juli startet die Werkself mit dem Trainingsauftakt in die neue Saison. Den Höhepunkt bildet die offizielle Saisoneröffnung am 8. August in der BayArena inklusive Testspiel gegen den FC Sevilla aus Spanien. Vergleiche auf nationaler Ebene führen ins benachbarte Monheim sowie nach Offenbach und Jena.

Mehr zeigen