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20.03.2026Bundesliga

Gegner-Check: Wird der Klassenerhalt zur „Mission Impossible“?

Ein kurzer Blick auf die Tabelle genügt, um nüchtern festzuhalten: Die Lage ist ernst beim 1. FC Heidenheim. Das Bundesliga-Schlusslicht hat bereits zehn Punkte Rückstand auf den Relegationsrang und steht sportlich mit dem Rücken zur Wand. Bei noch acht ausstehenden Spielen scheint der Klassenerhalt eine „Mission Impossible“ zu werden. Dennoch sind sie am Schlossberg weit davon entfernt, vor dem Duell mit der Werkself an diesem Samstag, 21. März (Anstoß: 15.30 Uhr/live bei Sky, WOW und im Werkself-Radio), die weiße Fahne zu hissen. Der Gegner-Check.
1. FC Heidenheim

Position

Spätestens seit dem 0:2 im Kellerduell gegen den SV Werder Bremen am 24. Spieltag schwindet selbst bei den größten Optimisten an der Brenz allmählich der Glaube. „Es wäre schon mehr als ein Wunder, wenn wir da unten nochmal herauskommen“, sagte Trainer Frank Schmidt im Anschluss an die Partie vor drei Wochen. „Es hat sehr viel gefehlt. Wir waren im Kopf sehr langsam. Ab dem 0:1 hat man deutlich gesehen, dass es dann unheimlich schwer war. Weil: Wir wussten ja, wir mussten das Spiel gewinnen, dann kommt der Kopf dazu. Da hat uns einfach die Überzeugung und am Ende auch die Qualität gefehlt, das Spiel zu drehen. Ich bin keiner, der hofft, ich bin einer, der normalerweise dran glaubt. Aber das fällt mir gerade genauso schwer wie unseren Fans."

Ehrliche Worte einer Trainer-Legende. Der 52 Jahre alte Fußballlehrer steht seit mehr als 18 Jahren an der Seitenlinie des FCH. In der Saison 2022/23 hat Schmidt den Klub sensationell in die Bundesliga geführt. Und er wird auch nun in den verbleibenden acht Spielen alles daransetzen, noch so viele Punkte wie möglich mit seiner Mannschaft zu holen. Das versteht ein Typ wie Schmidt als Ehrensache. „Da ist jeder für sich verantwortlich“, so der Coach. „Wir müssen den Anstand haben, auch dem Wettbewerb gegenüber, unabhängig von der eigenen Situation.“

Seit 13 Partien ist Heidenheim sieglos (zehn Niederlagen, drei Remis). Der letzte Dreier datiert von Anfang Dezember vergangenen Jahres: ein 2:1 zu Hause gegen den SC Freiburg. Am vergangenen Wochenende unterlagen die Jungs von der Ostalb 0:1 bei Eintracht Frankfurt. „Ein Spiel auf Augenhöhe, umso ärgerlicher, dass wir es verloren haben“, sagte Innenverteidiger Benedikt Gimber. Es war für die Heidenheimer die insgesamt 18. Niederlage im 26. Spiel. In unangenehmer Erinnerung dürfte ihnen nicht zuletzt das Hinrunden-Duell mit der Werkself sein: Der FCH kassierte beim 0:6 in Leverkusen seine höchste Niederlage in der Bundesliga. 

Ich bin keiner, der hofft, ich bin einer, der normalerweise dran glaubt. Aber das fällt mir gerade genauso schwer wie unseren Fans.Heidenheim-Coach Frank Schmidt über den immer schwieriger werdenden Weg seines Teams zum Klassenerhalt

Personal

Große personelle Veränderungen im Vergleich zur Niederlage in Frankfurt muss Frank Schmidt am Samstag nicht vornehmen. Lediglich die Außenverteidiger Leonidas Stergiou (Muskelfaserriss) und Leart Pacarada (Reha nach Kreuzbandriss) stehen verletzungsbedingt nicht zur Verfügung.

In der Abwehr dürfte der FCH wieder mit einer Viererkette agieren, in der die Innenverteidiger Benedikt Gimber und Patrick Mainka in den vergangenen Wochen gesetzt waren. Im Mittelfeld zählen Jan Schöppner und Niklas Dorsch zu den Führungsspielern, während die Flügel von Christian Conteh, Eren Dinkci oder auch Arijon Ibrahimovic besetzt werden. Letztgenannter ist vom FC Bayern ausgeliehen und erfolgreichster Scorer des FCH, wurde jedoch in Frankfurt angeschlagen ausgewechselt, sein Einsatz gegen die Werkself ist fraglich.

Probleme

Mit 58 Gegentoren stellt der FCH aktuell die schwächste Defensive der Liga. In keinem der bisher 26 Saisonspiele behielt das Team eine weiße Weste. Anfällig zeigt sich Heidenheim nicht zuletzt bei Kontern: Neun Treffer schluckte die Elf von der Ostalb auf diese Weise – so viele wie sonst nur Eintracht Frankfurt. Auch im Offensivspiel tut sich der FCH schwer. 41 Prozent Ballbesitz sind der zweitschlechteste Wert, der nur noch vom 1. FC Union Berlin (38 Prozent) unterboten wird. Bei der eigenen Trefferausbeute sieht es nicht besser aus: 24 Tore erzielte das Schmidt-Team und belegt in diesem Ranking den vorletzten Platz. Es ist bezeichnend, dass in Stefan Schimmer ein Spieler mit fünf Treffern die interne Torschützenliste anführt, der bei seinen 21 Einsätzen 19-mal als Joker eingewechselt wurde.

Zeichnete den FCH in seiner ersten Bundesliga-Saison 2023/24 noch seine Heimstärke aus, ist die Voith-Arena in den vergangenen beiden Spielzeiten keine Festung mehr. In der laufenden Saison konnte Heidenheim nur zwei Heimspiele gewinnen, sammelte vor eigenem Publikum bislang lediglich zehn Punkte – nur der VfL Wolfsburg ist zu Hause noch einen Punkt schwächer. In den 13 Partien auf der Ostalb musste Heidenheims Keeper Diant Ramaj bereits 31-mal hinter sich greifen. Lediglich Tasmania Berlin (1965/66) und Rot-Weiss Essen (1973/74) kassierten in der Bundesliga-Historie noch jeweils ein Gegentor mehr in den ersten 13 Heimpartien.

Eren Dinkci und Frank Schmidt

Prunkstück

Ohne Torhüter Diant Ramaj hätte der FCH womöglich noch mehr Treffer schlucken müssen. Der 24-Jährige zählt mit konstant guten Leistungen zu den zuverlässigsten Heidenheimern. Gleiches gilt für Kapitän Patrick Mainka, der zu den Top-10-Spielern mit den besten Zweikampfwerten zählt. Apropos Zweikämpfe: In diesem Bereich kommt der Tabellenletzte was Anzahl und Quote betrifft auf einen guten Mittelfeldplatz. Einsatz- und Laufbereitschaft lässt der FCH ohnehin nie vermissen. Die Moral stimmt in der Mannschaft. Immer. Zu selten aber konnte sich das Schmidt-Team für seine couragierten Auftritte belohnen. Am 23. Spieltag etwa hatten die Heidenheimer gegen den VfB Stuttgart in einem wilden Schlagabtausch in der Voith-Arena ein 3:3 geholt. Und dabei gezeigt, dass noch viel Leben in ihnen steckt. Insbesondere der im Januar aus Freiburg an die Brenz zurückgekehrte Eren Dinkci belebt das Offensivspiel des FCH.

Auch beim 2:3 in Dortmund Anfang Februar zeigte das Team eine kämpferisch beeindruckende Leistung, hatte das Spiel nach einem 0:1-Rückstand zwischenzeitlich sogar gedreht und schließlich in der Nachspielzeit noch zwei große Chancen auf den Ausgleich vergeben. „Wir können Mut aus Spielen wie denen gegen Dortmund oder Stuttgart ziehen. Deswegen traue ich uns immer noch eine Serie zu“, sagt Hennes Behrens. Und vielleicht ist der ganz große Druck des Gewinnen-müssens nun auch weg. Viel zu verlieren hat der 1. FC Heidenheim nicht mehr.

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