Gegner-Check: Treffsicheres Duo sorgt für Furore im Angriff

Mit einem Auswärtssieg bei Borussia Mönchengladbach hatte sich der 1. FSV Mainz 05 in die zurückliegende Länderspielphase verabschiedet. Als Tabellensechster wollen die auswärtsstarken Rheinhessen nun im Duell mit der Werkself an diesem Samstag, 10. Oktober (Anstoß: 15.30 Uhr/live bei Sky, RTL, WOW und im Werkself-Radio), ihren guten Ligastart zu Hause fortsetzen. Personell bieten sich Urs Fischer dabei wieder mehr Alternativen an als zuletzt. Vorne dürfte der FSV-Trainer aber weiterhin auf das aktuell erfolgreichste Sturmduo der Liga setzen. Der Gegner-Check.
Sheraldo Becker und Phillip Tietz

Position

Der 1. FSV Mainz 05 ist durchaus ambitioniert in diese Saison gegangen. Die Rheinhessen legten mit einem ordentlich verstärkten und verjüngten Kader eine gelungene Vorbereitung hin. Nach Platz zehn in der vergangenen Spielzeit trauen nicht wenige den 05ern in der aktuellen Saison wieder die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb zu. Und nach den ersten vier Spieltagen bestätigen sieben Punkte und Platz sechs diese positive Einschätzung. Zwei Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage, 10:6 Tore: Damit erwischte Mainz seinen besten Bundesliga-Start seit vier Jahren; zehn Treffer nach vier Partien sind zudem eingestellter Vereinsrekord für diesen Saisonzeitpunkt. Im DFB-Pokal steht das Team von Trainer Urs Fischer ebenfalls in der zweiten Runde, in der der FSV am 27. Oktober beim VfL Bochum 1848 antreten wird.

Besonders stark präsentierte sich Mainz bislang auswärts, holte sechs seiner sieben Punkte in der Fremde. Nach dem 0:0 zu Hause gegen den SC Paderborn folgte ein 5:0 beim Hamburger SV. Im Rhein-Main-Derby setzte es anschließend zwar gegen Eintracht Frankfurt eine 1:3-Heimniederlage. Aber in der letzten Partie vor der langen Länderspielphase meldeten sich die 05er mit einem spektakulären 4:3 bei Borussia Mönchengladbach zurück. Dort entschied der FSV die Partie trotz frühen Rückstands und des zwischenzeitlichen Gladbacher Ausgleichs für sich. „Unser Wille und die Mentalität waren der Schlüssel, immer wieder ins Spiel zurückzufinden“, sagte FSV-Sportdirektor Niko Bungert.

Kämpfen und Charakter zeigen werden die Mainzer, die am vergangenen Wochenende ein Testspiel beim Drittligisten SV Waldhof Mannheim 3:0 gewannen, sicher auch an diesem Samstag wieder. Zu Hause warten die 05er freilich noch auf ihren ersten Saisonsieg. Spielzeitübergreifend konnte Mainz seine vergangenen fünf Bundesliga-Heimspiele allesamt nicht gewinnen. Der letzte Sieg gegen die Werkself vor eigenem Publikum liegt bereits viereinhalb Jahre zurück. Überhaupt zählt Bayer 04 nicht unbedingt zu den Lieblingsgegnern der Rheinhessen: Nur zwei der vergangenen 17 Bundesligaduelle gegen Schwarz-Rot konnte Mainz für sich entscheiden.

„Unser Wille und die Mentalität waren der Schlüssel, immer wieder ins Spiel zurückzufinden.Mainz-Sportdirektor Niko Bungert nach dem 4:3-Sieg bei Borussia Mönchengladbach

„Jetzt aber heißt es: voller Fokus auf Leverkusen, die nächsten drei Punkte und den ersten Heimsieg“, sagt Torjäger Phillip Tietz jüngst im Interview mit dem kicker. „Wir wissen schon um die riesige Qualität von Bayer 04. Natürlich sind sie für dieses Spiel der absolute Favorit. Aber uns ist es egal, wer auf der anderen Seite steht. Wir werden als Mannschaft geschlossen auftreten und alles Erdenkliche tun, um die drei Punkte hierzubehalten.“

Personal

Nach der langen Bundesliga-Pause kann Fischer gegen die Werkself personell fast wieder aus dem Vollen schöpfen. Ausfallen werden am Samstag weiterhin lediglich Torhüter Robin Zentner, Innenverteidiger Dominik Kohr sowie die beiden Offensivspieler Otto Ruoppi und Silas. Für Keeper Zentner geht es zwar langsam aufwärts, aktuell wird die eigentliche Nummer 1 aber noch von Alexander Schwolow vertreten. Spielmacher Paul Nebel trainierte dagegen nach zweimonatiger Adduktoren-Verletzungspause wieder mit der Mannschaft und könnte gegen die Werkself erstmals in dieser Saison im Kader stehen. Auch Kapitän Silvan Widmer meldete sich nach Knieproblemen zurück. Ebenso wie Neuzugang Fabio Gruber (Kniereizung), der sich nach seinem Wechsel von Zweitligist 1. FC Nürnberg sofort einen Stammplatz in der Mainzer Innenverteidigung sicherte.

Nicht nur in der Dreier-Abwehrkette setzte Fischer in den vergangenen drei Ligaspielen auf Kontinuität. Neben Gruber verteidigten zuletzt stets Kacper Potulski und Stefan Posch. Letzterer war bereits in der vergangenen Rückrunde vom italienischen Erstligisten Como 1907 auf Leihbasis nach Mainz gekommen und hatte sich dort schnell zum Leistungsträger entwickelt. Auch im Fünfer-Mittelfeld und im Angriff vertraute Fischer in den zurückliegenden Wochen auf eine eingespielte Formation. Philipp Mwene (links) und Anthony Caci besetzten die Schienenpositionen. Im Zentrum agierten Abräumer Kaishu Sano, Zehner Nadiem Amiri und der Südkoreaner Jae-sung Lee, der am Dienstag noch 45 Minuten für sein Nationalteam gegen Usbekistan (2:0) im Einsatz war. Möglicherweise könnten am Samstag auch der Ex-Kölner Eric Martel oder der genesene Nebel eine Option für die Startelf sein.

Im Angriff hat Fischer ebenfalls die Qual der Wahl. Sheraldo Becker und Phillip Tietz bilden das bislang perfekt harmonierende Sturmduo. Aber auch Neuzugang Ransford Königsdörffer (Hamburger SV) und Benedict Hollerbach überzeugten zuletzt jeweils mit einem Treffer gegen Mannheim.

Nadiem Amiri und Urs Fischer
Der verlängerte Arm des Trainers: Urs Fischer im Gespräch mit Mittelfeld-Regisseur und Ex-Bayer 04-Profi Nadiem Amiri

Probleme

Nachdem die Mainzer in den ersten drei Pflichtspielen keinen einzigen Treffer hatten einstecken müssen, kassierten sie in den beiden vergangenen Partien zusammen sechs Gegentore. Für eine stabile Defensive spricht das noch nicht. Coach Fischer kritisierte nach dem 1:3 in Frankfurt ausdrücklich die fehlenden Basics, die Eintracht habe zu viele Zweikämpfe und zweite Bälle gewonnen. Zudem haben bislang Leistungsträger der vergangenen Saison wie Amiri, Caci, Mwene und Lee noch nicht ihr Topniveau erreicht. Vor allem zu Hause in der MEWA ARENA konnten die 05er noch nicht wirklich überzeugen.

Prunkstück

Von den zehn Toren der Mainzer gehen sechs auf das Konto von Tietz (4) und Becker (2). Letzterer bereitete zudem drei Treffer vor und startet mit seiner enormen Geschwindigkeit regelmäßig in die Räume hinter die Abwehr. Das Stürmerduo präsentiert sich seit Wochen in bestechender Form. Warum es mit den beiden so gut funktioniert, erklärt Tietz so: „Die Laufwege passen momentan optimal. Und als Spielertypen ergänzen wir uns sehr gut: Er der kleine, schnelle, der in die Tiefe geht. Ich der große, der Zweikämpfe führt, die Bälle festmacht und verteilt.“ Aufpassen sollte die Werkself auch bei den Standards der Mainzer: Vier Treffer erzielte der FSV bereits nach ruhenden Bällen – aktuell geteilter Bestwert in der Liga.

Schnelles Umschalten, eine starke Mentalität, aggressives Pressing – das alles zählt ohnehin zur fußballerischen Mainzer Grundausstattung. Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie nicht nur mit personellen Rückschlägen wie den Verletzungen der Führungskräfte Zentner, Kohr und Nebel gut umgehen kann, sondern auch imstande ist, die richtige Reaktion nach schwächeren Spielen zu zeigen.

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