
Sie hätten die 35-Punkte-Marke gerne geknackt. Chancen dazu waren reichlich vorhanden beim 2:2 am vergangenen Wochenende gegen die TSG Hoffenheim. Und auch der Start ins Spiel hätte für den FC Augsburg besser nicht laufen können. Die Offensivkräfte Alexis Claude-Maurice und Michael Gregoritsch hatten bereits nach 14 Minuten für eine 2:0-Führung gesorgt. Die TSG konnte aber noch vor der Pause ausgleichen, „weil wir in beiden Situationen zu sorglos waren“, wie FCA-Trainer Manuel Baum monierte. Dennoch wäre in der zweiten Hälfte noch mehr drin gewesen für seine Mannschaft, die fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit den Lucky Punch auf dem Fuß hatte. Weil der starke Claude-Maurice jedoch vom Elfmeterpunkt scheiterte, blieben die Fuggerstädter auch im fünften Spiel in Folge ohne Sieg. Baum zollte den Seinen dennoch ein Lob: „Über 90 Minuten haben wir gegen eine der besten Mannschaften der Bundesliga eine gute Leistung gezeigt“, betonte der Coach der Fuggerstädter. „Es spricht für eine schöne, ambitionierte Haltung, die wir in Augsburg gerade entwickeln, dass wir, wenn eine der Topmannschaften kommt, sagen: Wir haben eine Chance, wir hauen alles rein.“ Zufrieden mit der eigenen Leistung, wenn auch nicht mit dem Ergebnis, zeigte sich Torschütze Gregoritsch, der „eine klare Steigerung“ im Vergleich zu den vergangenen Spielen feststellte. „Aber wir haben uns leider nicht belohnt“, so der Österreicher, der gleich eine Kampfansage in Richtung des nächsten Gegners machte: „Jetzt wollen wir in Leverkusen den Sieg aus der Hinrunde wiederholen.“
Anfang Dezember vergangenen Jahres hatte Augsburg beim Amtsantritt von Baum durch Treffer von Dimitrios Giannoulis und Anton Kade 2:0 gegen die Werkself gewonnen. Unter dem Nachfolger von Sandro Wagner gelang dem FCA die Trendwende. Er fügte dem FC Bayern München am 19. Spieltag in dessen eigenem Stadion die erste Saisonniederlage in der Bundesliga zu (2:1), gewann auch vier der fünf folgenden Partien und stand Ende Februar nach einem 2:0 gegen den 1. FC Köln auf Rang neun. Anschließend folgten drei Niederlagen gegen die Top-Teams RB Leipzig (1:2), Borussia Dortmund (0:2) und VfB Stuttgart (2:5), ehe an den vergangenen beiden Spieltagen mit dem 1:1 gegen den HSV und dem 2:2 gegen Hoffenheim wieder gepunktet werden konnte. Aktuell rangieren die Fuggerstädter mit 33 Punkten auf Platz zehn. Vor den finalen fünf Begegnungen beträgt der Vorsprung vor dem Relegationsrang acht Punkte, zwölf Zähler sind es bis zu einem direkten Abstiegsplatz. Um den Klassenerhalt müssen sie sich keine allzu großen Sorgen mehr machen. Zumal das Restprogramm für den FCA noch Duelle mit dem SV Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Union Berlin vorsieht. Allesamt Teams aus der unteren Tabellenhälfte.
Die erfreulichste Personalie bei den Fuggerstädtern war beim 2:2 gegen Hoffenheim die Rückkehr ihres Kapitäns: Nach fünfmonatiger Verletzungspause gab Jeffrey Gouweleeuw ein einstündiges Comeback beim FC Augsburg. Der Niederländer hatte sich das Innenband verletzt, war operiert worden und nahm sich anschließend die Zeit, „die dein Körper einfach braucht, bis es wieder gut ist“, so der 34-Jährige, der im Januar dieses Jahres sein zehnjähriges FCA-Jubiläum gefeiert hatte. Gegen Hoffenheim ersetzte Gouweleeuw den gelbgesperrten Keven Schlotterbeck in der Innenverteidigung und glänzte gleich als Vorbereiter beim 2:0 von Gregoritsch. Am Samstag dürfte der Kapitän wieder gemeinsam mit Schlotterbeck in der Verteidigung stehen. Als dritter Mann in der Kette stehen Noahkai Banks, Cedric Zesiger oder Arthur Chaves zur Verfügung. Ohnehin hat Baum fast wieder alle Mann an Bord. Verzichten muss der Coach lediglich auf Innenverteidiger Chrislain Matsima (Sehnenabriss im Oberschenkel).
Im Mittelfeld steht Han-Noah Massengo nach überstandener Krankheit wieder bereit. Zuletzt vertraute Baum im Zentrum auf Robin Fellhauer und Fabian Rieder. Letzterer fühlt sich auf der Sechser-Position nach eigenem Bekunden „richtig, richtig wohl“. Eigentlich war der im Sommer von Stade Rennes verpflichtete Schweizer Nationalspieler für eine offensivere Rolle vorgesehen. In den vergangenen beiden Spielen agierte der 24-Jährige aber aus der tieferen Position heraus. „Ich kann viele Impulse setzen, vor allem im Umschaltspiel, oder dann auch mal mit Ball einen guten Pass spielen und im Zweikampf giftig sein“, sagt Rieder, der mit acht Scorerpunkten (vier Tore, vier Assists) zweitbester Augsburger nach Claude-Maurice (5/6) ist.
Als Schienenspieler könnten gegen die Werkself Dimitrios Giannoulis (links), Marius Wolf oder auch Robin Fellhauer auflaufen, sofern dieser von Massengo in der Mittelfeld-Zentrale ersetzt werden sollte. Vorne dürften Claude-Maurice und Gregoritsch gesetzt sein. Eine Option ist Rodrigo Ribeiro: Der Portugiese glänzte beim 2:0-Erfolg gegen den 1. FC Köln im 500. Bundesligaspiel der Augsburger nicht nur wegen seines Hacken-Tores.
Trotz seines hohen kämpferischen Einsatzes hat der FC Augsburg nach wie vor Probleme in der Defensive. Mit 53 Gegentoren zählt die Abwehrreihe der Fuggerstädter zu den schwächsten der Liga. Allein in den vergangenen fünf Partien musste Torhüter Finn Dahmen zwölfmal den Ball aus dem Netz holen. Auswärts ist der FCA seit 18 Bundesligaspielen ohne Weiße Weste. Neun von 14 Duellen auf des Gegners Platz gingen in der aktuellen Saison verloren. Demgegenüber stehen nur drei Siege und zwei Remis.

Schnörkelloses, schnelles Spiel nach vorne: Das zeigten die Fuggerstädter unter anderem sowohl beim 2:0 gegen Bayer 04 als auch wenige Wochen später beim 2:1-Sieg in München. In der Offensive harmonieren vor allem Claude-Maurice und Gregoritsch sowie Anton Kade und der aus dem Mittelfeld kommende Rieder immer besser. Zudem überzeugt der FCA in allen Partien mit hoher Intensität – defensiv wie offensiv. Wie robust Augsburg zu Werke geht, beweisen nicht zuletzt die 74 Gelben Karten, die sich das Team abholte – Höchstwert in der Liga. Auch was die Anzahl der Zweikämpfe betrifft, zählen die bayerischen Schwaben zu den führenden Mannschaften im Fußball-Oberhaus. Das Baum-Team stresst seine Gegner oft früh und versucht über hohe Ballgewinne Druck zu machen. Torgefährlich sind dabei nicht nur die Offensivkräfte. Bereits 17 verschiedene Schützen weisen die Rot-Grün-Weißen inzwischen auf – das ist der viertbeste Wert im Tableau. Auch wenn der Ballbesitzanteil häufig unter 40 Prozent liegt, kreiert der FCA dank seines zielstrebigen Umschaltspiels regelmäßig viele Chancen.

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