
Seit Urs Fischer die Mannschaft des 1. FSV Mainz 05 übernommen hat, geht es aufwärts mit den Rheinhessen. Als der Schweizer im Dezember vergangenen Jahres die Nachfolge von Bo Henriksen antrat, waren die Nullfünfer mit sechs Punkten Tabellenschlusslicht. Inzwischen sind sie auf Rang 13 geklettert, haben 22 Punkte auf dem Konto. Gäbe es eine Tabelle für das laufende Kalenderjahr 2026, stünde Mainz mit 14 Punkten aus acht Bundesligaspielen auf Platz fünf. Fischer hat einer verunsicherten Truppe schnell wieder Selbstvertrauen und den Glauben an die eigenen Stärken zurückgegeben. Fünf Siege, fünf Remis, nur zwei Niederlagen – das ist Fischers Bilanz nach zwölf Pflichtspielen. Unter anderem holte Mainz ein 2:2 beim FC Bayern München und gewann 2:1 bei RB Leipzig.
„Der Trainer hat eine rationale und logische Denkweise, gibt uns spezifische Anweisungen und sorgt für klare Strukturen – das hilft uns allen sehr“, beschreibt Jae-sung Lee den Coach, der am vergangenen Wochenende seinen 60. Geburtstag feierte. Ein weiterer Sieg sprang an seinem Ehrentag allerdings nicht heraus. Gegen den Hamburger SV reichte es nur zu einem 1:1. „Wir sind nicht gut reingekommen in der ersten halben Stunde, haben dann aber das Spiel dominiert“, sagte Nadiem Amiri, der sein Team mit einem Volleyschuss nach einer Flanke von Danny da Costa kurz vor der Pause in Führung gebracht hatte. Dass es am Ende doch nicht zum Sieg reichte, lag an Hamburgs Fabio Vieira, dessen abgefälschter Freistoß zum 1:1 führte. „Es sind zwei verlorene Punkte und trotzdem müssen wir den Kopf hochhalten und weiter sammeln“, sagte Amiri. Urs Fischer sah es ähnlich: „Wieder ein Punkt mehr auf dem Konto. Es wird ganz eng bis zum Schluss sein. Ich habe immer gesagt: Jeder Punkt kann uns am Ende helfen.“ Denn trotz des Aufschwungs unter dem Schweizer bleibt es für Mainz im Bundesliga-Keller brandgefährlich. Der direkte Abstiegsplatz 17 liegt nur drei Punkte entfernt.
Auch international sind die Rot-Weißen noch gefordert. In der UEFA Conference League qualifizierten sie sich in der Ligaphase als Tabellensiebter direkt für das Achtelfinale. In diesem trifft Mainz Mitte März auf den tschechischen Klub SK Sigma Olmütz. Erst einmal gilt die volle Konzentration aber der nächsten Aufgabe am Samstag in Leverkusen. Jae-sung Lee: „Dass wir mit unserem Mainzer Fußball erfolgreich sind und punkten können, haben die Auswärtsspiele in München und Leipzig gezeigt – genauso müssen wir auch in Leverkusen auftreten.“ In der Hinrunde unterlag der FSV zu Hause der Werkself in einer bis zum Schluss spannenden Partie 3:4.
Fehlen werden den Mainzern in Leverkusen weiterhin die verletzten Innenverteidiger Andreas Hanche-Olsen (muskuläre Probleme), Stefan Bell (Innenbandzerrung) und Maxim Dal (Kreuzbandriss). Auf dieser Position hat Fischer aber ausreichend Alternativen, der Mainzer Kader verfügt über sieben Innenverteidiger. Zuletzt übernahm der 18 Jahre junge Kacper Potulski die Rolle in der Dreierkette an der Seite der erfahrenen Stefan Posch und Dominik Kohr. Kapitän Silvan Widmer steht nach einer Gelb-Sperre wieder zur Verfügung und könnte anstelle von Philipp Mwene wieder auf die linke Schiene rücken. Sein Pendant auf der rechten Seite dürfte Danny da Costa sein. Wie Kohr und Amiri ist auch da Costa ein ehemaliger Leverkusener. Das Trio zählt längst zu den Eckpfeilern im Spiel der Mainzer. Während Amiri als Taktgeber und Vollstrecker glänzt, ist der Japaner Kaishu Sano die defensive Schaltzentrale im Mittelfeld. Als einziger Nullfünfer stand der 25-Jährige bisher in allen 23 Ligaspielen in der Startformation – und ging dabei immer über die volle Distanz. Schon in der vergangenen Saison, seiner ersten für die Rheinhessen, hatte der Nationalspieler sämtliche Bundesliga-Partien von Beginn an bestritten. Sano ist der absolute Dauerbrenner bei den Rot-Weißen und wie Amiri eigentlich unverzichtbar. Gleiches gilt für den Südkoreaner Jae-sung Lee. Der 33-Jährige verlängerte vor zwei Wochen seinen Vertrag bei den Mainzern über das Saisonende hinaus.
Im Angriff hat Fischer nicht zuletzt durch die Winter-Neuzugänge Sheraldo Becker (Leihspieler von CA Osasuna), Phillip Tietz (FC Augsburg) und Silas (VfB Stuttgart) sehr viel mehr Optionen als noch Ende vergangenen Jahres. Auf die beiden Letzteren setzte Urs Fischer in den vergangenen drei Partien als Sturmduo. Tietz traf bislang einmal, bereitete zwei weitere Tore vor. Silas netzte ebenfalls einmal ein. Becker kam über drei Joker-Einsätze noch nicht hinaus. Auch Mittelstürmer Nelson Weiper, der zuletzt gegen den HSV erkrankt fehlte, ist eher eine Option von der Bank. Für Benedikt Hollerbach hingegen ist die Saison gelaufen: Der 24-Jährige zog sich Ende Januar einen Riss der rechten Achillessehne zu. Fehlen werden den Mainzern in Leverkusen zudem die Außenverteidiger Kasey Bos (Reha nach Schulter-OP) und Anthony Caci (Reha-Training ) sowie krankheitsbedingt die Mittelfeldspieler Nikolas Veratschnig und Sota Kawasaki.
Nur fünf der 26 Mainzer Tore erzielten die Stürmer. Der FSV-Angriff ist trotz der personellen Verstärkungen im Winter immer noch wenig durchschlagskräftig. In neun Ligaspielen blieben die Rheinhessen ohne eigenen Treffer – nur Borussia Mönchengladbach und der SV Werder Bremen kommen auf ein torloses Spiel mehr. Spielerisch und im Abschluss hat Mainz noch Luft nach oben. Anzahl der Pässe und Passquote, Torschüsse, Schussgenauigkeit – bei diesen Kennzahlen liegt das Fischer-Team weit unten. Was die Gegentore betrifft: In der Anfangsviertelstunde sind die Rot-Weißen anfällig und kassierten in diesem Zeitraum bereits neun Treffer – so viele wie kein anderes Team. Vor allem in der Luft haben die Mainzer offensichtlich Probleme und belegen mit zehn Kopfball-Gegentoren in diesem Ranking den vorletzten Platz. Dass der FSV hart zur Sache geht, ist hinlänglich bekannt. Mit fünf Platzverweisen und 54 Gelben Karten – jeweils die zweithöchsten Werte im Tableau – sind etliche Spielminuten in Unterzahl und Sperren verbunden.
Der wohl wichtigste Spieler bei den Mainzern ist Nadiem Amiri. Mit zehn Toren (darunter sieben Elfmeter) und drei Assists ist der Ex-Bayer 04-Profi an jedem zweiten Treffer der Rheinhessen direkt beteiligt. Selbst HSV-Trainer Merlin Polzin schwärmte nach dem 1:1 vom 29-Jährigen: „Ein herausragender Spieler. Man kann sich an ihm reiben, er schafft es immer wieder, für eine gute Emotionalität zu sorgen. Es macht einfach Spaß, ihm zuzusehen.“ Unter Urs Fischer hat sich Amiri noch einmal weiterentwickelt. „Wenn Nadiem so weitermacht, sollte er bei Julian Nagelsmann in der Verlosung sein“, warb der Mainzer Trainer nach einem erneut starken Aufritt Amiris gegen den HSV für dessen Nominierung im deutschen WM-Kader. Die Nummer 10 der Rot-Weißen ist nicht nur torgefährlichster FSV-Spieler und Standard-Spezialist, sondern auch als lauf- und zweikampfstarker Defensivarbeiter wertvoll.
Apropos Defensive: Es wundert nicht, dass die robusten Mainzer unter allen Bundesligisten die meisten Zweikämpfe pro Spiel führen. Die besten Werte weist hier Kaishu Sano auf. Als Sechser hat der Japaner eine Zweikampfquote von 64,8 % und liegt damit unter den Top Ten aller Bundesligaspieler. In der Defensive kommt auch Torhüter Daniel Batz auf einen Spitzenwert. Der mit 35 Jahren älteste Mainzer hütet seit Mitte Dezember vergangenen Jahres anstelle der verletzten Nummer 1 Robin Zentner das FSV-Tor. Batz hat eine Abwehrquote von 73,2 % und führt damit das Torhüter-Feld in der Liga an.

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