Gegner-Check: Glaube und Selbstvertrauen sind zurück beim FCH

Nicht wenige Fußball-Experten hatten den 1. FC Heidenheim 1846 zwischenzeitlich schon abgeschrieben. Das Team von Trainer Frank Schmidt war vor wenigen Wochen noch Tabellenletzter. Die zweite Bundesligasaison für den Klub von der Ostalb schien gelaufen. Doch inzwischen steht der FCH auf dem Relegationsrang, ist seit drei Spielen ungeschlagen und geht an diesem Samstag, 5. April (Anstoß: 15.30 Uhr), selbstbewusst ins Duell mit der Werkself. Der Gegner-Check.
1. FC Heidenheim 1846

Position

Heidenheim hat einen kleinen Lauf: Zwei Siege in Folge, seit drei Spielen ungeschlagen – damit ist das Team von Trainer Frank Schmidt wieder auf Rang 16 geklettert. Der Relegationsplatz bleibt aber heiß umkämpft. Der FC St. Pauli hat als Tabellen-15. noch drei Punkte Vorsprung, der VfL Bochum 1848 als Tabellen-16. liegt Heidenheim mit nur zwei Punkten Rückstand im Nacken. Dennoch: Der 1:0-Auswärtssieg in der vergangenen Woche beim VfL Wolfsburg dürfte dem FCH ordentlich Auftrieb gegeben haben im Kampf um den Klassenerhalt. Es war ein Befreiungsschlag der Schwaben, die Anfang März nach einer 0:3-Heimniederlage gegen Mönchengladbach auf den letzten Platz abgerutscht waren. Bei den Wölfen zeigte Heidenheim nun nicht nur eine konzentrierte Abwehrleistung, sondern setzte auch immer wieder offensive Akzente. Am Ende reichte der früh verwandelte Elfmeter von Marvin Pieringer nach einer Viertelstunde für drei hochverdiente Punkte. „Ich finde, dass wir ein gutes Auswärtsspiel gemacht und sehr geschlossen agiert haben“, lobte Schmidt, der seit über 17 Jahren Cheftrainer auf der Ostalb ist. Seine Mannschaft hatte schon vor der Länderspielphase nach einem 1:1 bei der TSG Hoffenheim einen enorm wichtigen 3:1-Heimerfolg im direkten Kellerduell mit Holstein Kiel eingefahren. Es war der erste Bundesliga-Sieg für Heidenheim seit zwei Monaten.

Der Klub aus dem Osten Baden-Württembergs, der sich im vergangenen Jahr als Bundesliga-Neuling auf Platz acht sogar gleich für die UEFA Conference League qualifizieren konnte, schöpft nun wieder Hoffnung. „Das waren auf jeden Fall ‚Big Points‘ im Abstiegskampf“, hielt Kapitän Patrick Mainka nach dem 1:0 beim VfL fest: „Das bringt den Glauben und das Selbstvertrauen zurück.“ Auch Torjäger Marvin Pieringer zeigte sich erleichtert: „Viele haben uns in den letzten Monaten am Boden gesehen, das waren wir vielleicht auch. Aber nach den Siegen gegen Kiel und Wolfsburg ist mittlerweile auch jedem wieder bewusst, dass immer mit uns zu rechnen ist.“

Personal

Der gegen Wolfsburg gelbgesperrte Abwehrspieler Omar Traoré steht am Samstag gegen Bayer 04 wieder zur Verfügung. Gut möglich, dass der rechte Außenverteidiger wieder in die Startelf zurückkehrt. Neben Torhüter Kevin Müller und Innenverteidiger Patrick Mainka dürften im Defensivverbund wie zuletzt auch Tim Siersleben und Benedikt Gimber zum Einsatz kommen. Im zentralen Mittelfeld haben sich in den vergangenen Partien Niklas Dorsch und Jan Schöppner als stabiles Duo bewährt. Für die offensiven Akzente sind unter anderem Adrian Beck und Leo Scienza zuständig. Die jungen, vom FC Bayern München ausgeliehenen Mittelfeldspieler Frans Krätzig und Paul Wanner sind ebenfalls Kandidaten für die Startformation. Im Angriff ist Mittelstürmer Marvin Pieringer seit Wochen in bestechender Form und mit sieben Treffern (zwei Assists) erfolgreichster Torschütze der Brenzstädter.

Neben ihm hat sich inzwischen Winter-Neuzugang Budu Zivzivadse bewährt. Der georgische Nationalspieler kam im Januar vom Karlsruher SC, war bis zu seinem Wechsel mit zwölf Treffern in 17 Spielen Top-Torschütze der 2. Bundesliga. Bei seinem neuen Arbeitgeber brauchte der 31-Jährige eine etwas längere Anlaufzeit. Er traf beim 1:1 gegen Hoffenheim erstmals im zehnten Liga-Spiel für den FCH, kommt inzwischen in zwölf Einsätzen auf zwei Tore und zwei Assists. Zivzivadze verletzte sich in Wolfsburg allerdings am Knöchel, hinter seinem Einsatz am Samstag steht deshalb noch ein Fragezeichen. Zurück im Kader ist Heidenheims bisher zweiterfolgreichster Torschütze: Mathias Honsak (vier Treffer, ein Assist) steht nach seiner Muskelverletzung wieder zur Verfügung.

Probleme

Sehr lange in der laufenden Saison war von der Heidenheimer Offensive wenig zu sehen. Der Weggang von Tim Kleindienst, Jan-Niklas Beste und Eren Dinkci schmerzte spürbar. Das Trio hatte in der Bundesliga-Premierensaison des FCH zusammen 30 von 50 Toren erzielt. Angriffswucht und Durchschlagskraft fehlten den Schwaben bislang über weite Strecken. Beim 0:3 zu Hause gegen Mönchengladbach präsentierte sich Heidenheim „erschreckend chancenlos“, wie es Torhüter Kevin Müller formulierte. Gerade vor eigenem Publikum tun sich die Rot-Blau-Weißen schwer. In der Voith-Arena gewann Heidenheim nur 3 von 13 Spielen (bei einem Remis und neun Niederlagen). Mit zehn Punkten ist das Schmidt-Team die schwächste Heimmannschaft der Liga. Die insgesamt schwierige Lage hat zum Teil auch mit mangelnder defensiver Stabilität zu tun: Der FCH hat mit 52 Toren nach 27 Spieltagen schon fast so viele kassiert wie in der gesamten vergangenen Saison (55).

Prunkstück

Im Saisonendspurt scheint Heidenheim zu alter Stärke zurückzufinden. Die Mannschaft zeigte sich in den vergangenen Spielen wieder als geschlossene Einheit, in der die Balance stimmt. Sie bot läuferisch, kämpferisch und taktisch überzeugende Leistungen. Nutzte ihre Chancen wieder effektiver. „Eigenbefindlichkeiten“ von einzelnen Spielern, die Frank Schmidt zuletzt kritisiert hatte, sind wieder zugunsten des Teamgedankens in den Hintergrund getreten. Was keineswegs heißt, dass man auf der Ostalb individuelle Klasse nicht zu schätzen wüsste. Budu Zivzivadze ist ein gutes Beispiel. Der Torjäger scheint angekommen zu sein in Heidenheim. Seinem ersten, wunderschönen Tor zum Ausgleich in Sinsheim ließ der Georgier eine Woche später gegen Kiel gleich seinen zweiten Treffer folgen. Das Zusammenspiel mit Sturmpartner Marvin Pieringer funktioniert immer besser. „Budu ist einer, der – ähnlich wie Tim Kleindienst – extrem viel unterwegs ist und für die Mannschaft arbeitet“, sagt Abwehrspieler Marnon Busch über Zivzivadze. Und so einen Typ kann der 1. FC Heidenheim 1846 gerade im Kampf um den Klassenerhalt gut gebrauchen.

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