
Seit sieben Bundesliga-Spielen hat der SV Werder nicht mehr gewonnen. Zuletzt hätte es fast mal wieder geklappt mit drei Punkten. Aber durch ein Last-Minute-Tor sicherte sich Eintracht Frankfurt am vergangenen Wochenende dann doch noch einen Punkt beim Gastspiel in Bremen, nachdem Werder zuvor zweimal nach einem Rückstand zurückgekommen war und das Spiel zwischenzeitlich sogar hatte drehen können. „Die drei Punkte lagen vor uns, aber wir haben sie uns leider nicht genommen“, sagte SVW-Trainer Horst Steffen nach dem 3:3. „Wenn man den Spielverlauf sieht, dann muss man das Spiel gewinnen. Grundsätzlich haben wir vor allem im zweiten Durchgang eine gute Spielanlage gezeigt. Doch die Enttäuschung nach der Partie ist groß und wir müssen das jetzt erstmal verdauen. Unterm Strich fehlen uns zwei Punkte.“ Auch Jens Stage, der zum 2:2 getroffen hatte, war geknickt: „Die Phase ist aktuell schwierig für uns. Wir müssen zusammenstehen und weiterarbeiten. Dann kommen die Punkte.“
Der letzte Werder-Sieg liegt knapp drei Monate zurück. Mit dem 2:1 zu Hause gegen den VfL Wolfsburg endete am 7. November 2025 eine kurze Herbst-Erfolgsserie der Bremer. Das Steffen-Team war nach dem dritten Sieg aus fünf Spielen (bei zwei Remis) in der Tabelle bis auf Rang acht vorgerückt. Anschließend rutschte der SVW nach vier Niederlagen und drei Unentschieden bis auf Platz 13 ab. Ins neue Jahr war Bremen mit einer 0:3-Niederlage bei Borussia Dortmund gestartet, hatte aber wie eine Woche später beim 3:3 gegen Frankfurt auch dort eine über weite Strecken ordentliche Leistung gezeigt. Werder-Sportchef Clemens Fritz gibt sich denn auch mit Blick auf die kommenden Aufgaben kämpferisch: „Wir wissen alle, in welcher Situation wir uns befinden. Wir haben in den letzten Wochen nicht die Punkte geholt, die wir uns vorgestellt haben. Trotzdem ist mir wichtig, dass wir positiv nach vorne blicken. Gemeinsam werden wir uns aus der Situation befreien.“
Vor allem in der Abwehr ist die Personallage bei den Bremern angespannt. Die beiden Innenverteidiger Niklas Stark (Hüftbeschwerden) und Maximilian Wöber (muskuläre Probleme) werden auch am Samstag noch nicht zur Verfügung stehen. Wöber kam in dieser Saison bis auf einen Einsatz in der ersten Runde des DFB-Pokals (0:1 bei Arminia Bielefeld) verletzungsbedingt noch gar nicht zum Zug. Außenverteidiger Felix Agu konnte nach mehrmonatiger Verletzungspause zwar in dieser Woche erstmals wieder Teile des Mannschaftstrainings mitmachen, ist aber für die Partie gegen Bayer 04 noch keine Option. Der Ex-Leverkusener Mitchell Weiser (Kreuzbandriss) wird noch länger fehlen. „Die Lage ist sehr herausfordernd“, sagt Sportchef Fritz. „Wir haben aktuell drei Jungs, die spielen, und Julian Malatini als Back-up dahinter.“ Zuletzt waren Youngster Karim Coulibaly, Kapitän Marco Friedl und Amos Pieper in der Dreierkette gesetzt.
Als Schienenspieler agierten in den vergangenen drei Partien der von Leeds United ausgeliehene Isaac Schmidt (links) und Yukinari Sugawara. Der Japaner, seit Ende August 2025 vom FC Southampton an Werder ausgeliehen, zählt mit vier Assists gemeinsam mit Samuel Mbangula und nach Romano Schmid (5) zu den besten Vorbereitern bei den Bremern. Sugawara sucht aber auch selbst immer wieder den eigenen Abschluss.
Im zentralen Mittelfeld läuft bei den Grün-Weißen alles über Senne Lynen und Jens Stage, dem mit sechs Treffern bislang erfolgreichsten Torschützen im Team. In der Offensive zählen neben Romano Schmid die Stürmer Marco Grüll und Justin Njinmah sowie der im vergangenen Sommer von Juventus Turin verpflichtete Samuel Mbangula zu den Stammkräften. Vor wenigen Wochen holte Werder zudem Jovan Milosevic auf Leihbasis vom VfB Stuttgart. Der 20 Jahre alte Serbe erzielte gleich bei seinem zweiten Einsatz für die Werderaner beim 3:3 gegen Frankfurt einen Treffer. Der von Bayer 04 ausgeliehene Victor Boniface muss hingegen am Samstag gegen seine ehemaligen Kollegen wegen einer Knieverletzung weiterhin pausieren.
Nach zuvor drei Spielen ohne eigenen Torerfolg gelangen dem SVW in der vergangenen Woche gegen die Eintracht, das Team mit der schwächsten Defensive der Liga, gleich drei Treffer. Damit war die kleine Torflaute zwar überwunden. Insgesamt aber stand bei den Bremern in dieser Saison in 18 Pflichtspielen vorne bereits siebenmal die Null. In den letzten zehn Partien erzielte Werder nur fünf Stürmer-Tore. Erfolgreichster Schütze der Mannschaft ist in Jens Stage bezeichnenderweise ein Mittelfeldspieler. Auch beim 3:3 gegen die Werkself in der Hinrunde zählten mit Isaac Schmidt und Karim Coulibaly zwei Verteidiger zu den Werder-Torschützen. Die Angreifer Justin Njinmah (4), Marco Grüll (2) und Samuel Mbangula (3) kommen zusammen auf neun Treffer. Keke Topp ging bei zwölf Einsätzen bislang ebenso leer aus wie Victor Boniface in elf Spielen. Vielleicht erweist sich VfB-Leihgabe Milosevic als Glücksgriff im Sturm. Mehr Durchschlagskraft und Zielstrebigkeit im letzten Drittel sind jedenfalls durchaus vonnöten.
Innenverteidiger Marco Friedl, Sechser Senne Lynen, der Däne Jens Stage als Bindeglied zwischen den Ketten und der Österreicher Romano Schmid als offensive Kreativkraft bilden das Gerüst im Werder-Spiel. Schmid bereitete nach Bayerns Michael Olise ligaweit die meisten Großchancen für seine Teamkollegen vor und zählt gemeinsam mit Stage und Samuel Mbangula zu den Topscorern der Bremer. Trainer Horst Steffen setzt auf Ballbesitzfußball. „Spiele dreckig zu gewinnen, das steht nicht für mich“, sagt der 56-Jährige. Ballbesitz-Zeiten von durchschnittlich knapp 50 Prozent untermauern diese Aussage. Gleichwohl zeichnet seine Mannschaft auch leidenschaftlicher Einsatz bis zur letzten Sekunde aus. Neun Tore erzielte Werder in der Schlussviertelstunde – das ist der viertbeste Wert im Tableau. Auch Bayer 04 bekam diese Nie-aufgeben-Mentalität in der Hinrunde zu spüren. Die Werkself führte am 2. Spieltag mit 3:1, ehe Bremen – in Unterzahl – durch Treffer von Schmidt (76.) und Coulibaly (90.+4) noch der Ausgleich gelang.

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