Gegner-Check: Der Kapitän zurück an Bord

Wenn der 1. FC Köln am Mittwochabend, 9. November (Anstoß: 18.30 Uhr), die Werkself zum Derby empfängt, dürfen die Domstädter auf die Rückkehr ihres Spielführers hoffen. Kapitän Jonas Hector wird nach überstandener Fuß-Verletzung voraussichtlich wieder im Kader stehen. Der Gegner-Check.
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Position

Es war nicht unbedingt eine erfolgreiche Englische Woche für den 1. FC Köln. Dabei hatte sie mit einem respektablen 1:1 gegen die TSG Hoffenheim begonnen – nur etwas mehr als 48 Stunden nach dem verschobenen Spiel in der Europa Conference League beim 1. FC Slovacko. Auch angesichts der Umstände war Steffen Baumgart sichtlich stolz auf die Energieleistung seiner Mannschaft gegen die Kraichgauer. „Sie lassen ihr Herz auf dem Platz“, lobte der Chefcoach. Thomas Kessler, Leiter Lizenzbereich, zeigte sich ebenfalls angetan von der Truppe: „Sie hat gegen alle Widerstände angekämpft. Das war aller Ehren wert.“

Auch im letzten und entscheidenden Gruppenspiel in der Conference League gegen OGC Nizza vier Tage später kam der FC nach einem 0:2-Rückstand noch einmal zurück in die Partie. Doch am Ende reichte das 2:2 nicht zum Weiterkommen in diesem Wettbewerb. Am vergangenen Sonntagabend schließlich mussten die Domstädter in der Bundesliga beim SC Freiburg eine 0:2-Niederlage hinnehmen, rutschten damit in der Tabelle auf Platz zwölf ab. Baumgart ärgerte sich vor allem über die Fehler, die zu den beiden Gegentoren kurz nach der Pause geführt hatten. „Erst fangen wir uns vor dem 0:1 einen Konter, dann schaffen wir es vor dem 0:2 nicht, die Flanke zu verhindern“, haderte der FC-Coach, der dennoch nicht zu hart mit seinem Team ins Gericht gehen wollte. „Es ist keine Schande, hier zu verlieren. Wir haben eine sehr junge Mannschaft, die sich noch entwickeln muss.“ Eine Mannschaft, die freilich gut in die Saison gestartet war.

Nach zehn Spieltagen und einem 3:2-Sieg gegen den FC Augsburg standen die Domstädter auf Rang sieben, nur drei Punkte trennten sie zu diesem Zeitpunkt vom Zweiten FC Bayern München. Im bisherigen Saisonverlauf musste Baumgart jedoch immer wieder verletzungsbedingt auf zahlreiche Stammkräfte verzichten. Was angesichts der hohen Belastungen zuletzt nicht immer adäquat aufzufangen war. Aus den vergangenen drei Bundesligapartien holte der FC nur einen Punkt.

Personal

Wochenlang fehlten den Rot-Weißen unter anderem Verteidiger Julian Chabot sowie die Mittelfeldspieler Jan Thielmann und Mathias Olesen. Die drei sind zwar inzwischen wieder an Bord. Dafür aber stand Kapitän Jonas Hector in den vergangenen vier Spielen wegen einer tiefen Fleischwunde am Fuß nicht zur Verfügung. Stürmer Florian Dietz verletzte sich gegen Nizza am Kreuzband, wurde inzwischen operiert und wird einige Monate pausieren müssen. Auch die Mittelfeldakteure Dejan Ljubicic (Knieverletzung), Dimtrios Limnios (Aufbautraining nach Kreuzbandriss), Tim Lemperle (Sprunggelenksverletzung) und Mark Uth (Schambeinverletzung) sowie Stürmer Sebastian Andersson (im Aufbautraining nach Meniskus-OP) sind zum Teil schon seit geraumer Zeit nicht einsatzbereit. Sechser Ellyes Skhiri trat nach einer Jochbeinverletzung in Freiburg noch mit Gesichtsmaske an.

Aufgrund der angespannten Personallage müssen immer wieder junge Talente die Lücken füllen. Spieler wie Innenverteidiger Nikola Soldo, die Mittelfeldspieler Eric Martel und Denis Huseinbasic oder Flügelspieler Linton Maina. „Wir vertrauen jedem, der in unserem Kader steht“, sagt Trainer Steffen Baumgart. Vor allem mit der richtigen Einstellung und hoher Einsatzbereitschaft konnte die Mannschaft die zahlreichen Ausfälle bislang recht gut kompensieren. „Wenn alle Umstände gegen uns sprechen, dann zeigen wir den Leuten, was hier abgeht. Und in einem Heimspiel ist immer was für uns drin“, sagte Timo Hübers nach dem 1:1 gegen Hoffenheim. In Freiburg stand der Abwehrchef, der bis dato in fast jedem Pflichtspiel zum Einsatz gekommen war, auf eigenen Wunsch nicht im Kader, bat das Trainerteam um eine Pause. „Er war im Arsch, einfach nur kaputt“, erklärte Baumgart nun das Fehlen seines eigentlich unverzichtbaren Innenverteidigers. Wie der FC-Trainer am Dienstag bekannt gab, wird Hübers aufgrund eines Pferdekusses aus dem Nizza-Spiel auch gegen die Werkself ausfallen. Doch Baumgart hatte auf der Pressekonferenz auch eine gute Nachricht aus FC-Sicht zu verkünden: Gegen die Werkself soll Kapitän Jonas Hector, dessen Fuß-Wunde verheilt ist, wieder an Bord sein.

Prunkstück

Die Kölner sind die Stehaufmännchen der Liga, die in zehn Bundesligaspielen in Rückstand gerieten und danach dennoch zwölf Punkte (3 Siege, 3 Remis) gewannen. Für die großen Comeback-Qualitäten des Effzeh sprechen zudem die 14 in der zweiten Halbzeit erzielten Tore (von insgesamt 20 Treffern). Keine Mannschaft traf häufiger nach der Pause. Auch das ist ein Beleg für die starke Physis des Teams. Über den von Baumgart eingeforderten unbedingten Willen, über das Nicht-Aufgeben, das Fighten und Grätschen haben sich die Domstädter ihre Identität aufgebaut. „Die Mentalität von Köln ist nicht zu überbieten. Wie Steffen und seine Mitstreiter schwierige Situationen und die vielen Verletzungen wegstecken, ist unglaublich.“ Dieses Lob aus berufenem Munde werden Baumgart und Co. gerne gehört haben – es stammt von Freiburgs Coach Christian Streich.

Wie bereits in der vergangenen Saison läuft beim FC viel über die Flügel. Bislang 212 geschlagene Flanken sind Ausdruck dieser Spielweise und aktuell Liga-Bestwert. Auf den Außenbahnen sorgen vor allem Florian Kainz, mit fünf Treffern und fünf Assists bester Scorer der Kölner, und der schnelle Linton Maina für Gefahr. Letzterer kam im Sommer von Hannover 96 und hat bereits drei Tore vorbereitet und einen Treffer erzielt. Ganz vorne hat sich der Ex-Dortmunder Steffen Tigges gut entwickelt, der 24-Jährige traf bislang dreimal. Und aufgepasst, Werkself, bei den Standards der Kölner: Mit sieben Toren zählen sie hier zu den Top sechs im deutschen Fußball-Oberhaus.

Probleme

Eine eingespielte Mannschaft kann der 1. FC Köln aufgrund der vielen verletzungsbedingten Ausfälle nicht sein. Steffen Baumgart musste bislang oft umstellen. Was das Fußballerische betrifft: So viele Flanken sein Team auch schlägt, häufig mangelt es ihnen an Präzision – und in der Spitze fehlt ein Knipser wie der zum BVB abgewanderte Anthony Modeste, der in der vergangenen Saison zum selben Zeitpunkt bereits achtmal eingenetzt hatte und am Ende auf 20 Treffer kam. „Ich glaube, dass wir damit leben müssen, dass wir keine Jungs haben, die abgebrüht und abgezockt sind“, sagt Steffen Baumgart. So konnten in Freiburg Kainz und Maina zwei grobe Patzer von SCF-Torhüter Flekken im Aufbauspiel nicht nutzen. Im vorderen Drittel fehlt dem Effzeh bislang zuweilen die Durchschlagskraft. „Ich denke, wir brauchen ein bisschen mehr Power“, stellte Abwehrspieler Kristian Pedersen nach der Partie im Breisgau fest.

Prognose

Ebenso wie die Werkself ist auch der 1. FC Köln im DFB-Pokal bereits in der 1. Runde ausgeschieden (3:4 i.E. beim SSV Jahn Regensburg). Und da es nun für die Rot-Weißen auch in der Conference League nicht mehr weiter geht, kann sich die Baumgart-Truppe voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren. „Wir hauen jetzt die zwei Spiele noch mal alles raus, versuchen sie für uns zu entscheiden und können dann etwas Urlaub machen, den wir uns verdient haben“, blickt Torhüter Marvin Schwäbe auf die beiden kommenden Aufgaben vor der WM-Pause gegen Bayer 04 und bei Hertha BSC. Für Trainer Baumgart stand ohnehin schon vor der Saison fest: „Ziel ist nicht der internationale Wettbewerb. Das Wichtigste ist, diesen Verein in der Bundesliga und aus allen Schwierigkeiten herauszuhalten.“ Auch in dieser Hinsicht wären drei Punkte aus dem Derby höchst willkommen.

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