Werner Wenning wird 80

Er ist eine der herausragenden Persönlichkeiten Leverkusens und der deutschen Wirtschaft: Werner Wenning stieg vom Lehrling der Bayer AG zum Vorstandsvorsitzenden des Weltkonzerns auf. Schon als Kind ein Fan der Werkself, trägt er seit vielen Jahren als Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH Verantwortung für den Klub. Heute feiert der gebürtige Opladener seinen 80. Geburtstag. Die gesamte Bayer 04-Familie gratuliert aufs Herzlichste!
Werner Wenning

Auf seinem Stammplatz in der BayArena verpasst Werner Wenning seit Jahrzehnten kaum ein Heimspiel von Schwarz-Rot. „Wenn ich ins Stadion gehe, bin ich auch und vor allem Fan“, sagte er im Dezember 2023 in einem Interview mit dem Werkself-Magazin. Den 5:0-Sieg gegen Werder Bremen, mit dem Bayer 04 ein knappes halbes Jahr später den Gewinn der Deutschen Meisterschaft perfekt gemacht hatte, bezeichnete Wenning als „schönsten Tag der Vereinsgeschichte“. Aber auch für ihn persönlich war es ein besonderer Tag. Er habe mehr als 60 Jahre auf diesen Erfolg gewartet. Die Euphorie und Freude, die ausgelassen feiernden Fans – für ihn seien das „sehr bewegende Momente, die immer bleiben werden“. Möglichst viele weitere solche Erlebnisse darf man Werner Wenning, diesem Leverkusener Urgestein, nun von Herzen zum 80. Geburtstag wünschen.

Bereits als zehnjähriger Junge hatte er die Werkself noch im alten „Stadion am Stadtpark“ von der Holztribüne aus angefeuert. Die knapp fünf Kilometer dorthin von seinem Zuhause in Opladen war er zu Fuß gegangen. Prägend für seine Fußball-Leidenschaft sei das WM-Endspiel 1954 in Bern gewesen, das er mit seinem Vater in einer Gaststätte verfolgt habe. Die emotionalen Reaktionen der Menschen auf den ersten WM-Titel Deutschlands hätten ihn sehr berührt, verriet Wenning einst der Rheinischen Post.

Ein vertrauensvolles Miteinander als Basis

Er selbst, der in seiner Kindheit für den BV Opladen 01 Fußball gespielt hatte, war seit den Regionalliga- und Oberliga-West-Zeiten emotional immer voll und ganz bei Bayer 04. „Diese ungeheure Verbundenheit zum Klub und diese unglaubliche Detailkenntnis über jeden Spieler auch aus der tiefsten Vergangenheit hat vielleicht kein anderer im Verein“, sagte der ehemalige Bayer 04-Geschäftsführer Michael Schade einmal über Werner Wenning, mit dem er viele Jahre nicht nur bei der Bayer AG, sondern später auch rund zwölf Jahre im Gesellschafterausschuss der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH zusammengearbeitet hat.

Den Vorsitz in diesem Gremium hatte Wenning am 3. Dezember 2010 zum zweiten Mal übernommen, nachdem er den Gesellschafterausschuss bereits zwischen 1999 und 2002 geführt hatte. In dieser Funktion pflegt er seit jeher einen sehr engen, regelmäßigen Austausch mit Fernando Carro, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, und mit Geschäftsführer Sport Simon Rolfes. „Es ist ein sehr vertrauensvolles Miteinander“, sagt Wenning, dessen Wort als Vorsitzender des Gesellschafterausschusses höchstes Gewicht hat. Er habe in seiner beruflichen Karriere stets viel Wert darauf gelegt, ein Umfeld mit einem stabilen, belastbaren Vertrauensverhältnis zu schaffen. Sein Anspruch: „Führen heißt, ein Vorbild für die Mitarbeiter zu sein, fair und transparent. Verantwortung zu übernehmen, Mitarbeiter für die Sache zu begeistern.“

Werner Wenning mit Fernando Carro und Simon Rolfes

Vom Lehrling zum Chef eines Weltkonzerns

Verantwortung hatte Wenning, der am 21. Oktober 1946 in Opladen zur Welt kam, selbst sehr früh übernehmen müssen. Als er 14 Jahre alt war, starb sein Vater. Um Geld für die Familie dazuzuverdienen, arbeitete der Teenager in einem Gemüsehandel, packte Kartoffelsäcke, trug für die Gemeinde, in der er Messdiener war, die Kirchenzeitung aus und half in den Schulferien in einem Lackbetrieb. Es sind auch diese Wurzeln, die ihn später, als er längst einer der angesehensten deutschen Manager war, nie die Bodenhaftung verlieren ließen. Ohne Abitur und Studium legte Wenning eine außergewöhnliche Karriere abseits jeder Norm hin. „Er gehört einer selten gewordenen Spezies an und ist einer der letzten Manager, die sich – insbesondere als Nicht-Akademiker – in ein und derselben Firma Stufe um Stufe nach oben gearbeitet haben“, schrieb der Focus 2017 über Wenning.

Wenn es nach seiner Mutter gegangen wäre, hätte er eine Lehre beim Finanzamt begonnen. „Der Junge soll was Ordentliches machen, das war ihr Wunsch“, erinnerte sich Wenning in einem Gespräch mit der Rheinischen Post. Nun, er schlug einen anderen Weg ein. Und sollte schließlich weit mehr als nur „was Ordentliches“ erreichen. Seine Geschichte bei Bayer begann im April 1966. Nach Realschule und Abschluss an der Höheren Handelsschule fing der damals 19-Jährige im Konzern eine Ausbildung zum Industriekaufmann an. Als Lehrling stand zunächst ein Einsatz in der Produktion an: Wenning musste in der Lederchemie Felle mit Chemikalien reinigen und mit einem Rundmesser bearbeiten. „Wir sollten das wahre Leben auch mal kennenlernen.“ Nach einem einjährigen Trainee-Programm im Finanz- und Rechnungswesen und einem weiteren Jahr in der Konzern-Revision schickte ihn das Unternehmen bereits 1970 nach Peru. In Lima baute er das Finanz- und Rechnungswesen der neu gegründeten Landesgesellschaft Bayer Industrial S.A. auf und leitete es bis 1975.

Die Zeit in Peru, wo seine Ehefrau Ursula auch die beiden Töchter zur Welt brachte, bezeichnete Wenning später als eine seiner prägendsten Bayer-Erfahrungen. „Ich musste als junger Mensch bereits viel entscheiden. Wir lernten schnell Spanisch, um uns vor Ort gut einzuleben. Zugleich konnte ich dort ein Versprechen einlösen, das ich meiner Frau gegeben hatte: ihr die Welt zu zeigen.“ Insgesamt arbeitete er 15 Jahre im spanischsprachigen Raum, zuletzt ab 1992 in Barcelona. Dort übernahm er die Geschäftsführung der Bayer Hispania Industrial S.A. sowie die Funktion des Landessprechers für Spanien. Und es ging weiter Schlag auf Schlag: 1996 wurde Wenning mit der Leitung des Bereiches Konzernplanung und Controlling beauftragt, 1997 berief ihn die Bayer AG zum Finanzvorstand, im April 2002 schließlich als Nachfolger von Manfred Schneider zum Vorstandsvorsitzenden. Werner Wenning hatte es vom Lehrling bis nach ganz oben zum Konzernchef geschafft.

Werner Wenning mit Rudi Völler

Als solcher erlebte er, gerade frisch im Amt, am 15. Mai 2002 das Champions-League-Finale zwischen Bayer 04 und Real Madrid in Glasgow. Auch so ein Spiel, an das er sich in einem Interview mit bayer04.de sehr gerne erinnerte. In der Halbzeitpause wechselte er auf der Ehrentribüne ein paar Worte mit dem damaligen spanischen König Juan Carlos, der sich erstaunt über die starke Leistung der Werkself gezeigt habe. „Es war ein unvergesslicher, wunderbarer Abend. Man spürte die Spannung in diesem wundervollen Hampden Park. Wirklich alle, die sich mit Bayer 04 verbunden fühlten, waren stolz darauf, was diese Mannschaft auch in Glasgow wieder an Einsatzwillen und Spielfreude gezeigt hatte. Ich habe später im Ausland immer wieder erfahren, dass sich viele Menschen an dieses Finale erinnern. Bayer 04 hat in dieser Saison 2001/02 über seine internationalen Spiele weltweit sicherlich viele, viele Fans hinzugewonnen.“

Manager des Jahres 2007

Als Werner Wenning 2002 die Führungsverantwortung bei Bayer übernommen hatte, befand sich das Unternehmen in einer schwierigen Situation. Der neue Vorstandsvorsitzende nahm „erhebliche Kursanpassungen“ vor, wie er es in einem Interview mit dem Focus formulierte. In der Praxis hieß das unter anderem, dass das Portfolio konsequent auf die Bereiche Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien ausgerichtet wurde. Gerade weil Wenning sich der langen Geschichte seines Unternehmens verpflichtet fühlte, baute er den Konzern tiefgreifend um. Seine Maxime dabei: „Wer vieles erhalten möchte, muss manches verändern. Deshalb ist die Bereitschaft zur ständigen Veränderung eine Grundvoraussetzung, um dauerhaft erfolgreich zu sein.“

2007 wurde Werner Wenning von einer Expertenjury des Manager Magazins zum „Manager des Jahres“ gewählt. „Er hat es geschafft, Bayer strategisch wieder auf Erfolgskurs zu bringen“, hieß es in der Begründung. Der bodenständige Leverkusener, der genauso gerne mit Werkspförtnern wie mit Vorständen anderer Unternehmen sprach, der gerne Bratwurst isst und Pils vom Fass trinkt, gilt freilich nicht nur als durchsetzungsstark, sondern auch als kritik- und kompromissfähig. Als der Konzern – ebenfalls im Jahr 2007 – plante, das Bayer-Kreuz abzureißen und es stattdessen als digitale, überdimensionale Leuchtreklame auf das damals noch existierende Bayer-Hochhaus zu projizieren, stieß das auf großen Widerstand in der Bevölkerung. Treibende Kraft des Protestes waren die Ultras Leverkusen und die Faninitiative SVB. Im Rahmen der Aktion „Das Kreuz muss bleiben“ sammelten sie über 21.000 Unterschriften, die sie Werner Wenning und dem Konzernvorstand übergaben. Der ließ sich schließlich überzeugen. Das Kreuz an der B8 blieb stehen.

Ins Rampenlicht zog es ihn selten

Bis September 2010 führte Wenning die Bayer AG als Vorstandsvorsitzender. Von 2012 bis 2020 war er Vorsitzender des Aufsichtsrates. Darüber hinaus gehörte er zahlreichen weiteren Aufsichtsräten an, darunter dem der Siemens AG, der Henkel KGaA, der Evonik Industries AG sowie der Deutschen Bank AG. Außerdem war er Vize-Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) sowie viele Jahre Präsident und Vize-Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI).

Fast ein Drittel der 160-jährigen Bayer-Firmengeschichte hat Werner Wenning mitgestaltet. Er verdanke dem Konzern sehr viel: „Bayer hat mir die Möglichkeit gegeben, andere Länder und Kulturen sowie beeindruckende Persönlichkeiten kennenzulernen und er hat mir immer wieder neue Aufgaben mit steigender Verantwortung anvertraut. Meine Familie steht natürlich immer an erster Stelle. Aber Bayer war auch Heimat, mein ständiger Zweitwohnsitz sozusagen.“

„Meine Leitlinie war stets: Achte deinen Nächsten wie dich selbstWerner Wenning

Geleitet habe ihn bei seinem persönlichen Aufstieg ein klarer Wertekanon. „Meine Leitlinie war stets: Achte deinen Nächsten wie dich selbst“, bekannte der Katholik 2020 in der Rheinischen Post. „Es ist meine tiefste Überzeugung, die auch aus dem Glauben kommt. Den anderen achten, über alle Hierarchiestufen hinweg – das ist die Grundlage für gegenseitiges Vertrauen.“

Als Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH zog und zieht es Wenning nur selten ins Rampenlicht. Er halte sich an die Regeln für gute Unternehmensführung und suche dabei nicht die Öffentlichkeit, erklärte er im Interview mit dem Werkself-Magazin im Dezember 2023. „Die operative Verantwortung liegt in den Händen der Geschäftsführung. Der Gesellschafterausschuss hat andere Aufgaben.“

Seine herausragende Kompetenz und Erfahrung als Manager sowie sein Fußball-Sachverstand sind seit über zwei Jahrzehnten von unschätzbarem Wert für Bayer 04. Der unbedingte Wille zum Erfolg sei immer sein Antrieb gewesen, sagte Werner Wenning einmal. Tugenden wie Fleiß, Demut, Bescheidenheit sind dem bekennenden Christen und vierfachen Großvater heute noch wichtig.

Zum 31. Dezember 2026 scheidet Wenning aus dem Gesellschafterausschuss der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH aus und übergibt den Vorsitz des Kontrollgremiums zum 1. Januar 2027 an Wolfgang Nickl. Was sich aber gewiss nicht ändern wird: Seine Leidenschaft für die Werkself wird Wenning weiterhin von seinem Stammplatz in der BayArena ausleben.

Alles Gute zum Geburtstag, lieber Werner Wenning!

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