
Sag mal, Afonso: Lissabon und Porto sind Portugals faszinierende Metropolen. Welche Stadt liegt in deinem Ranking denn vorn?
Moreira: Ich habe mehr oder weniger acht Jahre in Lissabon gelebt, als ich bei Sporting gespielt habe, es ist eine tolle Stadt. Aber meine Familie kommt aus dem Norden des Landes aus Lamego, da liegt uns Porto einfach näher, zumal es nur eine gute Stunde entfernt ist. Ich mag die Menschen dort, die portugiesische Kultur, die sie leben und verkörpern. Das Essen ist super, der Wein im Norden ebenfalls – auch wenn ich selbst keinen trinke. Für meine Familie und Freunde ist Porto unsere Heimatstadt.
Die Algarve ist mit seinen charmanten Orten und tollen Stränden bei Touristen sehr Welches ist dein Hotspot dort?
Moreira: Zwei Plätze kommen da für mich in Frage: Vilamoura und Lagos. Vilamoura ist vor allem bei jüngeren Leuten sehr beliebt und zieht mit seinen Beachclubs, den Restaurants am Jachthafen und den abendlichen Partys ein hippes Publikum an. Lagos ist ruhiger, da geht alles sehr entspannt und unaufgeregt zu. Das schätze ich sehr und deshalb fühle ich mich dort noch wohler. Die Strände sind ein Traum, außerdem ist die Umgebung ein Paradies für Golfer.
Welchen Ort sollte man abseits der Touristen-Spots mal gesehen haben?
Moreira: Ich kann allen einen Besuch in der Gegend meiner Geburtsstadt Lamego empfehlen. Sie ist im Landesinneren am Rande des Douro-Tals gelegen. Das Tal gehört zum UNESCO-Welterbe und ist eine der ältesten und spektakulärsten Weinregionen der Welt, es gilt als Wiege des Portweins. Ein idealer Platz zum Relaxen, es gibt wunderschöne Dörfer entlang des Flusses zu entdecken. In Lamego liegt die berühmte Wallfahrtskirche Nossa Senhora dos Remédios auf einem Hügel oberhalb der Stadt. Man erreicht sie über eine barocke Treppe mit fast 700 Stufen, die mit den typischen, blauen Azulejos verziert sind.

Die portugiesische Küche hat neben Fleischgerichten auch eine Vielfalt an Fisch und Meeresfrüchten zu bieten. Was kommt bei dir gern auf den Teller?
Moreira: Meine absolute Leibspeise ist Francesinha, ein traditionelles Gericht aus dem Norden. Es ist ein herzhaftes Sandwich, bestehend aus Kochschinken, Scheiben einer Chorizo-ähnlichen Wurst und gebratenem Rindfleisch, wahlweise auch Geflügel oder Fisch. Das wird mit Käse überbacken, manchmal kommt noch ein Spiegelei drauf, dazu gibt es jede Menge Sauce aus Tomaten, Bier und Senf.
Fado gilt als traditioneller Musikstil des Landes, der einen sehr melancholischen Grundton hat und viel Wehmut ausstrahlt. Kann auch die junge Generation damit noch etwas anfangen?
Moreira: Um ehrlich zu sein, ist es nicht die Musik, mit der ich mich beschäftige oder die ich höre. Aber es ist natürlich ein wichtiger Stil, der mit Portugal verbunden ist. Eine Sängerin wie die 1999 gestorbene Amália Rodrigues ist weit über die Grenzen Portugals berühmt geworden und hat den Fado in die Welt getragen. Sie ist eine absolute Ikone, meine Eltern verehren sie. Ich höre dagegen lieber Reggaeton, brasilianischen Funk oder Afro House, also so ziemlich das komplette Gegenteil von Fado.

Kommen wir zum Sportlichen: Cristiano Ronaldo ist dein Idol seit Kindertagen. Konntest du die kontroversen Diskussionen um seine Rolle im Team kürzlich bei der WM nachvollziehen?
Moreira: Da darf natürlich jeder seine eigene Meinung haben, ob er weiterhin wichtig für die Mannschaft ist. Meine Sicht der Dinge ist ziemlich eindeutig: Ich weiß, dass das heiß diskutiert wird. Cristiano hat dem Nationalteam, meinem Land, ja dem ganzen Fußball so viel gegeben, dass ich ihn nie in Zweifel ziehen würde. Ich sehe immer, was er in seiner langen Karriere Großes geleistet hat. Wir müssen seine Verdienste anerkennen. Das steht über allem.
Wer ist für dich abseits des Fußballs der größte Sportstar Portugals?
Moreira: Oh, schwierige Frage. Wir hatten in der Vergangenheit mal einen sehr bekannten Radrennfahrer, Joaquim Agostinho, der Ende der 1970er Jahre zweimal Dritter bei der Tour de France geworden ist. In der Leichtathletik ist es sicherlich Rosa Mota, die 1988 in Seoul Olympiasiegerin im Marathon wurde, dazu Weltmeisterin war und dreimal Europameisterin. Von den heutigen Sportlern ist es Neemias Queta: Er war der erste portugiesische Basketballer, der es in die NBA geschafft hat und ist 2024 auch Champion mit den Boston Celtics geworden.
Welche berühmte historische Figur Portugals kennt jedes Kind?
Moreira: Unter den lebenden Menschen ist das eindeutig Cristiano Ronaldo. Wenn man ganz weit in die Weltgeschichte zurückschaut, sind es die großen Entdecker, wie Heinrich der Seefahrer oder Vasco da Gama, der um die Südspitze Afrikas gesegelt ist und im Jahr 1498 Indien auf dem direkten Seeweg entdeckt hat. Und natürlich Afonso Henriques, der erste König in der Geschichte Portugals.
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