#DankeRudi – Hermann: „Ein Schlitzohr voller Ehrgeiz“

Er ist das Gesicht von Bayer 04 und hat den Klub geprägt wie kaum ein anderer: Vor 28 Jahren wurde Rudi Völler Teil der Bayer 04-Familie. Der Weltmeister und Champions-League-Sieger kämpfte als Spieler 1996 erfolgreich gegen den Abstieg, übernahm die Werkself zweimal als Interimstrainer und machte den Klub als Sportdirektor und Sport-Geschäftsführer zu einem Stammgast im Europapokal. Rudi Völler gehört nicht nur zu den bekanntesten und erfolgreichsten Fußball-Persönlichkeiten in Deutschland, er ist mit seiner unvergleichlichen Art auch einer der beliebtesten Sportler unseres Landes geworden. Nun verlässt der 62-Jährige die Geschäftsführung und wird zum 1. Juli Mitglied des Gesellschafterausschusses – und Bayer 04 als Botschafter weiterhin in der gesamten Fußball-Welt repräsentieren.
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Bayer 04 ist stolz darauf, dass der ehemalige Weltklasse-Stürmer schon seit 1994 dem Klub angehört und in den vergangenen 28 Jahren eine starke Bindung zu Leverkusen aufgebaut hat. Anlässlich des bevorstehenden Abschieds schildern fünf Weggefährten, was Rudi Völler für die Werkself geleistet und welche Bedeutung er für Bayer 04 erlangt hat.

Peter Hermann, der letzte Trainer seiner Profi-Laufbahn, erzählt, wie er Rudi Völler als Spieler erlebte:

„Zwei Spiele von Rudi für Bayer 04 werde ich nie vergessen: sein erstes und sein letztes. Als er bei seiner Premiere in der BayArena gegen Eintracht Frankfurt in letzter Minute mit dem Kopf zum 4:0-Endstand traf, erhob sich das ganze Stadion und applaudierte. Ein Gänsehautmoment. Zuvor hatte Bernd Schuster mit einem Schuss von der Mittellinie das 1:0 erzielt und war dann jubelnd in Richtung Bank gelaufen, um Rudi zu umarmen, der zu dem Zeitpunkt noch draußen saß. Der hatte ihm vor dem Spiel den Tipp gegeben, es gegen Frankfurts Keeper Andy Köpke doch ruhig mal aus großer Distanz zu probieren, weil der immer recht weit vor seinem Kasten stand.

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Auf dem Weg zum Auswärtsspiel in Freiburg: Rudi Völler und Peter Hermann mit den Mannschaftsbetreuern Hans-Peter Lehnhoff und Matthias Valentin (v.l.n.r.) im August 2009.

Ich kann mich noch gut an Rudis erste Trainingseinheiten bei uns erinnern. Stepi (Dragoslav Stepanovic, damaliger Chefcoach) hat die Mannschaft immer erst zwei Runden à zwei Kilometer an der Dhünn laufen lassen. Rudi schaute mich nur fragend an und sagte: ‚Es kann doch nicht sein, dass ihr das vor jedem Training macht.‘ Damit keine Missverständnisse aufkommen: Rudi war trotz seiner 34 Jahre noch enorm ehrgeizig. Bei einer Schiedsrichter-Entscheidung im Training gegen ihn hat er den Ball mal voller Wut und Wucht auf die Autobahn geschossen. Das hat ansonsten – glaube ich – nur Martin Kree jemals geschafft. Der Mannschaft tat er mit seiner Schlitzohrigkeit sehr gut, vor allem in der ersten Saison hat er mit 16 Toren und 13 Vorlagen richtig gezündet. Wir hatten damals mit Rudi, Ulf Kirsten, Andy Thom und Paulo Sergio einen Riesenangriff, der seinesgleichen suchte.

Immer in Erinnerung bleibt natürlich sein letztes Pflichtspiel als Profi-Fußballer, unser finales Drama um den Klassenerhalt 1996 gegen den 1. FC Kaiserslautern, bei dem ich die Verantwortung als Cheftrainer trug. Gar nicht auszudenken, wenn Rudi mit einem Abstieg aus der Bundesliga aufgehört hätte. Was wäre das für eine Begräbnisstimmung bei seinem Abschiedsspiel drei Tage später geworden? Es waren ja alle hier, die komplette Nationalmannschaft, auch die Kollegen von Olympique Marseille, mit denen er 1993 die Champions League gewonnen hatte. Aber so haben es alle danach im Bayer-Kasino noch richtig krachen lassen.“

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