Baumgartlinger: Der Körper macht wieder mit

Abschied eines Musterprofis: Nach sechs Jahren im Trikot von Bayer 04 stand Julian Baumgartlinger beim 2:1 gegen den SC Freiburg das letzte Mal für die Werkself auf dem Platz. Im Interview mit bayer04.de sprach der Österreicher über die letzten sechs Jahre in Schwarz-Rot und blickte auf besondere Momente auf und neben dem Platz zurück.
crop_20220514_JS_B04_SCF_0874.jpg

Im Sommer 2016 unters Bayer-Kreuz gewechselt, etablierte sich Julian Baumgartlinger schnell als zuverlässige Personalie im Zentrum. Zum 152. Mal streifte sich der 34-Jährige gestern das Trikot der Werkself in einem Pflichtspiel über – und das auch noch als Kapitän der Werkself. Zuvor wurde der Rechtsfuß in einer komplett in Rot getauchten BayArena für seine Zeit unter dem Bayer-Kreuz geehrt. Ausverkauftes Haus und stehende Ovationen – ein Abschied nach Maß.

Julian, du hast die Mannschaft gegen Freiburg als Kapitän auf das Feld geführt. Am Ende stand ein 2:1-Sieg. Der perfekte Schlusspunkt deiner Zeit in Leverkusen?

Baumgartlinger: Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar und auch versöhnt. Heute hatte ich mit den Emotionen zu kämpfen. Das war sehr intensiv. Sechs Jahre bei Bayer 04 sind eine sehr lange und prägende Zeit, in der zum Beispiel unsere drei Kinder zur Welt gekommen sind. Das werde ich immer mit diesem Kapitel meiner Karriere verbinden. Und ich habe die letzten drei Monate sehr genossen. Ich konnte mit einer tollen Mannschaft auf perfekten Plätzen und bei Sonnenschein meiner Leidenschaft nachgehen. Nach der langen Leidenszeit ist der Spaß am Fußball ungebrochen, ebenso der Wunsch die Laufbahn fortzusetzen.

Kommen wir zu deiner Mannschaft: Ihr habt das Saisonziel erreicht – Bayer 04 hat sich zum 13. Mal in der Klubhistorie für die Champions League qualifiziert. Wie würdest du die Saison 2021/22 im Rückblick beschreiben?

Baumgartlinger: Sehr positiv, aber gleichzeitig auch herausfordernd. Vor der Saison gab es einen Umbruch. Ein neues Trainerteam wurde installiert, und auch die Mannschaft bekam ein paar neue Gesichter dazu. Dennoch haben wir von Anfang an gezeigt, was in uns steckt. Über das Jahr gesehen ist das Team als Kollektiv immer mehr zusammengewachsen und hat sich in vielen Bereichen noch einmal verbessert, ebenso das Trainerteam. Alle haben ihren Beitrag dazu geleistet, dass wir am Ende eine recht stabile Bundesliga-Saison gespielt haben.

Eine Knieverletzung hat dich lange außer Gefecht gesetzt, am 31. Spieltag konntest du in Fürth endlich wieder für Schwarz-Rot auf dem Platz stehen. Wie erleichtert bist du, dass du nun wieder die Fußballschuhe schnüren darfst? Und wie schwer ist dir die Zeit des Zuschauens gefallen?

Baumgartlinger: Die Situation war nicht einfach für mich. Keine Frage. Vor etwa einem Jahr bin ich von meiner Kreuzband-Verletzung zurückgekommen. Ich konnte dann zur EM fahren und im Anschluss auch die Sommervorbereitung voll mitmachen. Zum Saisonstart hat sich mein Knie wieder gemeldet, und ich musste mich ein weiteres Mal operieren lassen. Das war ein harter Rückschlag für mich. Im Februar konnte ich dann endlich wieder mit der Mannschaft trainieren. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich wieder das machen, was ich am Fußball liebe: Auf dem Platz stehen und aktiv Teil der Mannschaft sein. Das Comeback in Fürth war nach der langen Zeit wichtig für mich. Es macht einfach Spaß wieder jeden Tag mit den Jungs zu arbeiten. Das Vertrauen in den Körper ist zurück, ich bin bereit für Wettkämpfe.

152 Pflichtspiele hast du für Bayer 04 absolviert. Welches davon ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Baumgartlinger: Als erstes fallen mir da die Momente ein, in denen wir große Ziele erreicht haben – wie die CL-Qualifikation letztes Wochenende in Hoffenheim. Aber auch 2019, als wir am letzten Spieltag mit 5:1 bei Hertha BSC gewinnen und damit auf den vierten Platz springen. Das sind absolut spezielle Momente. Die Mannschaft damals hat einfach gepasst. Wir waren ein verschworener Haufen.

Was hat dich 2016 eigentlich zum Wechsel unters Bayer-Kreuz bewegt? Und haben sich deine Erwartungen erfüllt?

Baumgartlinger: Mein sportlicher Ehrgeiz war wohl der ausschlaggebende Faktor. Ich wollte unbedingt bei einem Spitzenteam spielen und mich in einer Mannschaft durchsetzen, die dominant Fußball spielt. Mein Ziel ist es immer, mich stetig weiterzuentwickeln. Solange du trainierst und spielst, ist es unwichtig, wie alt du bist. Die Möglichkeit den nächsten Schritt zu gehen gibt es immer.

crop_20220514_JS_B04_SCF_0337.jpg


In insgesamt sechs Saisons für die Werkself hast du mit vielen verschiedenen Spielern zusammen auf dem Rasen gestanden. Welcher (Ex)-Mitspieler hat dich in dieser Zeit am meisten beeindruckt?

Baumgartlinger: Auf dem Platz gab es bisher einige, die mich beeindruckt haben. Kai Havertz, Julian Brandt und Florian Wirtz sind solche Fälle. Alle drei sind besondere Jungs, die bewiesen haben, dass man auch als sehr junger Spieler schon zu außerordentlichen Leistungen fähig ist. Für mich ist aber auch das Zwischenmenschliche immer ein großer Faktor. Ich kannte beispielsweise Lars und Sven Bender schon aus unserer gemeinsamen Zeit beim TSV 1860 München. Wir haben dort schon in der Jugend und bei den Profis zusammengespielt und auch danach haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt: Zuerst als Gegner auf dem Feld und dann saßen wir hier in Leverkusen wieder in einer Kabine. Zusammen mit Kevin Volland, der auch bei den Löwen ausgebildet worden ist. Durch die gleiche fußballerische Sozialisation wussten wir einfach, wie der jeweils andere tickt, auf dem Feld hat das enorm geholfen.

Du hast es eben schon angerissen: Seit 2016 ist unterm Bayer-Kreuz auch abseits des Platzes einiges passiert. An welche Momente erinnerst du dich besonders gern zurück?

Baumgartlinger: Die Saison 2018/19 war etwas Besonderes. Nach der Qualifikation zur Champions League sind wir am nächsten Tag als Mannschaft zusammen für drei Tage nach Barcelona geflogen. Das war schon länger geplant und die Reise hat noch einmal gezeigt, dass der Spirit in dieser Gruppe außergewöhnlich war. Wir sind im Saisonfinale noch einmal enger zusammengerückt und haben so die Grundlage für die herausragende Aufholjagd gelegt, die uns in die Champions League gebracht hat. In der Mannschaft stimmte alles. Daran erinnere ich mich sehr gern zurück.  

Was passiert in der neuen Saison? Wird die Karriere als Fußball-Profi fortgesetzt?

Baumgartlinger: Der Plan ist definitiv weiterzuspielen. Ich fühle mich gut und habe weiterhin viel Freude auf dem Platz. Die vergangenen Wochen haben mich nochmal darin bestärkt, dass ich weiter machen will. Der Körper macht wieder mit, und die Lust auf Fußball ist nach wie vor groß. Wie es weitergeht, wird man im Sommer dann sehen. Noch ist nichts entschieden.

Immer wieder heißt es, dass du alles mitbringst, um später als Trainer, aber auch als Manager zu arbeiten. Ist das für dich vorstellbar?

Baumgartlinger: Definitiv, im Fußball bin ich zuhause. Dort möchte ich auch nach meiner Karriere als Spieler bleiben. In diesem Sport habe ich die beste Ausbildung genossen. Während der aktiven Zeit kannst du als Fußballer so vieles mitnehmen, lernst verschiedene Spielkonzepte kennen und spielst unter mehreren Trainern. Das Wissen will ich nutzen.

Wohin tendierst du eher: Fußballplatz oder Schreibtisch?

Baumgartlinger: Ich kann mir vorstellen, dass die Arbeit auf dem Platz genau das Richtige für mich ist. Mit voller Leidenschaft hautnah dabei zu sein und direkt einwirken zu können – das passt zu mir. Genauso kann ich mir aber auch vorstellen, mehr im Hintergrund und konzeptionell zu arbeiten. Auch der Nachwuchsbereich würde mich reizen. In welcher Form wird sich dann zeigen.

Zum Abschluss müssen wir noch über Rudi Völler reden. Wie hast du ihn in den vergangenen Jahren kennengelernt?

Baumgartlinger: Als absolute Identifikationsfigur von Bayer 04. Auf den Auswärtsreisen im In- und Ausland wurde mir immer wieder klar, wie bekannt Rudi eigentlich ist. Egal, wo wir waren, Rudi wurde erkannt und nahm sich stets die Zeit für ein kurzes Gespräch, ein Autogramm oder ein Selfie. Wie er mit dem ganzen Trubel um seine Person umgeht, beeindruckt mich. Ich wünsche ihm für die Zukunft alles Gute.

Ähnliche News

Benjamin Seifert und zwei Teilnehmende bei der Tandem Young Coach Ausbildung
Nachhaltigkeit - 05.05.2026

Bayer 04-Vertreter bei Ausbildung von Trainer-Tandems für Menschen mit Behinderung

Wie bereits in den Jahren zuvor wurden im Rahmen der Tandem Young Coach-Ausbildung der Scort Foundation in Kooperation mit der Football Club Social Alliance (FCSA) auch 2026 wieder 22 Teilnehmende zu Fußballtrainern für Menschen mit Behinderung ausgebildet. Mit dabei in Karlsruhe war als langjähriger FCSA-Partnerklub auch Bayer 04. Gemeinsam als Tandem durchliefen Personen mit und ohne Behinderung die Ausbildung und lernten so aus unterschiedlichen Perspektiven voneinander. Nach spannenden und lehrreichen Tagen kehrte auch das Leverkusener Duo mit viel neuem Wissen und einem offiziellen Zertifikat zurück unters Kreuz.

Mehr zeigen
Ibrahim Maza
Bayer 04 - 04.05.2026

Jetzt Maza zum Bundesliga-„Rookie of the Season“ 2025/26 wählen!

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die drei Kandidaten für den Titel Bundesliga-„Rookie of the Season“ 2025/26 bekannt gegeben. Zur Wahl steht unter anderem Werkself-Profi Ibrahim Maza. Fans von Bayer 04 können ab sofort und noch bis einschließlich Donnerstag, 7. Mai (23.59 Uhr), in der Bundesliga-App für ihren Favoriten abstimmen.

Mehr zeigen
U14 von Bayer 04
Jugend - 04.05.2026

Nachwuchs: U14 springt an die Spitze – U13-Juniorinnen holen Turniersieg

Freude und Enttäuschung lagen bei den Nachwuchs-Teams von Bayer 04 an diesem Wochenende nah beieinander: Während die U19 mit einem 1:3 nach Verlängerung gegen den 1. FC Heidenheim 1846 im Achtelfinale aus dem Kampf um die Deutsche Meisterschaft ausschied, eroberte die U14 mit einem 1:0 gegen Borussia Dortmund die Tabellenführung im WDFV Junioren-Nachwuchs-Cup. Bei den Juniorinnen stand den Niederlagen der U19 und U16 der Turniersieg der U13 im belgischen Beveren gegenüber, wo Schwarz-Rot unter anderem den FC Barcelona bezwang. Das Nachwuchs-Wochenende im Überblick.

Mehr zeigen
Torschützin Bender: „Fans haben Riesen-Lärm gemacht“
Werkself-TV - 03.05.2026

Torschützin Bender: „Fans haben Riesen-Lärm gemacht“

Nach dem überzeugenden 4:0-Sieg der Bayer 04-Frauen bei der SGS Essen sprechen zwei der Torschützinnen über die souveräne Leistung und den außergewöhnlichen Auswärts-Support der Fans. Doppelpackerin Kristin Kögel und Loreen Bender ordnen den vierten Dreier in Folge ein und blicken auf die letzten beiden Spiele der Saison voraus.

Mehr zeigen