In wenigen Wochen ist Schluss, Friederike Repohl beendet im Sommer 2026 ihre langjährige Profilaufbahn. Die 31 Jahre alte Torhüterin und Kapitänin der Bayer 04-Frauen hofft, nach ihrem Innenband-Teilriss im Knie noch mal auf den Platz zurückzukehren. Im Interview mit dem Werkself-Magazin spricht die gebürtige Bielefelderin über ihre Beweggründe für den Abschied, blickt auf ihre fünf Jahre in Leverkusen zurück und verrät, was sie jungen Spielerinnen mit auf den Weg geben würde.
Friederike, wie findet man den richtigen Zeitpunkt, seine langjährige Profikarriere zu beenden?
Repohl: Diese schwierige Frage stelle ich mir auch schon recht lange. Ich habe mir die vergangenen beiden Jahre immer um Weihnachten herum Gedanken gemacht, wie lange ich noch spielen will, war aber nicht wirklich bereit für einen Entschluss. Aber jetzt, in dieser Winterpause, hat es sich genau richtig angefühlt. Ich konnte mir nicht mehr vorstellen, nächstes Jahr wieder genau am gleichen Punkt zu sein. Deshalb war für mich klar, dass ich im Sommer mit dem Ende meines Vertrages auch den kompletten Schlussstrich ziehe.
Welche konkreten Überlegungen haben dazu geführt? 31 Jahre sind für eine Torhüterin eigentlich kein Alter…
Repohl: An erster Stelle steht der Körper. Ich hatte in letzter Zeit relativ viele Verletzungen, nicht immer große Sachen, aber mir fällt kaum ein Körperteil ein, der nicht schon mal betroffen war. Die größte Baustelle ist das vorgeschädigte linke Knie, in dem ich früh zwei Kreuzbandrisse hatte und das viele Drehbewegungen und Beugungen aushalten muss. In den letzten zwei, drei Jahren haben die Beschwerden deutlich zugenommen. Am Ende habe ich gesagt, das muss nicht länger sein – auch weil ich noch wahnsinnig viele Jahre nach der Karriere vor mir habe.
Haben neben der physischen Belastung noch andere Dinge eine Rolle gespielt?
Repohl: Ich bin jetzt seit vier Jahren verheiratet und in all dieser Zeit stand immer der Sport im Mittelpunkt. Dadurch bin ich privat viele Kompromisse eingegangen und war meist weg von zu Hause, das bei mir immer noch Bielefeld ist. Ich komme da her, mein Mann ebenfalls, meine Eltern wohnen dort, das ist unser Lebensmittelpunkt. Diese privaten Dinge sind mir wichtiger geworden. Ich fühle, dass es an der Zeit ist, endlich anzukommen. Ein weiterer Punkt ist, dass ich seit vergangenem Jahr mit dem Studium fertig bin und bald beruflich eine zweite Karriere einschlagen möchte.

Welche Pläne hast du in nächster Zeit?
Repohl: Zunächst ist dann mal Urlaub angesagt. Mein Mann und ich besitzen seit einigen Jahren ein Segelboot. Wir starten damit in Laboe an der Kieler Förde und dann geht’s einmal kreuz und quer durch die Ostsee, so wie der Wind gerade steht. Das entspannt mich total.
Und was steht danach beruflich an?
Repohl: Ich habe zwei Bachelor-Studiengänge abgeschlossen, Allgemeinbiologie und Ernährungswissenschaften, und könnte mir gut vorstellen, in einem ambulanten Rehazentrum oder im Krankenhaus zu arbeiten, wo die Patienten nach Krankheit oder Operationen betreut werden. Ein anderer Schwerpunkt könnte die Qualitätssicherung in Lebensmittelbetrieben sein, nachdem ich im Bio-Studium Laborarbeit schätzen gelernt habe. Im Moment läuft gerade die Bewerbungsphase, bestenfalls startet dann ab Juli das ganz normale Berufsleben für mich.
Blicken wir auf deine fünf Jahre bei Bayer 04 zurück: Wie hat sich der Frauenfußball im Klub in der Zeit verändert?
Repohl: Wenn ich an meine erste Saison hier denke und sehe, wo wir nun stehen, ist das ein himmelweiter Unterschied. Wir sind viel professioneller aufgestellt und haben einen Riesenschritt gemacht: Das fängt beim Trainer- und Funktionsteam an, wir haben inzwischen zwei feste Physios bei uns, werden regelmäßig mit Mahlzeiten versorgt – der Klub hat da sehr viel angeschoben und Grundlagen für ein professionelles Umfeld geschaffen. Jetzt sehe ich uns als Mannschaft in der Pflicht, mit sportlichem Erfolg nachzuziehen. Diese und vergangene Saison ging es schon in die richtige Richtung. Aber wir müssen dranbleiben.
Wie beurteilst du den bisherigen Verlauf dieser Spielzeit?
Repohl: Es ist ein wahnsinniges Auf und Ab. Wir hatten uns eigentlich in der Rückrunde wieder in eine Situation gebracht, in der wir Platz drei selbst in der Hand haben, aber dann haben wir in einigen wichtigen Duellen nicht gepunktet. Von der Kaderqualität her können wir mit den direkten Konkurrenten im Kampf um Platz drei definitiv mithalten. Aber wir haben wohl zu viele Spiele wie gegen Essen (0:1, d. Red.) oder in Bremen (0:1) unnötig verloren. Solche Niederlagen solltest du dir nicht leisten, wenn du Dritter werden willst. So ehrlich müssen wir sein. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen.

Wie siehst du die Entwicklung im professionellen Frauenfußball generell in Deutschland?
Repohl: Diesen Schritt zum eigenen Liga-Verband bewerte ich positiv – und hoffe, dass dort gute Leute sind, die wissen, was sie tun und einige Dinge dadurch schnell besser werden. Manchmal hatte ich in den vergangenen Jahren das Gefühl, dass wir vom DFB vergessen werden. Warum muss es Montagsspiele geben in einer Liga, die noch nicht vollständig professionell aufgestellt ist? Auch viele Spielansetzungen habe ich oft als sehr unglücklich empfunden. Dass die Klubs das nun stärker in der Hand haben, kann viel Gutes bewirken.
Hast du in Leverkusen als Torhüterin noch mal ein höheres Level erreicht?
Repohl: Ich denke schon. Mir hat gutgetan, in der Zeit von drei Torwarttrainern (Bennet Strutz, Sören Rittmeier, Patrick Bade, d. Red,) unterschiedlichen Input und neue Reize im Training zu erfahren. Insbesondere die vergangenen drei Jahre in der Zusammenarbeit mit Pat (Bade, d Red.) haben mein Torwart-Spiel nochmal auf ein neues Level gehoben. Aber ganz entscheidend war, dass ich hier das Vertrauen bekommen und regelmäßig gespielt habe.
War für deinen Wechsel aus Wolfsburg allein die Aussicht auf mehr Einsatzzeit entscheidend gewesen?
Repohl: Ich hätte 2021 beim VfL auch verlängern können, der Klub war zufrieden mit mir. Aber für mich war klar, dass ich dort nicht als Nr. 1 gesehen werde und woanders hingehen muss, wenn ich spielen will.
Trotzdem musstest du dich dann bei Bayer 04 erstmal hinter Anna Klink einordnen.
Repohl: Ich habe mich am Anfang sehr schwergetan und bei weitem nicht das gebracht, was ich mir selbst vorstelle. Deshalb war es aus meiner Sicht auch vollkommen gerechtfertigt, dass Anna gespielt hat. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis die Leistung stimmte und ich Ansprüche anmelden konnte. Zu Beginn war es doch ein kleiner Kulturschock für mich.
So schlimm?
Repohl: Das Gesamtpaket war einfach total anders als in Wolfsburg, wo wir uns komplett auf den Fußball konzentrieren konnten: Die Trikots lagen bereit, die Handtücher, alles was du zum Aufwärmen brauchtest. Hier am Kurtekotten gab's dann auf einmal wieder einen Balldienst, man musste sich um die Wäsche kümmern, solche Kleinigkeiten eben. Dazu kam, dass meine gerade bezugsfertige Wohnung in Opladen vom schweren Hochwasser im Rheinland betroffen war, der Strom über mehrere Tage ausfiel und ich deshalb für einige Zeit anderweitig unterkommen musste. Das erste halbe Jahr war echt schwierig.
Die Zeit danach verlief umso besser. In den beiden vergangenen Jahren warst du auch Kapitänin. Was hat dich dafür prädestiniert?
Repohl: Das müssten besser andere beantworten. Roberto (Pätzold, d. Red.) hat mich zur Spielführerin ernannt, aber ich bin auch grundsätzlich jemand, der seine Gedanken offen ausspricht. Wenn wir Mannschaftssitzungen haben, sage ich, was ich denke. Vermutlich hat meine Erfahrung dazu beigetragen, dass ich diese Rolle übertragen bekommen habe. Ich habe viel Energie in die Aufgabe gesteckt und sie gern ausgefüllt.
Viele deiner Teamkolleginnen sind zehn, zwölf Jahre jünger als du. Macht sich das eigentlich im täglichen Austausch bemerkbar?
Repohl: Schon, ja. In der Kabine sind ganz andere Themen und Sachen wichtig, insbesondere Social Media spielt natürlich eine große Rolle. Wir machen uns oft einen Spaß draus und tun so, als hätte ich gar keine Ahnung davon. Dann erklären mir die Mädels alles so, als sei ich 40 Jahre älter als sie. (lacht)










Was kannst du ihnen aus deiner Erfahrung für ihren sportlichen Weg mitgeben?
Repohl: Dass es nicht ohne Extraschichten geht, wenn du voran kommen willst. Damit meine ich nicht nur auf dem Platz, sondern vor allem im Kopf. Es ist ganz elementar, sich mit vielen Dingen aktiv zu beschäftigen und auseinanderzusetzen, die die Leistung beeinflussen. Dazu zählen Ernährung, Schlaf, Regeneration, aber auch taktische Elemente, die das Spielverständnis fördern.
Wie möchtest du in Leverkusen gern in Erinnerung bleiben?
Repohl: Ich fand die warmen Worte unseres Sportlichen Leiters Achim Feifel zu meinem Abschied sehr schön. Mir bedeutet es viel, wenn die Leute sagen, ich hätte einen Impact auf unsere Entwicklung gehabt und geholfen, dass das Team in der Zeit einen Schritt vorangekommen ist. Das genügt mir völlig, das Glorifizieren von irgendwelchen Zahlen oder Statistiken brauche ich nicht.
Wie sähe denn für dich das ideale Szenario deiner letzten beiden Monate hier aus? Das Ziel ist sicherlich, nach dem Innenband-Teilriss im rechten Knie noch mal auf den Platz zurückzukehren…
Repohl: Das wäre schön, aber erst einmal zählt nur, dass das Knie in Ordnung kommt und ich nicht zu früh zu viel riskiere. Die Prognosen nach der Verletzung reichten von neun bis zwölf Wochen Pause, das ist ein relativ großer Zeitkorridor. Wenn ich das zugrunde lege, könnte ich ab Ende April noch Spiele machen, aber ich versuche da entspannt zu bleiben. Alles, was kommt, kommt, und wenn nicht, dann eben nicht. Im Großen und Ganzen bin ich mit meiner Karriere nämlich völlig fein.
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