Die Entscheidung zu diesem bis dato einzigartigem Schritt im deutschen Fußball reifte schon in den Jahren zuvor und wurde im Sommer 1998 gefällt. Schon ab diesem Zeitpunkt existierte die „Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH i.G.“.
Um den vorerst letzten Schritt in einer langen Entwicklung zur Fußball-GmbH tun zu können, musste bei der Mitgliederversammlung des Gesamtvereins eine Dreiviertel-Mehrheit erreicht werden. Dies war jedoch kein Problem – 265 der 273 wahlberechtigten Mitglieder stimmten dem Beschluss zu. Ebenso deutlich wurde die Übertragung aller GmbH-Anteile an die Bayer AG beschlossen.
„Die wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesliga ist so rasant, dass die Rechtsform eines eingetragenen Vereins nicht mehr aufrecht erhalten werden kann.“, begründete Vereinspräsident Professor Rudolf Casper damals den Schritt.
DFB musste Statuten ändern
Mit dem Votum der Mitglieder war die Ausgliederung beschlossen. Zuvor musste 1998 der DFB seine Statuten ändern, da die vollständige Übernahme nicht erlaubt war. Geschäftsführer der „Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH“ ist Wolfgang Holzhäuser.
Die Gründe die Profifußballabteilung, die U21 Regionalligamannschaft sowie die A1- und B1-Jugend aus dem Gesamtverein auszugliedern, liegen vor allem im administrativen Bereich. Die Fußball-GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Bayer AG, wirtschaftet eigenverantwortlich. „Es geht darum, einen Verein, der vom Umsatz her einem Wirtschaftsunternehmen gleicht, eine entsprechend zeitgemäße Struktur zu geben“, sagte Reiner Calmund, der als Geschäftsführer zum 1. Juli 2004 ausschied.
Enorme Werbeeffekte
Durch die Ausgliederung der Fußball-Abteilung fallen die Entscheidungswege über den Gesamtverein weg. Das heißt: Kürzere Wege führen zu schnelleren Entscheidungen, Transfers müssen beispielsweise nicht mehr vom Gesamtverein abgesegnet werden.
Die Vorteile für die Bayer AG einen Fußballverein als Tochtergesellschaft zu unterhalten, bringt der Sportbeauftragte der Bayer AG, Meinolf Sprink, auf den Punkt: „Es gibt exakte Berechnungen, wonach ein Unternehmen jährlich etwa 80 Millionen Euro investieren müsste, um national und international den gleichen Werbeeffekt zu erzielen wie wir mit unseren Fußballern. Gemessen daran, sind unsere unsere Aufwendungen um ein Vielfaches geringer.“
Börsengang ungewiss
Ob die Bayer 04 Fußball GmbH in Zukunft an die Börse geht, steht derzeit noch in den Sternen. Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser hat zu diesem Thema bereits klar Stellung genommen: „Ich wehre mich dagegen, dass Bayer Leverkusen an die Börse geht, um Kapital zu beschaffen und damit kurzfristige Liquiditätsengpässe auszugleichen.
Ich schließe es für die Zukunft jedoch nicht ganz aus. Man sollte nie „nie“ sagen, aber ich würde mich nicht dazu bewegen lassen, einen Börsengang durchzuführen, nur um „Fresh Money“ hereinzubekommen, in Kenntnis dessen, dass der Aktionär auf Dauer sein Geld verlieren wird.“